Günters Willen imponiert selbst seinem Trainer Christian Streich​

Der Gegner : Günters Willen imponiert selbst Trainer Streich

Mit Fleiß hat sich der Linksverteidiger der Freiburger zu einem wichtigen Spieler gemausert.

Dass die Tabelle der Fußball-Bundesliga nach fünf Spieltagen den SC Freiburg als ersten Verfolger der Schwergewichte aus Leipzig, München und Dortmund ausweist, wischt Christian Streich mit der ihm eigenen Art per Hand beiseite wie eine vor dem Gesicht herumschwirrende Fliege. ,,Die Tabelle interessiert mich nicht. Mich interessieren nur unsere Punkte. Wenn wir die Saison im Mai fertig haben, dann interessiert mich auch unser Platz“, sagte der 54-Jährige.

Seit 24 Jahren ist Streich Trainer beim SC Freiburg, seit jetzt auch bereits sieben Jahren als Chef der ersten Mannschaft. Was ihn daher durchaus interessiert, sind die Werdegänge der bei den Schwarz-Weißen ausgebildeten Jugendspielern. Bei einem hatte er besondere Fähigheiten erkannt, obwohl dieser noch in der B-Jugend kein Stammspieler war. ,,Ich habe damals gesagt, der Christian wird auf jeden Fall ein Zweitligaspieler. Das lässt sich gar nicht verhindern, vielleicht wird er auch Bundesligaprofi. Denn er hat etwas, das unbezahlbar ist - einen unbändigen Willen“, erklärte Streich.

Schule, Lehre und Fußball - solche Typen mag Christian Streich

Bei diesen Sätzen über Christian Günter leuchten die Augen von Streich wie bei einem Jungen, der ein tolles Weihnachtsgeschenk ausgepackt hat. 2006 kam der in Villingen-Schwenningen geborene Günter in die D-Jugend der Freiburger, jeden Tag fuhren ihn die Eltern die rund 70 Kilometer mit dem Auto zum Training. In der Schule schrieb er dennoch weiter „Einsen“, was ihm den Ruf eines Strebers einbrachte. Als nach beendeter Schule dann parallel zur Fußball-Ausbildung die Lehre zum Industriemechaniker anstand, verließ Günter morgens um 5.30 Uhr das Haus und kam abends um 22 Uhr wieder heim.

Diese Fähigkeit, vieles unter einen Hut bringen zu können, imponiert seinem Fleiß predigenden Trainer mächtig und es hat den inzwischen 26 Jahre alten gelernten Linksverteidiger im immer öfter praktizierten System mit Dreierkette in dieser Saison noch einmal einen Schub gegeben. Günter beackert die linke Seite des SC Freiburg derzeit wie kaum ein anderer Bundesligaspieler.

Alle 38 Minuten bereitet er einen Torabschluss vor, drei der bisher elf Treffer des SC hat er selber direkt vorbereitet und mit den im „kicker“ bewerteten Leistungen weist er mit 2,80 aktuell die beste Note aller Linksverteidiger der Liga auf. ,,Er hat sich mit enormem Fleiß Schritt für Schritt weiterentwickelt“, sagt Sport-Vorstand Jochen Saier und ergänzt: ,,Christans Tiefenläufe sind eine echte Waffe.“

Trainer Streich hingegen wäre nicht Trainer Streich, wenn er Günter nicht immer wieder auch auf sein eigentliches Kerngeschäft in der Defensive aufmerksam machen würde. Denn am Ende der Saison schaut der Chef dann ja schließlich auch auf die Tabelle.