Fortuna und ihre Transfers: Von Tah, Mill, Pancev und Co.

„Fortunas Transfergeschichten“ : Talente, Stars, Exoten und ein Weltmeister

Im zweiten Teil der Serie geht es unter anderem um den jungen Jonathan Tah, Torjäger Darko Pancev, Routinier Frank Mill und in Vergessenheit geratene Profis wie Kozo Yuki oder Mazin Ahmed Al-Huthayfi.

Fortuna Düsseldorfs Erfolg in der jüngeren Vergangenheit hängt auch damit zusammen, dass der Verein nicht allzu oft auf dem Transfermarkt daneben gegriffen hat. Das belegen Verpflichtungen von Spielern wie Matthias Zimmermann, Jean Zimmer oder Niko Gießelmann. Doch das war beim Fußball-Bundesligisten nicht immer so. Im zweiten Teil unserer Serie „Fortunas Transfergeschichten“ blicken wir auf die Zeiten zurück, als Uwe Weidemann sein Karriereende wegen Fortuna hinauszögerte, ein Saudi vergeblich versuchte, in der Bundesliga Fuß zu fassen und ein europäischer Top-Torjäger in Düsseldorf landete.

Die Ältesten und Jüngsten

Karlsruhes Hiroki Yamada und Jonathan Tah (r.) gehen ins Eins-gegen-eins. Foto: picture alliance / dpa/Uli Deck

Während Fußballer mit 36 Jahren längst eine Rarität im Profizirkus geworden sind, wollte es Uwe Weidemann damals noch einmal wissen. Eigentlich plante der Mittelfeldspieler 1999, seine aktive Karriere zu beenden, ehe die Fortuna noch einmal anklopfte. In Düsseldorf erlebte der Blondschopf jedoch das dunkelste Kapitel der Vereinsgeschichte mit und stieg mit den Rot-Weißen 2002 in die viertklassige Oberliga ab. Im selben Jahr hängte er die Fußballschuhe an den Nagel und setzte sich stattdessen auf die Trainerbank, zunächst bei der „Zwoten“, dann im November 2004 schließlich auch bei den Profis. Weidemanns Zeit in Düsseldorf endete drei Jahre später. Danach versuchte er es noch mal als Coach beim KFC Uerdingen und VfR Fischeln — ohne durchschlagenden Erfolg.

Aristide Bancé (l.) wird von Adnan Mavrac attackiert. Foto: picture alliance / dpa/Caroline Seidel

Im hohen Fußballer-Alter von 35 Jahren versuchte auch Frank Mill in der Spielzeit 1994/95 sein Glück in der Landeshauptstadt. Nach seinem Wechsel von Borussia Dortmund steuerte er noch fünf Tore zum Aufstieg ins deutsche Oberhaus bei. Anschließend hielt er mit der Fortuna die Klasse und wechselte nach Saisonende ins Management. Diese kurzweilige Episode dauerte bis zum Juni 1998 und gipfelte in der Entlassung des ehemaligen Nationalspielers, der 1990 Weltmeister wurde. Ein Stachel, der bis heute tief sitzt. „Ich habe dort mit 38 aufgehört, danach wurde ich Sportbeauftragter. Das habe ich zwei Jahre gemacht. In der Zeit habe ich Klaus Allofs verpflichtet und der hat mich dann abgesägt, innerhalb von einer Woche“, sagte Mill 2018 in einem Interview mit dem „Pfalz Echo“.

Nie das Trainerzepter in Düsseldorf geschwungen hat Mirko Slomka. Dennoch war der heutige Hannover-Coach maßgeblich daran beteiligt, dass eines der derzeit größten deutschen Abwehrtalente eine Saison bei der Fortuna verbrachte. Die Rede ist von U 21-Nationalmannschaftskapitän Jonathan Tah. Besagter Slomka fand 2014 keine Verwendung für den damals aufstrebenden 18 Jahre alten Innenverteidiger. Diese Chance nutzten die Rot-Weißen und liehen Tah kurzerhand für eine Spielzeit aus. Ein gelungener Deal, denn der heutige A-Nationalspieler gehörte in einer durchwachsenen Zweitligasaison zu den Leistungsträgern.

Im Teenageralter kam auch Günter Thiele zur Fortuna. Der Stürmer mit dem markanten Schnauzbart war noch nicht volljährig, als er seinen Heimatklub VfR Neuss verließ und auf die andere Rheinseite übersiedelte. Im Nachhinein eine gute Entscheidung, denn „Schädel“, wie er von seinen Teamkollegen aufgrund seiner Kopfballstärke genannt wurde, feierte in jungen Jahren den DFB-Pokalsieg (1980) und traf in 129 Erstliga-Partien insgesamt 44 Mal für Rot-Weiß. Nach seinem Abschied 1986 spielte er noch für Gladbach, Duisburg und Union Berlin, ehe er seine Karriere in Venezuela ausklingen ließ.

