Fortunas Gießelmann wünscht sich ein Tor gegen Ex-Klub Hannover​

Fortuna Düsseldorf : Gießelmann wünscht sich ein Tor gegen 96

Interview Fortunas Verteidiger zählt auch diese Saison zu den „Dauerbrennern“. Der Ex-Hannoveraner ist allerdings noch ohne Torerfolg. Das will er nachholen, auch weil viele Freunde auf der Tribüne sitzen.

Für Niko Gießelmann könnte die Saison ruhig noch ein paar Spieltage länger dauern, weil er und seine Mannschaft so im „Flow“ sind und es nach Meinung des Verteidigers von Fortuna Düsseldorf derzeit richtig Spaß macht. Wir sprachen mit ihm vor dem Spiel gegen Hannover 96 — wo er selbst früher gespielt hat.

Herr Gießelmann, ist der Verlauf der Saison aus Fortunas Sicht auch für Sie eine Überraschung?

Niko Gießelmann: Ich habe mir gewünscht, dass alles so kommt. Aber ich hätte gedacht, mehr um den Klassenerhalt kämpfen zu müssen. Es ist besser so, wie es jetzt gelaufen ist, und wir haben uns das auch so verdient, weil wir uns immer mehr gesteigert haben und konstanter geworden sind.

Fühlt man, dass die Gegner inzwischen mehr Respekt vor der Fortuna haben?

Gießelmann: Ich glaube das Spiel in Dortmund hat es gezeigt. Der Gegner hat gemerkt, dass wir fußballerisch auch nicht so schlecht sind und hat sich deshalb tiefer gestellt. Sie hatten wohl Respekt vor unseren Umschaltaktionen. Und wenn sie hoch angelaufen sind, haben wir uns sehr gut rausspielen können. Was das Spielerische angeht, haben wir uns deutlich verbessert.

Sonst bleiben Niederlagen ja nicht so im Gedächtnis haften…

Gießelmann: Ja, hier ist es so, weil wir mehr als gut mitgehalten haben und es eine unverdiente Niederlage war. Selbst nach dem verschossenen Elfmeter und dem 1:3 waren wir noch nicht geschlagen. Das zeigt unsere Mentalität, die wir über die gesamte Saison gezeigt haben. Wir geben nie auf.

Verstehen Sie die Fans, die ein wenig Respekt vor der kommenden Saison haben, weil Fortuna diese Leistungen vielleicht nicht wiederholen kann?

Gießelmann: Es ist vielleicht ein wenig früh. Natürlich hat man im Hinterkopf, dass der eine oder andere den Verein verlassen wird, aber das ist normal. Ich denke, dass das Grundgerüst zusammen bleibt, damit wir eine stabile Saison spielen können. Das wird brutal schwer, weil die Gegner wissen, was wir leisten können. Der Trainer hat es bereits erwähnt, dass wir dann defensiv noch besser stehen müssen. Wir haben aber zu viele Gegentore kassiert.

Machen sich die Spieler von Fortuna schon Gedanken, wer von unten in Liga raufkommt?

Gießelmann: Das könnte für diese Vereine ja ähnlich laufen wie bei uns in diesem Jahr. Paderborn und Union Berlin können für Überraschungen sorgen. Auch wenn der HSV in die erste Liga gehört, er hat seine große Chance nicht genutzt und es daher  einfach nicht verdient.

Kann die Fortuna aus der Erfahrung heraus eine Niederlagenserie wie zu Beginn der vergangenen Saison dann vermeiden?

Gießelmann: Das tat schon weh damals. Viele haben da den Glauben an uns schon verloren. Das hat aber nicht an uns genagt. Wir sind stark genug, jeden Gegner vor Probleme zu stellen. Das Selbstvertrauen ist aber jetzt auch ein anderes.

Was waren die Highlights für Sie?

Gießelmann: Natürlich die Spiele gegen die Bayern und Dortmund. Und auch gegen Hannover, meinen ehemaligen Klub. Ich könnte für einen ganzen Block Eintrittskarten für Samstag organisieren. Das ist zwar ein wenig übertrieben, aber so viele Freunde aus Hannover wollen jetzt am Samstag dabei sein. Auch wenn sie das mit einem lachenden Auge für mich und einem weinenden Auge wegen des Abstiegs der Hannoveraner sehen. Zurück zu den Highlights: Auch die Spiele gegen Leipzig und Hoffenheim in der Hinrunde und natürlich die englische Woche kurz vor Weihnachten haben sich positiv eingebrannt.

Wie wird Hannover an das letzte Spiel in Düsseldorf rangehen?

Gießelmann: Die werden nach dem überzeugenden 3:0-Sieg gegen Freiburg noch mal alles reinhauen und zeigen wollen, dass sie nicht so schlecht sind. Zudem sind auch einige Verletzte, wie Ihlas Bebou, wieder dabei.

Und was will die Fortuna im letzten Saisonspiel zeigen?

Gießelmann: Natürlich wollen wir mit aller Macht einen positiven Abschluss. Das ist natürlich unser Anspruch, weil unsere Fans das absolut verdient haben. Und wir wollen mit einem richtig guten Gefühl in die Pause gehen. Das ist der Eindruck, den du mitnimmst. Wir sind jedenfalls nicht mit dem Kopf schon im Urlaub, dann wäre es ja auch schon in den letzten Spielen so gewesen. Unser Ziel ist, den zehnten Platz zu erobern. Und wir haben noch so viel Freude daran, erfolgreich zu sein.

Und wer waren so für Sie die unangenehmsten Gegenspieler im Verlauf der Saison?

Gießelmann: Natürlich sind das die Stürmer, die international bekannt sind. Ein Pulisic, Sancho oder Hazard, den wir im Rückspiel gegen Gladbach aber gut im Griff hatten. Oder Ribery und Robben. Und ich bin froh, dass ich nicht gegen Dodi (Lukebakio) spielen musste. Wenn er gut drauf ist…

Gab es auch schlechte Erfahrungen?

Gießelmann: Nein, nicht so richtig, weil ich eine sehr konstante Saison gespielt habe. Höchstens das Pokalspiel in Ulm fällt mir da ein. Insgesamt bin ich sehr zufrieden. Ein paar Assists mehr und das erste Bundesliga-Tor – was ja gegen Hannover kommen kann – sind natürlich noch Ziele. Aber ich habe gezeigt, dass ich auf diesem Niveau mithalten kann und wir uns als Mannschaft angepasst und weiterentwickelt haben.

Mehr von Westdeutsche Zeitung