Fortuna wurde kalt erwischt

Rostock. Die Fortuna wurde in Rostock eiskalt erwischt. Das galt keineswegsnur für Trainer Norbert Meier, der seine lange Unterhose vergessen hatte. Amletzten Spieltag der Hinrunde in der 2. Fußball-Bundesliga kassierte derAufsteiger eine 1:2-Niederlage auf einem nur notdürftig von Schnee und Eisbefreitem Rasen.

Während die meisten Spieler der Gäste die widrigenPlatzverhältnisse als Begründung für eine spielerisch enttäuschende Leistungheranzogen, suchte Meier nicht nach Entschuldigungen. Fortunas Trainer, deräußerlich sehr entspannt mit der Niederlage umging, sagte: "Wir dürfen nachdiesem Spiel nicht traurig sein.

Im Gegenteil, ich muss meiner Mannschaftein Kompliment machen, dass sie auch diesmal zurückgekommen ist." Aber esreichte diesmal nicht.Dafür lagen seine Spieler auch früh genug hinten. Alle elf Fortunen gingenohne richtige Einstellung für den Platz, den Ball und vor allem für dieLeidenschaft ihrer Gegenspieler ins Spiel. "Die Leidenschaft war schon da,aber jeder kleine Fehler wurde von Hansa bestraft", erklärte FortunasTorwart Michael Ratajczak, der nach 13 Minuten erstmals hinter sich greifenmusste. Kollege Sebastian Heidinger hat unfreiwillig Kai Bülow den Ball vordie Füße gelegt.

Dessen Schuss fand durch die Beine von Freund und Feindhindurch den Weg zum 1:0 ins Tor der Fortuna. Die nächste Schreckenssekundefür Norbert Meier war zehn Minuten später die Verletzung von Bamba Anderson.Fortunas Verteidiger landete falsch auf dem harten Boden und muss mit einerharten Diagnose rechnen. "Er hat irgendetwas am Knie", sagte Meier, der denBrasilianer kurz vor der Pause ebenso auswechseln musste wie wenig späterPatrick Zoundi, der sich eine Muskelverletzung zugezogen hatte.

Erneut bewies Fortunas Trainer mit der Einwechslung aber ein gutes Händchen.Denn der neue Stürmer Marcel Gaus bediente vier Minuten nach der PauseMartin Harnik und leitete damit dessen Tor zum 1:1-Augleich ein. Doch dasGlück stand der Fortuna bei 12 Grad Minus diesmal nicht zur Seite. ElfMinuten vor dem Ende fiel erneut einem Rostocker in Person von KevinSchlitte der Ball vor die Füße. Das 2:1 drückte an diesem Tag dieKräfteverhältnisse zum Leidwesen der Gäste richtig aus.

"Dass wir in den letzten 20 Minuten mehr Leidenschaft gezeigt haben, warausschlaggebend", erklärte Andreas Zachhuber. Der Trainer der Rostocker zogan diesem Nachmittag ebenso zufrieden Bilanz wie Norbert Meier auf deranderen Seite. Der Besuch eines Konzertes der Toten Hosen nach derabendlichen Rückkehr ins Rheinland war die stimmungsvolle Belohnung für einetolle Halbserie. Aber Meier wäre kaum er selbst, wenn er nicht zum AbschlussHinrunde schon auf die Arbeit hingewiesen hätte, die der Fortuna in derRückrunde bevorsteht. Er wird beim nächsten Winterspiel jedenfalls nicht nuran die lange Unterhose denken.

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