Funkel hat noch Spaß am Trainerdasein, denkt aber auch an Ruhestand

Interview : Funkel: Spaß am Trainerdasein, denkt aber auch an Ruhestand

Fortunas Cheftrainer macht es immer noch sehr viel Spaß bei Fortuna Düsseldorf. Er kündigte an, dass in absehbarer Zeit Gespräche zur Vertragsverlängerung geführt werden, auch weil er sich mit dem Vereinsvorstand auf einer Wellenlänge befinde.

Im zweiten Teil unseres Interviews spricht Friedhelm Funkel über die Entwicklung der Fortuna und seine eigene Zukunft.

Wie schwierig wird die Vorbereitung auf ein Spiel, wie das gegen die Bayern am kommenden Wochenende?

Friedhelm Funkel: Diese Spiele haben noch mehr mit Wille, Leiden und Leidenschaft zu tun. Leiden, weil du weißt, dass du nur 20 bis 25 Prozent Ballbesitz hast. Es ist dann unerlässlich sehr kompakt zu stehen, den Gegner immer wieder anzulaufen und bei der Ballannahme drauf zu gehen. Natürlich müssen wir dann auch nach vorne und weite Wege gehen. Die Mannschaft darf nie den Glauben daran verlieren, gegen solche Gegner eine Chance zu haben. Ich halte nicht viel davon, zurückzublicken. Aber wir werden den Spielern aufzeigen, was den Erfolg gegen die Top-Teams ausgemacht hat. Das waren eiserne Disziplin, der Glaube und nie die Ordnung verlieren. Selbst wenn man wie in München mit zwei Toren zurückliegt. Irgendeine Chance bekommst du immer. Wir müssen so verteidigen wie gegen Dortmund. Der BVB hatte kaum eine Möglichkeit. Wenn wir früh mit 0:2 oder 0:3 zurückliegen wie gegen Leipzig ist es fast unmöglich.

Und die Fans verstehen das?

Funkel: Ja, sie tragen das mit. Es ist noch nie unruhig geworden, das ist sensationell. Die Fans können das irgendwie einschätzen. Und die Mannschaft hat es dann auch bewiesen, nach Niederlagen wieder aufzustehen.

Ist es schade, dass der Trainer in München „zu früh“ gewechselt wurde?

Funkel: Grundsätzlich ist es schade, dass Nico (Kovac) beurlaubt wurde. Ein Trainerwechsel ist nicht immer förderlich. Irgendwas hat in München aber anscheinend nicht mehr gepasst. Hansi Flick ist ein Trainer der erfahren im Umgang mit Topspielern ist. Insgesamt haben die Bayern diese Krise sehr gut gemanagt. Dass die Mannschaft danach wieder so stark aufgetreten ist, ist auch ein Stück weit bedenklich. Warum haben sie es nicht vorher schon so gemacht? Die Mannschaft ist wieder aggressiver, mal sehen wie wir das in den Griff bekommen. Natürlich hätte ich mir auch gewünscht, Robert Lewandowski hätte sich jetzt operieren lassen, weil er  so einen Lauf hat. Gegen Düsseldorf hat er ganz selten getroffen. Das wird auf jeden Fall ein megaschweres Spiel. Wenn die Bayern in Topform sind, hat kein Team in Deutschland eine Chance. Das hat man im Topspiel gegen Dortmund gesehen.

Es geht dann nicht viel leichter weiter, in Hoffenheim, in Dortmund und gegen Leipzig...

Funkel: Richtig, schwerer geht’s nicht. Den einen oder anderen Punkt müssen wir kratzen. Und das schaffen wir auch.

Gibt es bis zur Winterpause ein Punkteziel oder orientieren Sie sich vor allem an der direkten Konkurrenz?

Funkel: Man muss ab Platz 13 mittendrin sein. Alles andere weiter oben wäre schon eine Sensation. Ich bin immer Realist. Wir müssen  um diese Platze zwischen 13 und 16 kämpfen. Das muss das Ziel sein, wofür wir alle alles geben müssen. Bei der Punktzahl ist es ähnlich. Wenn wir mit 13 Punkten mittendrin sind, wäre es okay, 15, 16 wären natürlich besser. Dass die Mannschaft immer dann geliefert hat, wenn es darauf ankam, liegt an den Spielern, die schon lange hier sind und für diesen tollen Teamgeist gesorgt haben.

Der Trainer gehört auch dazu. Ist die Verlängerung um ein Jahr schon durch?

Funkel: Wir haben hier ein Präsidium, das mit mir auf einer Wellenlänge ist und vernünftige Vorstellungen hat. Die wollen nicht zwei oder drei Schritte auf einmal machen. Das ist das Allerwichtigste. Wir werden in absehbarer Zeit miteinander sprechen. Ich mache es gerne, und es macht nach wie vor großen Spaß. Aber man darf nicht vergessen, dass ich 66 Jahre alt werde und die Altersgrenze nicht mehr allzu weit weg ist. Es soll nicht überheblich klingen, aber ums Geld geht es nicht.

Wie schätzen Sie die Brisanz der Hauptversammlung ein?

Funkel: Es gibt immer Nörgler. Entscheidend ist, wie sich die Unzufriedenheit darstellt. Kritik muss sein und ist angebracht, aber sie muss sachlich und darf nicht gesteuert sein. Der größte Teil der Mitglieder ist mit dem zufrieden, was wir aus unseren Möglichkeiten machen. Ich erwarte eine ruhige Versammlung, weil der Vorstand das gut und unaufgeregt macht. In Sachen Spielerverpflichtungen macht Lutz Pfannenstiel alles in Abstimmung mit mir und den Kaderplanern. Ich werde mich diesbezüglich nie der Verantwortung entziehen.

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