Fortuna Düsseldorf: Fortuna Düsseldorf: Viele Jungprofis, wenig Einsatzchancen

Fortuna Düsseldorf : Fortuna Düsseldorf: Viele Jungprofis, wenig Einsatzchancen

Der Fortuna war es wichtig, mit jungen Spielern zu arbeiten. Die Meisten werden in der Bundesliga aber kaum eine Chance haben.

Düsseldorf. Fortuna Düsseldorf hat es in der Vergangenheit propagiert — eine möglichst große Identifikation mit Spielern, Verein und Fans sei wichtig. Das galt besonders für die Verpflichtung von Spielern. Die Clubführung gab die Parole aus, mit jungen, hungrigen, möglichst auch deutschen Spielern für Zusammenhalt zu sorgen.

Spieler wie Anderson Lucoqui kamen in der Vergangenheit entweder (fast) nur bei der zweiten Mannschaft der Fortuna zum Einsatz oder wurden verliehen. Und auch in dieser Saison spricht nicht viel dafür, dass die Jungprofis zu vermehrten Einsätzen kommen.

Das ist ganz im Sinne der Deutschen Fußball Liga (DFL), die die beiden Bundesligen organisiert. Laut DFL müssen zwölf Profis pro Team einen deutschen Pass haben. Das ist die Mindestanzahl, die in der „Lizenzordnung“ unter Paragraf 5 „Personelle und administrative Kriterien“ (Punkt 4) gefordert wird. Und das ist bei derzeit 18 Fortuna-Spielern mit deutscher Staatsbürgerschaft kein Problem für den Bundesliga-Aufsteiger. Eine weitere Vorgabe ist die so genannte „Local-Player-Regelung“. Laut der müssen mindestens vier beim Verband und vier im eigenen Verein ausgebildete Profis zum Team gehören — was die Kaderplanung nicht einfacher macht.

Die Regelungen der DFL sind gut gemeint, um den Nachwuchs zu fördern und die Clubs dazu zu ermuntern, jungen deutschen Spielern eine Chance zu geben. Doch die Regelungen werden immer wieder umgangen. Auch bei der Fortuna ist das der Fall, wenn beispielsweise Spieler mit Profiverträgen ausgestattet werden, die beim Cheftrainer eigentlich keine Rolle spielen, nur den Kader auffüllen oder in der zweiten Mannschaft auflaufen. So wurde wohl auch Andreas Lambertz mit einem Profivertrag ausgestattet, um die Kriterien zu erfüllen. Fest eingeplant ist Publikumsliebling „Lumpi“ dagegen bei der Reserve in der Regionalliga.

Auf dem Papier hat die Fortuna mehr „Local Player“ als gefordert. Aber: Von den mit großen Hoffnungen ins Profigeschäft eingestiegenen „jungen Wilden“ kommt wohl kaum jemand in Betracht, in der Bundesliga eine Rolle zu spielen.

Viele Fans hoffen immer noch, dass sich das große Talent Emmanuel Iyoha (20) in Düsseldorf durchsetzt. Aber die Zeichen sprechen nicht dafür. In den Planungen und im Ansehen von Friedhelm Funkel spielt Iyoha offensichtlich keine Rolle. Er musste zu Beginn der Vorbereitung mit Magen-Darm-Problemen kürzertreten. Auch im jüngsten Testspiel durfte er nur zuschauen. Gestern gab die Fortuna bekannt, dass Iyoha die Saison beim Zweitligisten FC Erzgebirge Aue verbringen wird. In der vergangenen Saison war er bereits an den Drittligisten VfL Osnabrück ausgeliehen.

(Bei Trainer Friedhelm Funkel spielt Emmanuel Iyoha anscheinend keine Rolle. Archivfoto: Wolff)

Anderson Lucoqui (21) durfte zwar vergangenen Samstag in Meerbusch eine Hälfte mitwirken, aber die Verpflichtung von Diego Contento für seine Position (Linksverteidiger) und das Hochziehen von Talent Georgios Siadas (18) deuten darauf hin, dass der „Spaßvogel“ kaum Aussichten hat, überhaupt mal im Kader eines Bundesliga-Spiels zu stehen. Taylan Duman (20) wirkte zwar im ersten Trainingslager motiviert und zeigte gute Leistungen. Aber auch er wird keine Chance erhalten, das im Vorjahr Gelernte in der 1. Liga zu zeigen. Vor ihm in der Hierarchie stehen noch zu viele gestandene Profis. Und es sollen laut Funkel ja noch mindestens zwei weitere kommen.

Kianz Froese (22) ist noch nicht fit. Dem Kanadier wird enormes Talent nachgesagt. Zeigen konnte er es noch nicht. Er wird wohl einer der Spieler sein, die sich nur für die U 23 „fit halten“. Tim Wiesner (21) ist laut Expertenmeinung ein für sein Alter sehr guter Torhüter. Eine Chance dürfte er bei den Profis zumindest dieses Jahr nicht erhalten. In den Kampf um die Nummer 1 oder um einen Kaderplatz wird er kaum eingreifen können. Gökhan Gül wird heute 20 Jahre alt und hat als Kapitän der U 19-Nationalmannschaft auf sich aufmerksam gemacht. In der Vorsaison verhinderte eine Knieverletzung einen Einsatz, als seine Stunde geschlagen hatte. Auch er hat in der Innenverteidigung und auf seiner Nebenposition als rechter Verteidiger viel Konkurrenz.

Dies bedeutet nicht, dass jüngere Spieler bei der Fortuna keine Chance haben. Immerhin zählen auch Kaan Ayhan (23), Robin Bormuth (22), Aymen Barkok (20), Davor Lovren (19), Kenan Karaman (24), Marcel Sobottka (24), Benito Raman (23) sowie Marvin Ducksch (24) zu den Jüngeren.

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