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Fortuna-Trainer Uwe Rösler: Ich lebe in der Bundesliga meinen Traum​

Interview : Fortuna-Trainer Uwe Rösler: Ich lebe in der Bundesliga meinen Traum

Fortuna Düsseldorfs Cheftrainer schätzt die englische Liga zwar als beste Europas ein. Aber mit der ersten Stelle als Bundesliga-Trainer ist er sehr glücklich und geht davon aus, den Klassenerhalt zu schaffen.

Im zweiten Teil des großen Interviews mit Fortuna-Cheftrainer Uwe Rösler geht es nur noch am Rande um das Corona-Virus. Der 51-Jährige spricht vor allem über die sportliche Situation seines Vereins.

Herr Rösler, als Sie zur Fortuna gekommen sind, hatten Sie gewisse Vorstellungen. Haben sich diese erfüllt?

Rösler: Ich habe unheimlich viele Erlebnisse in dieser kurzen Zeit bei der Fortuna gehabt. Sachen, mit denen ich nicht rechnen konnte. Ich habe die Zeit aber auch genossen, die Begeisterung in den Stadien, auch diese Bereitschaft von unseren Fortuna-Fans, mich anzunehmen und die Mannschaft so zu unterstützen. Das hat mich sehr glücklich gemacht. Ich bin mit offenen Armen empfangen worden und hatte das Gefühl, dass mir jeder eine Chance gibt. Wie sich die Mannschaft gezeigt hat im ersten Spiel, hat mir viel bedeutet. Das ist das, was man sich als Trainer wünscht. Die Qualität, das Tempo und die Dynamik in der Bundesliga, die taktischen Finessen und die Flexibilität in der Liga begeistern und fordern mich und machen mich besser. Die Coronakrise jetzt ist eine weitere Herausforderung, woraus wir das Beste machen sollten, um da durch zu kommen. Diese Kämpfer-Qualitäten habe ich aber, die hat auch die Mannschaft und unser Verein. Gemeinsam werden wir das mit unseren Fans durchstehen. Die Erfahrung Bundesliga hat sich bis auf die Corona-Krise so entwickelt, wie ich es mir vorgestellt habe.

Wird Fortuna die Konkurrenz, die im Abstiegskampf noch vor ihr steht, einholen können, um auf Platz 15 zu springen?

Rösler: Ich glaube, dass wir eine Entwicklung genommen haben. Uns fehlt vielleicht noch das I-Pünktchen, um vielleicht zwei dieser Unentschieden in Siege zu verwandeln. Da würde die Tabelle anders aussehen. Aber wir sind nicht weit weg und zeigen inzwischen eine gewisse Stabilität. Selbst gegen Gladbach, obwohl wir 1:4 verloren haben, konnten wir bis zur 77. Minute ordentlich mithalten. Wegen der vorhandenen Qualität und des Verbesserungspotenzials, das wir haben, glaube ich, dass wir die Klasse halten können. Wie das dann funktioniert, ob wir mit Platz 15 oder Platz 16 und zwei Relegationsspielen die Klasse halten, interessiert mich heute nicht. Für mich ist nur wichtig, in der Liga zu bleiben. Wir wollen die Stabilität ausbauen und die I-Pünktchen zu setzen. Um andere Mannschaften noch da unten reinzureißen, brauchen wir aber auch Siege.

Ist es ein Vorteil, dass die Erfahrung im Abstiegskampf genauso da ist, wie dieser unbedingte Wille?

Rösler: Das sehen Sie genau richtig. Die Mannschaft hat sich mit dem Thema Abstiegskampf von Anfang an befasst. Das hatte Friedhelm Funkel richtig eingeschätzt, so dass es kein Neuland für die Spieler ist. In Bremen könnte das mit dem höheren Etat im Vergleich zu uns anders aussehen. Das kann unser Vorteil sein. Mainz und Augsburg sehen uns, wenn sie über ihre Schultern schauen. Jeder bei uns weiß, dass wir in der Lage sind, die Klasse zu halten, auch wenn es noch einige Up und Downs geben wird. Aber wir haben es noch selbst in der Hand. Da sehe ich auch unsere Entwicklung, wir müssen diese Position jetzt ausbauen.

Sie haben in England gearbeitet, ist die Premier League noch der Bundesliga voraus?

Rösler: Die Premier League ist die stärkste Liga der Welt. Die Qualität ist noch mal höher als in der sehr guten Bundesliga, in der auch die jüngeren Spieler eine Chance bekommen. Der deutsche Fußball ist überhaupt so etwas wie ein Jungbrunnen. Die erste Liga in England hat sich in den vergangenen Jahren ein wirtschaftliches Level erarbeitet, so dass deswegen dort auch die besten Spieler der Welt spielen, wenn man mal von Barcelona, Real Madrid, Juventus und Paris absieht. Die Qualität kommt auch dadurch zustande, weil dort auch die besten Trainer der Welt arbeiten. Die derzeitige Schwäche im Europapokal sollte man ohnehin nicht an einem Jahr allein festmachen.

Ist das für Sie ein Traum als halber Brite, dort mal bei einem Spitzenverein zu arbeiten?

Rösler: Nein. Ich bin Realist und habe mir meinen Traum mit der Tätigkeit in der Bundesliga erfüllt. Ich bin sehr glücklich, in der Bundesliga zu arbeiten. Ich hatte in England eine gute Zeit, aber ich lebe meinen Traum jetzt und das ist die Bundesliga. Da habe ich so viel Spaß dran und hoffe, mit Fortuna auch nächstes Jahr diesen Traum zu leben.