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Fortuna ist nur noch ein Scheinriese

Fortuna ist nur noch ein Scheinriese

Vor einem Jahr war der Club in der Bundesliga noch eine der positiven Überraschungen. Was ist passiert?

Düsseldorf. Selbst Mannschaften wie Aue und Paderborn fürchten sich längst nicht mehr vor der Fortuna. Die Mannschaft von Mike Büskens kommt wie der Scheinriese aus Jim Knopfs Geschichte daher.

Aus der Entfernung ein Traditionsverein mit seriöser Führung, einer bundesligaerfahrenen Mannschaft, vielen Legenden, großartigen Fans und einem tollen Stadion. Kommt man näher ran und sieht genauer hin, ist aus der Überraschungsmannschaft der Bundesliga-Hinrunde 2012/13 und der damals prächtigen Momentaufnahme wenig geblieben. Wir zählen die Gründe auf.

Was ist aus dem frechen und fast unbeugsamen Team geworden, das in der Bundesliga die ersten fünf Spiele als Aufsteiger ohne Gegentor überstand und danach gegen Mannschaften wie Frankfurt, Hamburg und Hannover so toll aufspielte? Eigentlich nichts — bis auf ein paar bundesweit bekannte Namen, die ihrer damaligen Bestform meilenweit hinterherlaufen.

Stelios Malezas wurde in die griechische Nationalelf berufen und darf heute von der Bank zuschauen. Andreas Lambertz und Oliver Fink unterlaufen Anfängerfehler, die vor Jahresfrist noch undenkbar waren. Leon Balogun, in der Bundesliga als großes Talent gepriesen, ist so nervös wie ein Schüler bei seiner ersten Latein-Arbeit. Und Martin Latka, der in der Rückrunde kam und gegen einige Topstürmer gute Leistung zeigte, ist nur noch ein Schatten seiner selbst.

Der Zweifel daran, dass die Spieler es besser können, wird immer größer. Nur wenige Profis haben bislang individuell völlig überzeugen können. Im Kollektiv greifen die Rädchen jedenfalls nicht ineinander.

Aus der breiten Brust von einst ist inzwischen ein Hühnerbrüstchen geworden. Fast ein Jahr lang warten die Freunde der Fortuna inzwischen auf einen überzeugenden Sieg und eine von der ersten bis zur letzten Minute überzeugende Leistung der Mannschaft. Warum die Spieler das „Fortuna-Wir-Gefühl“ bei der insgesamt großartigen Unterstützung durch die Anhänger und das Umfeld nicht zeigen können, ist nicht zu ergründen.

Obwohl mit Mike Büskens der sportliche Neuanfang versucht wurde, hat sich nur punktuell etwas geändert. Der Trainer schafft es nicht, die Spieler zu besseren Leistungen zu bringen. Das liegt zwar nicht nur am Coach, aber man hat nicht das Gefühl, dass die Spieler das zeigen, was der Trainer möchte.

Es war der Höhepunkt der Darbietung in Aue, als die Spieler sich von den Fans sagen lassen mussten, dass sie nicht in die Kurve durften. Eine Woche vorher war von Fanseite noch von Schulterschluss und Zusammenstehen die Rede. Der plötzliche Liebesentzug war nicht konsequent.

Die große Enttäuschung über die gezeigten Leistungen ist verständlich, auf dem Spielfeld der Mannschaft irgendwelche Vorschriften zu machen, hingegen mehr als fragwürdig. Vor allem, falls sich das Gerücht bestätigt, dass die Fans mit einem Platzsturm gedroht hätten, um zwei Repräsentanten in den Innenraum schicken zu dürfen.

Aber tatenlos den sportlichen Niedergang zu verfolgen, wäre ebenfalls der falsche Weg. Ein klares Zeichen von allen Fangruppierungen, dass die Mannschaft sich nicht derartig leidenschaftslos präsentieren darf, wäre eher angebracht.

Es gibt im Verein derzeit keine richtigen Anker mehr, an dem sich die Spieler festhalten können. In der Mannschaft fehlen die Typen, die vorangehen und die Richtung vorgeben. Kapitän Lambertz ist schlichtweg überfordert, da er auch genug mit sich selbst zu tun hat. Im Verein stehen sich Aufsichtsrat und Vorstand zwar nicht gänzlich konträr gegenüber, aber klare Aussagen in der Krise gibt es aus keinem Gremium. Da spielt der Wahlkampf um die vakanten Positionen im Verein eine Rolle.

Problematisch ist, dass die versprochene Professionalisierung der Vereinsstruktur noch nicht umgesetzt wurde oder zumindest nach außen hin viel zu wenig deutlich wird.