Fortuna will die Frauen

Jeder vierte Fortuna-Fan ist weiblich. Deshalb gibt’s jetzt rosa Schals und ab Donnerstag eine Homepage für Frauen.

Düsseldorf. Fankurven waren immer eine Bastion der Männlichkeit - eine Welt der markigen Sprüche, des aggressiven Gebrülls und auch schon mal die des Faustkampfes nach dem Abpfiff. Für Frauen schien da kein Platz zu sein. Doch diese Zeiten sind vorbei.

Wie es sich für einen nach einer weiblichen Gottheit benannten Verein gehört, mischen sich Jahr für Jahr in Düsseldorf - wie anderswo - zunehmend höhere Stimmlagen in die Fangesänge. Fußball ist zum gesellschaftlichen Ereignis geworden, zu einem für die ganze Familie. "Vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2006 hat sich bei Fortuna-Spielen der Anteil weiblicher Fans auf 23,7 Prozent verdoppelt", sagt Dennis Schröder, Marketinexperte bei der Fortuna. Tendenz steigend. Die Bandbreite der Frauen, die ins Stadion gehen, reicht von der Aufsichtsrätin und promovierten Pädagogin Dagmar Starke bis zu den Mitgliedern des reinen Frauen-Fanclubs "Böse Mädchen".

Die Gründe für die wachsende Frauenpower in der Fankurve sind aus Schröders Sicht vielfältig: das neue Stadion, die Erfolge der Frauennationalmannschaft, das Sommermärchen 2006. "Außerdem sind die Fans in der vierten Liga eng zusammengerückt. Das war eine familiäre Atmosphäre, als diese verschworene Gemeinschaft über die Dörfer getingelt ist."

Fortuna hat nun die Konsequenzen gezogen. Claudia Beckers, Andrea Köhn, Melissa Schiefer und Sonja Reidenbach bilden ein vierköpfiges Team, das der neu gewonnenen Zielgruppe entgegen zu kommen versucht.

Zum Beispiel mit Fanartikeln wie Pullis und T-Shirts. Seit einem Jahr gibt es sogar einen rosa Schal im Fanshop. "Wir haben bereits 1000 Stück verkauft", sagt Reidenbach, Projektleiterin, langjährige Fortuna-Anhängerin und Studentin der Sportökonomie im zwölften Semester.

Seit heute ist außerdem eine Homepage für Frauen online. Über den Link "Geflüster" können sich Besucher der Fortuna-Seite von der extra von einer Modezeichnerin entwickelten Figur "Et Schluffmarie" über die Seite führen lassen.

In einer der vier Rubriken wird der "Fan des Monats" vorgestellt. Im August ist es die 22-jährige Jennifer Giskes, die erzählt, dass sie sogar Urlaube und Arbeitszeiten auf Fortuna-Spiele abstimmt. Außerdem stehen Interviews mit Spielerfrauen online. Zum Auftakt erzählt Nicole Christ, Ehefrau von Marco, wie sie den Alltag eines Fußballers erlebt.

"Wir machen keine Homepage für das Klischee des weiblichen Fans, dem es nur darum geht, wie die Kerle aussehen", sagt die 26-jährige Reidenbach. Obwohl natürlich in Spieler-Interviews auch mal die verwendete Parfüm- oder Unterhosensorte abgefragt und in Umfragen über den besten Körper abgestimmt würde.

In weiteren Rubriken gibt es zudem die Sprüche des Monats und Einkaufstipps. Die Homepage ist für Reidenbach ein weiterer Schritt in Richtung der weiblichen Fortunen. Weitere sind geplant, und das Ziel steht fest: "Über kurz oder lang sollte jeder dritte Fan im Stadion weiblich sein."

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