Höhere Ansprüche an WM-Fahrer Konstanz von Tanaka gefordert

Analyse | Düsseldorf · Analyse Ao Tanaka ist nicht irgendein Zweitliga-Spieler. Als WM-Fahrer sind die Erwartungen an in ihn etwas größer. Bislang spielt er fast immer, aber gemessen an seinem Talent zu schwankend in seinen Leistungen, um Fortuna entscheidend nach vorne zu bringen.

Fortuna-Coach Daniel Thioune (l.) erwartet mehr von dem japanischen Nationalspieler Ao Tanaka.

Fortuna-Coach Daniel Thioune (l.) erwartet mehr von dem japanischen Nationalspieler Ao Tanaka.

Foto: Frederic Scheidemann

Ao Tanaka ist für Fortuna eine richtig große Nummer. Der 24-Jährige ist als absolutes Schnäppchen verpflichtet worden im vergangenen Sommer – und hat sich durch seine Teilnahme bei der Weltmeisterschaft in Katar auf einer großen Bühne einen Namen gemacht. Doch im Alltagsgeschäft der Zweiten Liga tut sich der Mittelfeldspieler nicht immer ganz so leicht.

Einerseits ist er ein echter Dauerbrenner. Cheftrainer Daniel Thioune hat in dieser Saison bislang voll auf ihn gesetzt. In zehn Partien spielte Tanaka durch, insgesamt 18 Mal kam er bisher zum Einsatz. Andererseits gab es nun aber auch schon zum zweiten Mal einen „Denkzettel“ vom Coach. Beim 1:0 gegen Jahn Regensburg schmorte der Japaner am Wochenende 90 Minuten auf der Ersatzbank – auch im Hinspiel war er komplett außen vor geblieben.

Thioune: Hendrix habe seine Aufstellung gerechtfertigt

Offizielle Begründung von Thioune: „Ich habe mich entschieden, so wie in den vergangenen Spielen gegen Regensburg, auf Flügel zu setzen. Das hat immer gut funktioniert. Und das ist auch der Grund, warum nicht alle Spieler, die in den vergangenen Wochen viel gespielt haben, auf dem Platz waren.“

Weiter sagt der 48-Jährige: „Ao Tanaka hat nicht auf dem Platz gestanden, weil Jorrit Hendrix vergangene Woche ein gutes Spiel gemacht und seine Aufstellung gerechtfertigt hat. Ich kann nicht immer alle auf den Platz bekommen.“ Tatsächlich spielt Tanaka viel, ist aber nicht unumstritten. Thioune muss ihn bei Laune halten, gleichwohl beißt er sich bisher aber auch die Zähne an ihm aus.

Denn aus taktischer Sicht ist die Spielweise von Tanaka nach wie vor oft vogelwild. Er lässt große Räume zu, lässt sich dann manchmal abrupt fallen, um dann wieder extrem hoch zu stehen. Ein perfektes Match mit Marcel Sobottka oder Jorrit Hendrix sieht definitiv anders aus.

Tanaka mangelt es an Konstanz in seinem Spiel, was Thioune schon mehrfach bemängelt hat. Nach der Pleite in Fürth (1:2) war der Coach mächtig angefressen. Und hat Klartext geredet: „Was mir dabei aber überhaupt nicht gefallen hat: dass wir unser Mittelfeld gar nicht gefunden haben. Ich hatte gerade mit den drei Zentralen auf deutlich mehr Ballqualität im Zentrum gehofft, gerade wenn man dort in Überzahl unterwegs ist. Da ist uns gar nichts gelungen, da fehlte uns der Mut, da haben wir zu viel rückwärts gespielt.“

Thioune bekommt das „Problem“ mit Tanaka bisher nicht in den Griff. Klagen auf hohem Niveau? Geht so. Schließlich ist ja das Mittelfeld eine der großen Baustellen in dieser Saison bei Fortuna. Tanaka kommt zum Beispiel in 1493 Einsatzminuten nur auf ein Tor und eine Vorlage, die Ausbeute ist sicher ausbaufähig.

Trainer Thioune sitzt gewissermaßen in einer Falle. Denn Teamführung hat auch immer etwas mit Politik zu tun. Im Fall von Tanaka mit Geschäftspolitik. Natürlich hofft Fortuna, mit dem WM-Fahrer ordentlich Kasse zu machen. Bereits in diesem Winter hatte Vorstandsboss Alexander Jobst die Tür für Angebote aufgemacht. Dank einer Ausstiegsklausel könnte ein Wechsel problemlos über die Bühne gehen. Wenn sich denn ein Käufer findet.

Ao Tanaka soll durchschnaufen, dann wird geredet

Wie geht Thioune nun mit seinem „Star“ um? „Alle gleich behandeln und trotzdem besonders behandeln. Wir haben ja mit Taiki Hirooka einen sehr kompetenten Dolmetscher, also jemanden in unserem Team, der die deutsche Kultur kennt, der Entscheidungen, die ich treffe, den Spieler auch näher bringen kann. Aber das hat im Vorfeld von Regensburg nicht stattgefunden“, erklärt Thioune. „Ich werde das mit Ao in Ruhe besprechen. Kurz nach dem Spiel war er sehr emotional, verständlich, wenn man nicht spielt als Teilnehmer an einer Weltmeisterschaft. Jetzt lasse ich ihn durchschnaufen und rede in Ruhe mit ihm. Ich zeige ihm auf, was er sicherlich besser machen kann und die Gründe, warum er nicht gespielt hat.“

Fest steht: Für die immer noch großen Ziele von Fortuna braucht das Team einen Ao Tanaka in absoluter WM-Form.