Fortuna Düsseldorfs Versammlung ist ein Schritt zu mehr Geschlossenheit

Kommentar : Fortunas Jahreshauptversammlung ist ein Schritt zu mehr Geschlossenheit

Die Vergangenheit wurde für die Fortuna-Mitglieder offenbar gut aufgearbeitet. Doch es muss sich noch zeigen, ob der Verein wirklich kommunikativer wird und an die Fans heranrückt.

Fortuna Düsseldorf hat ein bewegtes und aufregendes Jahr hinter sich. Das wurde in der Hauptversammlung mit den Mitgliedern am Sonntagmittag aufgearbeitet. Es gab nicht etwa wie wohl einige Pessimisten befürchtet hatten, eine hart geführte Kontroverse zwischen dem Vorstandsvorsitzenden Thomas Röttgermann, dem Aufsichtsrats-Boss Reinhold Ernst und den Mitgliedern. Überhaupt blieben erregte und unqualifizierte Beiträge aus dem Auditorium völlig aus. Es war von beiden Köpfen der Vereinsführung der gemeinsame Aufruf, besser, vertrauensvoller und geschlossener zusammen zu arbeiten, dem die Mitglieder folgten.

Die kontroversen Themen wurden in ausführlicher Weise aufgearbeitet. Röttgermann gelang es, mit einem offenen und ehrlichen Eingeständnis seines Fehlers in der App-Affäre den Rückhalt von zwei Drittel der anwesenden Mitgliedern zu gewinnen und den härtesten Zweiflern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Seine Emotionalität in seiner Ansprache überzeugte seine Zuhörer darin, ihm das Vertrauen auszusprechen. Sein Versprechen, dass der Verein kommunikativer und noch näher an die Fans heranrücken wird, müssen er und seine Vorstandskollegen nun mit Leben füllen.

Reinhold Ernst war es wichtig, vor allem explizit die Ereignisse um die Beurlaubung von Robert Schäfer ganz deutlich zu machen. Der Aufsichtsrats-Boss wollte für Ruhe sorgen, einen Schlussstrich unter möglichst alle Themen zu ziehen. Das gelang ihm in fast allen Bereichen. Auf Vorwürfe, dass er zu sehr in den operativen Bereich eingreift, ging er nicht ein, auch weil es von den Mitgliedern nicht thematisiert wurde. Dieses Thema sollte intern und möglichst geräuschlos gelöst werden. Das ist etwas, was Röttgermann und Ernst unbedingt in der nächsten Zeit angehen müssen, um auch innerhalb des Vereins für neues Vertrauen zu sorgen.

Dass Fortuna es geschafft hat, eine Veranstaltung über die Bühne zu bringen, die trotz einiger brisanter Themen ruhig blieb und eine Gesprächskultur an den Tag legte, über die sich der Traditionsverein nur freuen kann, ist bemerkenswert. Das war weiter rheinabwärts noch ganz anders.

Bereits mit dieser Versammlung wurde ein Schritt zu mehr Geschlossenheit gemacht. Jetzt sollte es nur endlich mal länger ruhig bleiben, damit sich alle auf das Projekt Klassenerhalt konzentrieren können.

Ein Kommentar von WZ-Redakteur Norbert Krings. Foto: Sergej Lepke
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