Die Vergessenen

Vor der Saison 2009/10 war die Personallage in Fortunas Defensive sehr angespannt, also entschloss sich die sportliche Führung um Vorstand Wolf Werner, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und verpflichtete den Japaner Kozo Yuki. Dieser sollte einerseits den personellen Engpass in der Abwehr lösen, andererseits auch viele seiner in Düsseldorf lebenden Landsleute in die Arena locken. Beides funktionierte suboptimal. Yuki brachte es lediglich auf zwei Startelfeinsätze für die Profis, beide aber immerhin über die volle Distanz.

Davon konnte bei Karim Aouadhi nicht die Rede sein. Der Tunesier, der 2011 vom tunesischen Spitzenverein Club Africain Tunis verpflichtet wurde, spielte lediglich ganze sieben Minuten für die Fortuna. Ende Dezember löste der Mittelfeldspieler seinen Vertrag auf eigenen Wunsch dann auch schon wieder auf. Der Grund: Sprachprobleme, die seine weitere sportliche Entwicklung gefährden würden. Aktuell spielt er wieder in seiner tunesischen Heimat und stand im Aufgebot der Nationalmannschaft beim diesjährigen Afrika-Cup.

Eine geplante Kooperation zwischen Fortuna und dem saudischen Klub Al-Ittihad Dschidda sollte derweil einem gewissen Mazin Ahmed Al-Huthayfi den Sprung in die Bundesliga ermöglichen. Der Name des Saudi-Arabiers ging bei der Flut an Zugängen im Sommer 2012 fast schon unter, auf dem Rasen ging er dann vollständig baden. Denn Mazin, zuvor noch als bester Spieler seines Klubs angepriesen, fehlte jede Tauglichkeit für den deutschen Profifußball. In Erinnerung blieb lediglich ein Kommentar vom damaligen Trainer Norbert Meier. Der fragte den Mittelfeldspieler während einer Übungseinheit im Trainingslager in Österreich: „You know what ,auskotzen‘ means?“

Die Extrovertierten

Mit seiner blonden Rastafrisur war Aristide Bancé allein schon optisch ein Hingucker, fußballerisch blieben seine Darbietungen in der Arena dagegen dürftig. In 16 Zweitliga-Einsätzen markierte der einstige Torjäger von Mainz 05 mickrige zwei Tore und brach sich während seiner Zeit am Rhein den Unterarm. Inzwischen spielt der heute 34-Jährige nach Stationen in der Elfenbeinküste, Burkina Faso, Ukraine, Belgien, Vereinigte Arabische Emirate, Katar, Türkei, Deutschland, Finnland, Kasachstan, Südafrika, Lettland und Ägypten für den Horoya AC in Guinea.

Ein europäischer Top-Torjäger im Trikot der Fortuna? Doch, das gab es auch einmal. 1995 gelang den Rot-Weißen mit der Verpflichtung von Stürmer Darko Pancev von Inter Mailand ein vermeintlicher Coup, war er doch Anfang der Neunziger Jahre Teil der goldenen jugoslawischen Generation um Davor Suker, Dejan Savicevic und Robert Prosinecki. Zudem war Pancev 1991 mit 34 Treffern für Roter Stern Belgrad Europas bester Torschütze. Was sollte da schon schiefgehen? Hätte die Fortuna mal lieber in Leipzig nachgefragt. Denn schon bei seiner ersten Bundesliga-Visite fiel der Stürmer beim VfB nicht sonderlich auf: zehn Spiele, zwei Tore. Ebenso viele Treffer waren es dann auch in Düsseldorf — bei 14 Einsätzen.

Er sollte der Königstransfer nach der Rückkehr in die Fußball-Bundesliga werden, doch statt die Fortuna mit seinen Toren im Oberhaus zu halten, sorgte Andrey Voronin eher außerhalb des Platzes für Schlagzeilen. Einmal feierte der  ukrainische Stürmer nach einer Krankmeldung feuchtfröhlich den Geburtstag seiner Frau in der Düsseldorfer Disco „Rudas“, ein anderes Mal zeigte er Fotografen den Stinkefinger. Während Sportvorstand Wolf Werner bei seiner Vorstellung noch sicher war, „dass er auch bei uns seine Qualitäten als Torjäger unter Beweis stellen wird“, lieferte Voronin das genaue Gegenteil ab. Seine Bilanz: Zehn Spiele, kein Tor, eine Vorlage.

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