Fußball: Robin Sanders macht Fortunas Bundesligakicker fit

Moderne Trainingssteuerung : Robin Sanders – Fortunas Fitmacher

Der 32-Jährige kümmert sich weder um die Aufstellung noch um die Taktik, er hat den körperlichen Zustand der Düsseldorfer Bundesligaprofis im Blick — mithilfe moderner Technik.

Die Winter-Vorbereitung war kurz, und die ersten beiden Liga-Spiele liegen bereits hinter der Fortuna. Das Team von Friedhelm Funkel wirkt topfit, trotz der 0:4-Schlappe am Sonntag gegen Leipzig. Genauso wichtig: Die Zahl der Verletzungen ist inzwischen überschaubar, vor allem der Verletzungen, die sich die Bundesliga-Profis im Training zugezogen haben. Das ist ein großer Verdienst von Robin Sanders.

Sanders bekleidet eine Postion, ohne die kein Bundesligist mehr in eine Saison startet: Der gebürtige Langenfelder kümmert sich nicht um Spielzüge oder Taktik, er ist Fitnesstrainer und schaut genau sowie sehr individuell auf den körperlichen Zustand der Fortuna-Profis.

Belastung kann kurzfristigangepasst werden

„Wir überprüfen ständig, ob die Belastungen für die Spieler passen. Das heißt, sie werden rausgenommen oder geschont, wenn erkennbar ist, dass sie erschöpft sind und eine Pause benötigen“, sagt der 32-Jährige. Andererseits weiß er auch, welche Profis mehr machen müssen, um zu den Mitspielern aufzuholen. „Das ist meist eine kurzfristige Trainingsplanung, weil wir schnell auf Belastungsspitzen reagieren können.“ Andere Trainingsinhalte, wie beispielsweise das Krafttraining, unterliegen hingegen der langfristigen Planung.

Früher urteilten die Trainer meist nur nach Gefühl, inzwischen hat bei der Trainingssteuerung die Technik stark an Bedeutung gewonnen. Auch in Düsseldorf. „Natürlich haben die Geräte bei den Messungen der körperlichen Werte eine gewisse Fehleranfälligkeit“, sagt Sanders. „Das, was wir an Werten bekommen, ist ja nur das, was auf dem Platz passiert.“

Dennoch entgehe ihnen nichts, die Trainer sehen viel, gerade ein erfahrener Mann wie Friedhelm Funkel, „der sieht alles“, sagt Sanders. So könne sich kein Spieler rausreden. Wenn jemand nicht fit ist, bemerkt es zunächst der Trainer, danach wprde es von den Daten (fast) immer bestätigt.

Fitnesswerte der Spieler werden täglich ausgewertet

Als Fortunas Cheftrainer seine Trainerkarriere Ende der 1980er-Jahre startete, gab es die Systeme noch nicht, auch reine Fitnesstrainer waren noch „nicht nötig“. Und auch wenn es selten passieren würde, dass der Trainer durch die relevanten Daten in seinen Eindrücken widerlegt wird, gehört jemand wie Sanders zum Standard im Profibereich.

Nahezu täglich wertet er die Daten aus und gleicht sie ab. „Falls sich da Abweichungen ergeben, ist es ein Zeichen zu handeln und das Gespräch zu suchen.“ So könne er dann dafür sorgen, dass Überbelastungen gar nicht erst entstehen, weil dann die Verletzungsgefahr steigt.

Die Spieler reagieren sehr unterschiedlich auf diese Art der „Überwachung“. Einige sind dankbar, andere zeigen Unverständnis, wenn sie wegen gemessener Fitnesswerte mehr, selten weniger, machen müssen. „Wir können natürlich nicht alles zu 100 Prozent überwachen. Da spielen Schlafqualität und -länge sowie Ernährung auch eine Rolle“, sagt Sanders, der zudem erklärt, dass gerade das Krafttraining mit hohen Zusatzlasten auch zur besseren körperlichen Stabilität der Fußball-Profis beigeträgt.

Herz und Laufleistung werden automatisch überprüft

Viele Fans fragen sich, was das für Gurte sind, die die Spieler während des Trainings und der Spiele am Oberkörper tragen. Das sind ein Herzfrequenz-Gurt und ein Sender auf dem Rücken, der die GPS-Daten (der Laufleistung) übermittelt, verrät der Fitnesscoach.

Und dann hat er noch einen Hinweis für Kreisliga-Kicker parat:: „Ich glaube, dass Lauftraining in der Vorbereitung durchaus seine Berechtigung hat. Aber es kann auch Vieles mit dem Ball gemacht werden kann.“ Es käme auf den Trainer an. Friedhelm Funkel steht dem Fitnesstraining sehr offen gegenüber, so dass die Zusammenarbeit mit Robin Sanders von beiden als nahezu optimal eingeschätzt wird. Auch Sanders geben der Tabellenstand und die wenigen verletzungsbedingten Ausfälle recht.

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