„Düsseldorf, Köln und Gladbach auf einem Bild“ Warum die Fankultur von Fortunas Kuttenträgern so besonders ist

Düsseldorf/Würzburg · Rund 400 Anhänger verschiedener Vereine, auch der Fortuna, kommen in Würzburg zusammen.

Beim dritten deutschen Kuttentreffen posieren Fans gemeinsam für ein Bild.

Beim dritten deutschen Kuttentreffen posieren Fans gemeinsam für ein Bild.

Foto: Moritz Mueller

Jens Rockel gerät regelrecht ins Schwärmen. „Die Düsseldorfer mit den Gladbachern, auch ein Kölner, Dortmunder und Schalker oder 1860- und Bayern-Fans, alle waren gemeinsam unterwegs, bunt gemischt. Und das Schönste: Alle respektieren sich, es ist friedlich und es herrscht eine tolle Stimmung“, erzählt der Fortuna-Fan, der zugleich Besitzer eines ganz speziellen Kleidungsstückes ist – der Kutte. Dabei handelt es sich um eine Jeansweste, die Rockel in Handarbeit mit unzähligen rot-weißen Aufnähern versehen hat, auch einige Aufnäher anderer Vereine lassen sich darauf erspähen.

Rockel ist allerdings bei weitem nicht der einzige Fortuna-Fan mit einer Kutte, und auch bei den meisten anderen deutschen Klubs gibt es Kuttenträger. Genau diese trafen sich kürzlich bereits zum dritten Mal in Würzburg. „Dort ist sozusagen neutraler Boden, und die Stadt empfängt uns immer mit offenen Armen“, berichte Rockel. Der Oberbürgermeister von Würzburg, Christian Schuchardt, habe die Stadt am Wochenende des Treffens sogar als „Kuttenhauptstadt von Deutschland“ bezeichnet.

Es wird schnell klar, warum die Kuttenträger in Unterfranken so gerne gesehene Gäste sind. Wenn anderswo rund 400 Fußballfans verschiedenster Vereine aufeinandertreffen, wäre die Polizei nicht weit. In Würzburg braucht es aber keine schlichtende Instanz. Das habe einen ganz einfachen Grund, erklärt Rockel: „Wir respektieren uns alle gegenseitig, weil jeder weiß, was für eine Arbeit in der Kutte drinsteckt.“ Sie ist das verbindende Element und die Leidenschaft, die alle teilen und die für das friedliche Miteinander sorgt.

Am Wochenende selbst habe er viele Leute getroffen, die er bereits aus der Facebook-Gruppe der Kuttenträger kannte. Es wurde Fußball gespielt, gemeinsam in alten und neuen Geschichten geschwelgt, und natürlich gab es auch die Möglichkeit, Aufnäher für die eigene Kutte zu tauschen und neue zu erwerben. Aber nicht nur das eigene Wohlbefinden stand im Vordergrund, denn durch die Versteigerung von Fanutensilien konnten rund 2000 Euro für einen Kinderspielplatz im Ahrtal gesammelt werden.

Für die Fortuna-Kutten war es bereits die zweite Reise nach Würzburg, und diesmal gab es einen ganz besonderen Höhepunkt: Die Düsseldorfer schlossen mit den Kuttenträgern des Hamburger SV eine Kuttenfreundschaft. Auch vor dem Treffen hatten sie sich mit den Norddeutschen schon gut verstanden und besuchten die Partien der beiden Mannschaften regelmäßig gemeinsam, erzählt Rockel. Auch mit den Schalkern sei man gut befreundet und habe sich schon einige Partien im Stadion gemeinsam angesehen. Und da die Hamburger mit der Gruppe von Borussia Dortmund befreundet seien, sind an diesen Spieltagen meist auch ein paar schwarz-gelbe Kutten in der Stockumer Arena zu finden, sagt Rockel. „Dann sitzt alles in einem Block. Da gibt es kein böses Blut, alle freuen sich, wenn wir uns sehen, egal, von welchem Verein der andere ist.“

Gerade dieses Phänomen hat einige Düsseldorfer ihre Kutte wieder aus dem Keller holen lassen. Während sie vor zwei Jahren noch alleine unterwegs waren, haben sich die Fortuna-Kutten mittlerweile organisiert und bauen die Kultur, deren Wurzeln bis in die 1970er Jahre zurückreichen, wieder auf.