Fortuna: Zwischen genial und überheblich

Fortuna: Zwischen genial und überheblich

Trotz des Selbstvertrauens konnte die Fortuna klarste Chancen nicht nutzen.

Düsseldorf. Nach jedem erfolgreich absolvierten Spiel — und das waren zuletzt mehrfach der Fall — klang bei Oliver Reck das Bedauern durch. Fortuna hätte mit nur ein paar Punkten mehr noch ernsthaft in das Aufstiegsrennen eingreifen können. Eine Niederlage, zwei Unentschieden und sechs Siege stehen für den Interimstrainer zu Buche. „Wir haben wirklich zuletzt tolle Spiele gezeigt.“ Vielleicht hätte Fortuna auch in Karlsruhe drei Punkte geholt, wenn es wirklich noch um etwas gegangen wäre.

Eine aussagekräftige Antwort, warum es in der Hinrunde nicht so gut gelaufen ist, muss Oliver Reck offensichtlich noch selbst suchen. Am Potenzial der Mannschaft, wie oft und lange Zeit behauptet wurde, liegt es eindeutig nicht. Und auch allein Winterzugang Michael Liendl als österreichischen „Heilsbringer“ zu feiern, wäre zu kurz gedacht. Auch ohne ihn gab es zum Saisonstart gegen Cottbus (1:0) und in Köln (1:1) Leistungen, die auf Qualität hindeuteten.

Doch die darauf folgenden Niederlagen gegen 1860 München (1:2) und in Berlin (1:2) haben für Rückschläge gesorgt, die am Selbstvertrauen des Teams genagt haben. Hinzu kommen, dass Training und Ansprache von Coach Mike Büskens nicht bei allen Spielern so leistungsfördernd angekommen sind.

Doch was läuft jetzt anders bei der Fortuna? Natürlich haben die Siege Selbstvertrauen gegeben — und vor allem Vertrauen in die eigene Stärke. Lorenz-Günther Köstner hat für Stabilität in der Abwehr gesorgt, Oliver Reck verlangte von den Spielern, dass sie mehr Mut und Vertrauen zur Offensive aufbringen müssen. Ohne die sichere Abwehr hätte das Spiel nach vorne nicht funktioniert. Und ohne den Spaß, den Reck seinen Spielern beim Training und während der Spiele vermitteln kann, auch nicht.

Dass mentale Stärke leicht in Überheblichkeit umschlagen kann, war in Karlsruhe in Ansätzen zu erkennen. Denn sechs klare Chancen in einem knappen Spiel auszulassen, spricht nicht für höchste Konzentration. „Wir hätten noch gradliniger nach vorne spielen müssen“, sagte Michael Liendl und schloss sich in die Kritik an der Fahrlässigkeit im Auslassen der Chancen ein. „Ich glaube nicht, dass uns der Druck gefehlt hat, sonst wären wir nicht zu so vielen klaren Möglichkeiten gekommen“, sagte der Österreicher.

„Wir wollten unbedingt das dritte Tor, und vielleicht hat nur das gewisse Etwas und Glück gefehlt.“ Trotzdem habe seine Mannschaft wieder ein gutes Spiel gezeigt. Darauf war auch Oliver Reck stolz. „Wir werden nicht nachlassen“, sagte der Trainer, der Timm Golley keinen Vorwurf machte, weil dieser den Elfmeter zum 2:2-Ausgleich verschuldet hatte. „Wie bei seiner Großchance muss er auch in dieser Hinsicht als junger Spieler seine Erfahrungen machen“, sagte Reck.

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