Fortuna: Videodreh gegen Homophobie

Fortuna: Videodreh gegen Homophobie

Fans der Fortuna bilden die Kulisse für das neue Musik-Video von Marcus Wiebusch. In diesem geht es um Schwulen- und Lesbenfeindlichkeit im Fußballstadion.

Düsseldorf. Das Fußballstadion gilt immer noch als rauer Ort mit direkter Sprache. Was außerhalb im Alltag längst verpönt ist, wird dort von einigen auch 2014 noch dazu benutzt, den Gegner oder wahlweise den Schiedsrichter zu beleidigen. Vor allem homophobe Äußerungen. In der Fanszene der Fortuna wird seit langem dagegen gekämpft. Mittlerweile gibt es einen eigenen schwul-lesbischen Fanclub. Dazu gab es im Laufe der Jahre mehrere Aktionen, beispielsweise der Gruppe „Dissidenti Ultra“.

Am Montagabend nun setzten rund 70 Fortuna-Anhänger in der Arena ein weiteres klares Zeichen gegen Homophobie. Die Fußball-Fans bildeten die Kulisse zu Dreharbeiten zum Musikvideo des Künstlers Marcus Wiebusch und seiner Single „Der Tag wird kommen“ aus dem Album „Konfetti“.

Der Song des Frontmanns der Band „Kettcar“, der momentan als Solokünstler auftritt, beschäftigt sich mit dem Umgang mit Homophobie. Und das besonders in Fußballstadien, wo Schwulen-und Lesbenfeindlichkeit immer wieder für Aufsehen sorgen.

Aufgabe der Fortuna-Fans war es, eine Stadion-Atmosphäre darzustellen. Im Stehplatzblock 38 auf der Südtribüne mussten die Fortuna-Anhänger geduldig und starr immer wieder in die moderne Schwenk-Kamera der beiden Regisseure Dennis Dirksen und Björn Lingner schauen. „Keiner hat sich bis jetzt so gut während der Dreharbeiten verhalten, wie ihr“, lobten die Filmemacher die Fortuna-Fans gleich mehrfach während der gut eineinhalbstündigen Aufnahmen.

Das Filmteam dreht neben den Aufnahmen in Düsseldorf vergleichbare Sequenzen beispielsweise in Dortmund, Schalke und Bremen. Insgesamt sind zehn bekannte Vereine und ihre Schlachtenbummler an dem Projekt beteiligt. Dementsprechend wenig ist von den einzelnen Fanszenen am Ende im Video zu sehen. Die rund eineinhalbstündigen Aufnahmen vom gestrigen Montag reichen also nur für rund zwanzig Sekunden im fast siebenminütigen Song von Marcus Wiebusch.

Dass er sich auch die Fortuna-Fans für sein Projekt ausgesucht hat, kommt nicht von ungefähr. Viele Fangruppierungen aus Düsseldorf engagieren sich schon länger beim Thema Kampf gegen Homophobie. Entsprechend leicht fiel den Fans das Mitmachen. „Ich freue mich über die rege Teilnahme und halte die Idee für ein sehr gelungenes Projekte“, sagte etwa Dirk Middeldorf, Mitglied des schwul-lesbischen Fortuna-Fanclubs WarmUp 95, der sich mit vielen Mitgliedern an den Filmaufnahmen im Stadion beteiligte.

Doch auch viele Mitglieder anderer Gruppen — von Ultras bis zu älteren Fortunen — waren unter den Teilnehmer zu erkennen. Premiere feiert das Musikvideo am 6. September in Hamburg.

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