Fortunas Lewis Baker: Vom „Phantom“ zum präsenten Taktgeber

Lewis Baker : Vom „Phantom“ zum präsenten Taktgeber

Der 24 Jahre alte Engländer zeigt bei Fortunas Sieg in Bremen ein starkes Bundesliga-Debüt im zentralen Mittelfeld.

Einen Monat ist es her, da hielt sich Lewis Baker in Maria Alm auf. Doch der englische Fußballprofi residierte nicht etwa im Quartier der Fortuna, sondern war in einem anderen Hotel untergebracht. Die Bestätigung des Transfers zwischen dem Bundesligisten und dem Premier-League-Klub FC Chelsea ließ auf sich warten. Einige Fans erspähten den zu diesem Zeitpunkt noch nicht offiziellen Zugang, von den Medienvertretern wurde er ferngehalten. So entwickelte sich über mehrere Tage ein „Versteckspiel“ mit „Phantom“ Baker, das erst mit dem Ende des Trainingslagers in Österreich ein selbiges fand, als Sportvorstand Lutz Pfannenstiel Vollzug melden konnte.

Von Verstecken kann im Zusammenhang mit dem 24-Jährigen nach den ersten beiden Pflichtspielen der neuen Saison nicht mehr die Rede sehen. Nachdem Baker im Pokalspiel in Villingen der beste Fortune in einer schwachen Düsseldorfer Mannschaft war, gehörte die Leihgabe der „Blues“ aus London am vergangenen Samstag beim 3:1-Auftaktsieg in Bremen erneut zu den Besten im rot-weißen Trikot. Baker war in allen Bereichen des Spielfelds zu finden. Er rannte unermüdlich, warf sich in jeden Zweikampf und grätschte — nicht selten wunderte er sich über die folgenden Pfiffe von Schiedsrichter Felix Zwayer, da in England nach wie vor eine etwas andere Physis an den Tag gelegt wird als in der Bundesliga. Seiner Leistung tat dies aber keinen Abbruch. „Wir haben alle hart gearbeitet und viel Leidenschaft gezeigt. Aus persönlicher Sicht war das natürlich ein tolles Debüt für mich. Erstes Spiel in der Bundesliga und gleich der erste Sieg. Aber es freut mich noch mehr für das Team“, sagte der Mittelfeldspieler.

An der Seite von Alfredo Morales gewann Baker in der Zentrale nach anfänglichen Schwierigkeiten immer mehr Kontrolle über das Spiel. Nach der Pause ließ der Mann aus dem nördlich von London gelegenen Luton dann auch spielerische Klasse aufblitzen. Sein langer Pass auf Erik Thommy leitete das 2:1 durch Kenan Karaman ein und wurde anschließend von fast jedem Mitspieler lobend erwähnt.

Trainer Funkel bremst die Erwartungen an den Engländer

Bakers neuer Trainer attestierte dem ehemaligen U 21-Nationalspieler Englands einen guten Auftritt, bremste aber sogleich die Erwartungen: „Lewis hat gute Voraussetzungen. Er hat eine sehr gute Körpersprache und pusht seine Mitspieler. Nicht nur auf dem Platz, auch in der Kabine ist das zu beobachten. Aber wir müssen abwarten, wie er sich entwickelt und wie er reagiert, wenn er dann mal nicht spielt“, sagte Friedhelm Funkel. „Auf seiner Position sind wir mit Alfredo Morales, Marcel Sobottka, Adam Bodzek und ihm sehr gut besetzt.“

Nicht nur bei der Fortuna werden sie in den kommenden Monaten genau hinschauen, wie sich Baker entwickelt. Gleiches gilt für den FC Chelsea, der ihn seit 2015 immer wieder verliehen hat. Nach Sheffield Wednesday, Milton Keynes, Vitesse Arnheim, Middlesbrough, Leeds und Reading ist Düsseldorf die siebte Station für Baker. Pfannenstiel hat mit den Londonern eine Kaufoption vereinbart — diese soll bei neun bis zehn Millionen Euro liegen. Eine Summe, an die sie sich bei Fortuna in puncto Transfers noch immer gewöhnen müssen. Genau wie Lewis Baker an die Regelauslegung der Schiedsrichter in der Fußball-Bundesliga.

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