Fortuna spielt in Hoffenheim Remis : Alter Hase überrascht Jungspund

Fortuna Düsseldorf entführt einen Punkt beim Favoriten Hoffenheim: Julian Nagelsmann findet kein Rezept gegen Friedhelm Funkels stabiles Defensivsystem.

Sie waren natürlich umlagert von Fotografen, als sie sich 40 Minuten vor Anpfiff im Sinsheimer Stadion begrüßten. Der älteste Trainer der Bundesliga ging auf den jüngsten zu und umarmte ihn. Friedhelm Funkel (65) von Fortuna Düsseldorf und Julian Nagelsmann (31) von der TSG Hoffenheim scheinen überhaupt ein herzliches Verhältnis zueinander zu haben, das von gegenseitigem Respekt geprägt ist. Nach dem Spiel musste Nagelsmann indirekt zugeben, dass ihn der Routinier auf der anderen Seite ausgetrickst hatte. Denn gegen das kompakte Defensivsystem der Fortuna hatte der Hoffenheimer Coach keine richtige Antwort. „Das 1:1-Unentschieden ist völlig verdient für die Fortuna. Es war sogar glücklich für uns. Ihr hattet die besseren Chancen“, sagte er mit einem Lächeln zu seinem älteren Kollegen gewandt. „Ich will ja nicht anmaßend sein. Aber ich fand es geil, dass du in der Schlussphase noch zwei Stürmer eingewechselt hast.“

Für Friedhelm Funkel war der offensive Wechsel in der Schlussphase keine Besonderheit. „Wir haben schon zur Halbzeit die Spieler überzeugt, dass in Hoffenheim mehr drin ist.“ Dabei hat dem Aufsteiger natürlich das frühe Tor nach der Pause, als sich die Hoffenheimer Abwehr komplett im Tiefschlaf befand, sehr geholfen. Auch sonst hatte Funkel die aktivere Mannschaft, Julian Nagelsmann ging hingegen sehr kritisch mit seinen Spielern um und warf ihnen mangelnde Einstellung vor. „Wir haben nur 42 Prozent unserer Zweikämpfe gewonnen. Einige Spieler haben katastrophale Werte um die 20 Prozent“, erklärte der 31-Jährige. „So können wir unsere Ansprüche, erneut die Champions League zu erreichen, absolut vergessen und müssen nun versuchen, zumindest den Abstand zu den Europa-League-Plätzen nicht zu groß werden zu lassen.“

Funkel schaut zwar etwas weiter nach unten in der Tabelle, sieht aber gute Perspektiven für sein Team, das den Abstand auf die untere Region zumindest gleich hielt. „Wer so gut nach einer 0:4-Niederlage aus der Vorwoche zurückkommt, der hat genügend Selbstvertrauen“, sagte der 65-Jährige voller Stolz über seine Mannschaft, die seiner Meinung nach noch stärker wird, wenn Dawid Kownacki seine ersten Spiele absolviert. Der ausgeliehene Stürmer von Sampdoria Genua zählt laut Funkel am Mittwoch beim Pokalspiel auf Schalke erstmals zum Kader.

Rouwen Hennings trifft direkt nach der Pause zum Ausgleich

Mit zwei Angreifern war die Fortuna in Hoffenheim gestartet, hatte aber ein breites Angebot an Mittelfeldspielern und eine Fünferkette aufgeboten. „Das hat wirklich ausgezeichnet funktioniert“, lobte Funkel seine Mannschaft, die in den ersten drei Minuten bereits hätte in Führung gehen können. Die beste der drei Möglichkeiten vergab Rouwen Hennings, der wohl zu lange wartete und zusehen musste, wie TSG-Torhüter OIiver Bauman den Ball noch um den Pfosten drehen konnte. Trotz der „schläfrigen und trägen Spielweise“ (Nagelsmann) kamen die Platzherren zur Führung. Einmal hatte die Fortuna in diesem Spiel nicht aufgepasst, und Dennis Geiger konnte von Adam Bodzek im Strafraum nur elfmeterreif gestoppt werden. Der ansonsten völlig indisponierte Andrej Kramaric traf nach 16 Minuten zum 1:0.

Die Fortuna war aber so gut im Spiel, dass die Gäste und ihre lautstarken Fans nicht etwa geschockt waren. Im Gegenteil, das Funkel-Team spielte sich die besseren Chancen heraus und kam durch Rouwen Hennings direkt nach der Pause zum Ausgleich. „Ein Remis war das Minimalziel, nachdem wir gegen Leipzig einen gebrauchten Tag erwischt hatten. Das war komplett abgehakt“, sagte Fortunas Torschütze. „Alles in allem ist es ein verdienter Punkt, weil wir auch nicht die schlechtere Mannschaft waren.“ Dass Hennings angesichts der Verpflichtung des polnischen Topstürmers seine Klasse zeigen wollte, verneinte er. „Er war heute noch nicht da. Ich freue mich, dass ich der Mannschaft weiterhelfen konnte. Schauen wir mal, was die nächsten Wochen bringen.“

Lutz Pfannenstiels Reise
in die eigene Vergangenheit

Einen optimistischen Blick in die Zukunft wagte auch Lutz Pfannenstiel. Der Sportvorstand der Fortuna, der trotz einer Nierenkolik und der Entfernung eines Nierensteins am Spieltag nach Hoffenheim gefahren war, um den Teilerfolg seines neuen gegen den alten Arbeitgeber zu erleben, hatte „guten Fußball“ der Fortuna gesehen. „Es zeigt die besondere Mentalität der Mannschaft, dass sie trotz Rückstands und des vermeintlich größeren Namens normal weiterspielt“, sagte Pfannenstiel zu seiner Reise in die Vergangenheit. „Das war ein Bonuspunkt wie der bei den Bayern, der am Ende ganz viel wert sein kann.“ Fortuna habe einen weiteren Schritt gemacht, aber die neun Punkte direkt vor der Winterpause seien die Basis gewesen, um jetzt so mutig aufzutreten. Und das spielt auch Trainer Funkel in die Karten.

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