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Fortuna Düsseldorf: Wie der Zweitligist im Schwarzwald fiktiv für einen guten Zweck spielt

Im Schwarzwald : Fortuna spielt fiktiv gegen die Kickers

Der FC Wolfach im Schwarzwald feiert seinen 100. Geburtstag nach. Mit dabei: Die Traditionsklubs Fortuna Düsseldorf und Stuttgarter Kickers – allerdings nur fiktiv. Was hinter der kuriosen Idee der Schwarzwälder steckt, was Toni Turek damit zu tun hat und wem das Ganze zugute kommt.

Wolfach ist ein hübsches Örtchen. 5760 Einwohner, 56 Kilometer nordöstlich von Freiburg gelegen und in einem Punkt etwas ganz Besonderes: Wolfach ist eine von nur drei Gemeinden, deren Bewohnerinnen ganz offiziell den berühmten Bollenhut als Teil der Tracht tragen dürfen, die man in unseren Breiten gemeinhin fälschlicherweise mit dem gesamten Schwarzwald assoziiert. Mit Fußball hingegen hat man Wolfach bislang eher nicht in Verbindung gebracht.

Das wird sich spätestens am 22. Oktober ändern. Dann nämlich treffen sich Fortuna Düsseldorf und die Stuttgarter Kickers zu einem Fußballspiel in Wolfach – das heißt: Wirklich treffen tun sich die beiden Traditionsklubs gar nicht. Denn es ist ein fiktives Spiel, „eigentlich sogar ein fiktives Geisterspiel“, wie Peter Buchholz ergänzt. Er ist der 1. Vorstand des FC 1920 Wolfach e.V. und derjenige, der die Idee zu dem kuriosen Event hatte.

Grüße von Rouwen Hennings
und Sascha Rösler

Das Wichtigste: Das „fiktive Geisterspiel“ zwischen Fortuna und den Kickers ist für einen guten Zweck. „Der Erlös aus den verkauften Karten kommt der Tafel in Hornberg zugute“, berichtet Buchholz.  Einer wohltätigen Einrichtung der Arbeiterwohlfahrt, die die Ärmsten der Region unterstützt. Vor allem deshalb ist es Buchholz und seinen Mitstreitern so wichtig, möglichst viele der Karten für die Veranstaltung, die eigentlich gar keine ist, zum Preis von zehn Euro das Stück abzusetzen. Ein kleines Programm wird am Abend des 22. Oktober aber doch stattfinden. Anlass ist schließlich der nachgeholte 100. Geburtstag des FC Wolfach, und deshalb geht es für Mitglieder und Freunde des Vereins auch um 19.20 Uhr los – passend zum Gründungsjahr 1920. Zwei Höhepunkte sind dabei Videosequenzen, in denen Fortunas Torjäger Rouwen Hennings und Teammanager Sascha Rösler Grüße an den FC ausrichten.

Aber warum ausgerechnet Fortuna und die „Blauen“ aus Stuttgart? „Das geht auf das Jahr 1953 zurück“, erklärt Buchholz. „Damals haben zur Einweihung unseres neuen Stadions Fortuna und die Kickers ein Freundschaftsspiel bei uns ausgetragen. Im Fortuna-Tor stand Toni Turek, der ein Jahr später der Held von Bern wurde.“ Seit sechs Jahren arbeitet nun der Vorsitzende daran, eine Neuauflage dieser Partie auf die Beine zu bekommen. „Natürlich war es unser großer Wunsch, dass Fortuna richtig live zu unserem 100. Geburtstag bei uns spielt“, erklärt der 57-Jährige. „Das hätte 2020 wunderbar gepasst, auch wegen Fortunas 125. Geburtstag. Aber Corona hat alle Pläne zunichte gemacht.“

Die Idee ließ Buchholz aber nicht los. Zu viele Verbindungen gibt es schließlich über den Fußball hinaus: Viele Düsseldorfer machen regelmäßig Urlaub in der unmittelbaren Umgebung, es gibt auch familiäre Verbindungen, da die „Kinzig-Flößer“ aus dem Schwarzwald einst auf ihrem Weg den Rhein entlang in die Niederlande in Düsseldorf Station gemacht und Bande geknüpft hatten. Über Sascha Rösler, unweit von Wolfach in Tettnang zu Hause, kam die Sache schließlich in Gang. „Auch Susanne Eyckeler auf Fortunas Geschäftsstelle hat uns unglaublich geholfen“, lobt Buchholz. So konnten die Eintrittskarten mit Fotos von Toni Turek und beiden Vereinen sowie den offiziellen Logos bedruckt werden. „Schöne Sammlerstücke“, sagt der Vorsitzende lächelnd. „Es wäre wunderbar, wenn auch viele in Düsseldorf und Stuttgart unsere Tafel mit dem Kauf unterstützen würden.“ Im Jahr 1953 waren 9000 Zuschauer gekommen, um Turek und Co. zu sehen – an eine solche Zahl wagt Buchholz bei dem fiktiven Kick nicht zu glauben, aber immerhin 1500 Stück wurden im Schwarzwald bereits abgesetzt. Darüber hinaus hegt er weiter die Hoffnung, die Fortuna irgendwann doch noch einmal „in echt“ nach Wolfach zu lotsen. So wie 1970, als der Klub kurz vor dem Bundesliga-Aufstieg gegen eine Kreisauswahl antrat. Bis es soweit ist, müssen die Videogrüße von Hennings und Rösler erst einmal genügen.

So gibt es die Karten für das „fiktive Geisterspiel“ in Wolfach: Pro Karte müssen zehn Euro auf das Jugendkonto des FC Wolfach überwiesen werden; Sparkasse Wolfach, IBAN DE 88 6645 2776 0010 1307 06. Wichtig: Neben dem Stichwort „Jahrhundertspiel“ müssen im Verwendungszweck Name und Postanschrift vermerkt werden, damit die Karten ab dem 12. Juli verschickt werden können.