Fortuna und Polizei gemeinsam gegen Schläger

Fortuna und Polizei gemeinsam gegen Schläger

Der Polizeipräsident und der Verein wollen bis zum Start der neuen Saison gemeinsam eine Lösung finden.

Düsseldorf. "Das sah aus wie Bürgerkrieg!" Eine Anwohnerin der Kurze Straße war schockiert, als sie in der Nacht zu Sonntag gegen 1 Uhr aus ihrem Fenster sah. Fortunafans warfen mit Flaschen, Stühlen und Steinen. Polizeihundertschaften versprühten in den Altstadtgassen Tränengas. "So etwas hatten wir in Düsseldorf noch nie", sagt auch Polizeipräsident Herbert Schenkelberg. "Ich bin erschrocken über das Ausmaß der Aggressionen."

Der Einsatz am Samstagabend wird im Präsidium noch immer ausgewertet. Denn zumindest das Verhalten einiger Beamten wird von Augenzeugen kritisch gesehen. Markus Schneider vom Supporters Club (SCD) der Fortuna berichtet, dass Polizisten auch unbeteiligte Fans bis in die Gaststätten verfolgt und mit Pfefferspray besprüht hätten. Knoten-Wirtin Isa Fiedler spricht davon, dass ihre Kellner von Polizisten attackiert worden seien, als sie Terrassenmöbel in Sicherheit bringen wollten.

Unstrittig ist aber auch aus Fiedlers Sicht, dass die Gewalt von aggressiven jungen Männern in Fortuna-Trikots ausging. Im Internet kursieren Videos, die zeigen, wie erst Flaschen nach den Beamten geworfen werden, dann auch Stühle von den Altstadt-Terrassen. Die Feuerwehr berichtet zudem, dass ein Notarzt von Umstehenden attackiert worden sei, als er eine kollabierte Frau behandeln wollte.

Polizeipräsident Schenkelberg hat nach der Sichtung von Berichten der eingesetzten Beamten und von Videomaterial "keine Zweifel, wer da der Gute und wer der Böse war". Und er erwarte, dass sich die Fortuna von der Gewalt distanziere.

"Wir werden die Vorfälle vereinsintern aufarbeiten", sagt dazu Peter Frymuth, Vorstandsvorsitzender des Vereins. Die erfreulicheren Seiten des Wochenendes hätten ihm bislang keine Gelegenheite gegeben, umfassende Informationen über Akteure und Beweggründe der Ausschreitungen einzuholen.

Wie die Polizei sieht Frymuth die Entwicklung des Aggressionspotenzials rund um den Fußball mit Sorge. "In diesem Jahr gab es in der Altstadt oft Vorfälle nach Spielen - ich denke da auch an Bayer Leverkusen", sagt Frymuth. "Dass es jetzt die Fortuna betraf, hat mich überrascht."

Die Gewerkschaft der Polizei fordert nach den Ausschreitungen ein neues Sicherheitskonzept der Polizei zu Fußballspielen - und zwar vor dem Start der neuen Saison. Das wollen auch Polizei und Fortuna in Düsseldorf. "Die Zusammenarbeit mit dem Verein ist da gut", sagt Polizeipräsident Schenkelberg. Deshalb wolle man die Fortuna-Spitze auch in die Suche nach neuen Lösungen einbinden.

Peter Frymuth nimmt diese Einladung an - auch wenn er glaubt, dass der Verein nur bedingten Einfluss auf das Verhalten von Chaoten im Trikot hat, die sich fernab des Stadions und viele Stunden nach Abpfiff eines Spiels Schlägereien liefern. "Aber schon der vielen friedlichen Fans wegen, die mit den Gewalttätern in einen Topf geworfen werden, müssen wir dagegen angehen." Schenkelberg ist sicher, dass die Kooperation gelingen wird: "Wir werden auf die Saison vorbereitet sein."

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