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Fortuna Düsseldorf: Rouwen Hennings über seine Zukunft im Profifußball

Fortuna-Stürmer im Exklusiv-Gespräch : Rouwen Hennings über seine Zukunft im Profifußball

Der Mittelstürmer gehört mit 35 Jahren zu den dienstältesten Spielern im Kader von Fortuna. Ans Aufhören denkt er nicht.

Der gebürtige Bad Oldesloer ist einer der erfolgreichsten Torschützen in der Geschichte Fortunas. Hier spricht er über Aufstieg, Nationalmannschaft und Erwartungen sowie darüber, was er über die junge Generation denkt.

Mit welchem Gefühl sind Sie durch die Vorbereitung gegangen?

Rouwen Hennings: Wir haben zwar, was die letzten Pflichtspiele angeht, die Hinrunde etwas unglücklich beendet, aber in den drei Wochen danach ordentlich gearbeitet und sind dadurch mit einem echt positiven Gefühl in die Pause. Jetzt sind wir mit guter Qualität wieder ins Training reingestartet. Aber es gibt nicht den einen Indikator, an dem du ablesen kannst, dass die Saison jetzt so und so wird. Ich denke, wir haben das bisher insgesamt ganz gut gemacht. Die Richtung stimmt.

Sie gehören zu den Dienstältesten im Team. Müssen Sie manchmal schmunzeln, wenn Sie nach rechts und links gucken und beobachten, wie sich die Jüngeren so verhalten?

Hennings: Generell hat sich so ein bisschen was getan in den vergangenen Jahren. Mit der Aktivierung zum Start des Trainings und Blackrolls und, und, und. Als ich jung war, da gab es so etwas noch nicht. Da gab es Lattenschießen zum Warm-up – natürlich etwas überspitzt gesagt. Der Fußball hat sich schon verändert. Die Athletik steht heute viel mehr im Vordergrund, als es damals gewesen ist. Trotzdem ist für mich das alles Entscheidende, ob du mit dem Ball was kannst oder nicht. Darum dreht sich Fußball.

Durchlaufen Sie eine Vorbereitung in einer gewissen Ruhe, weil Sie wissen, die Rente naht?

Hennings: Also ich fühle mich jetzt nicht so, als würde das meine letzte Vorbereitung sein. Der Körper tut nicht weh, mir macht es immer noch Spaß. Ich glaube, dass ich auch die eine und andere Sache noch zu geben habe. Von daher habe ich mich mit solchen Gedanken noch nicht beschäftigt oder irgendeine Wehmut schon entwickelt.

Sie haben in Ihrer Zeit bei Fortuna schon verschiedene Rollen eingenommen. In dieser Phase bedeutet das für Sie, dass Sie nicht immer in der ersten Reihe stehen. Okay für Sie?

Hennings: Jeder Fußballer hat ja einen gewissen Anspruch an sich selbst. Und auch einen Ehrgeiz das Beste aus sich, aber auch das Beste fürs Team rauszuholen. Ich bin damit groß geworden, absoluter Teamplayer zu sein. Ich hatte da viele Vorbilder, die sich in gewissen Situationen selbst etwas zurückgenommen haben, aber auch von außen mitgeholfen haben.

Wer gehörte dazu?

Hennings: Raphael Wicky zum Beispiel. Oder Paule Beinlich. Da hat man sich von solchen Persönlichkeiten schon etwas abgeguckt. Man kann nicht alleine erfolgreich sein, brauchst dafür ein harmonierendes Team. Wenn ich dazu ein Stückchen beitragen kann, auch von außerhalb, dass das Team erfolgreich ist, dann werde ich das machen. Trotzdem habe ich diesen innerlichen Antrieb und mache diese ganzen Strapazen mit, um dann auch mal mitspielen zu dürfen.

Welche Schwingungen empfangen Sie vom Trainerteam?

Hennings: Wir haben einen guten Austausch. Sie geben einem ein Feedback und sagen dir, wo man steht – und wo nicht. Aber ich glaube, dass ich schon eine gute persönliche Einschätzung habe. Vom Alter her bricht für mich keine Welt zusammen, wenn mir ein Jüngerer den Rang abläuft. Da bin ich nicht persönlich gekränkt, das ist der Lauf der Dinge. Aber ich werde ihm den Platz nicht kampflos überlassen. Mir macht das Mannschaftstraining, dieser Wettkampf, einfach unglaublich viel Spaß.

In der Mannschaft wird das Wort „Aufstieg“ mittlerweile ganz unverkrampft in den Mund genommen. Was geht diese Saison?

Hennings: Es ist nicht unmöglich. Jeder, der diese Liga kennt, der weiß: es ist alles so ausgeglichen. Sieben Punkte, unser Abstand nach oben, klingt zunächst nach einer ganzen Menge. Aber es kann alles ganz schnell gehen. Wir müssen uns einfach nur auf uns konzentrieren. Spiel für Spiel sehen und nicht zu viele Gedanken über welche Konstellationen auch immer machen. Einfach jetzt volle Konzentration auf Magdeburg. Unsere Hausaufgaben machen und danach sehen wir weiter.

In Deutschland ist derzeit wieder eine etwas intensivere Diskussion im Gange, über den Wert des Mittelstürmers. Was sagen Sie als unmittelbar Betroffener dazu?

Hennings: Es gab schon so viele Überlegungen. Erst ein Neuner, dann wurde es ein falscher Neuner, aber so einen klassischen Mittelstürmer, der in der Box rumwuselt, wo du die Flanken reinknallst und er sie verwertet, war dann auch eine Weile verpönt. Gucken Sie sich mal Mario Gomez an. Der hat diese Rolle so unfassbar gut ausgefüllt. Absoluter Box-Spieler. Dann gab es auch mal Phasen, wo er nicht getroffen hat. Und dann haben alle los gelegt, es sei nicht mehr zeitgemäß mit diesem Spielertypen zu spielen. Wenn ein paar Teams auch mal etwas tiefer stehen, und dein einziges Mittel ist, außen durchzubrechen und eine Flanke reinzubringen, dann muss da aber auch jemand stehen. Das ist ein selbst gemachtes Problem im deutschen Fußball. Jetzt hat man erst in letzter Minute Niclas Füllkrug ins Aufgebot berufen und wenn er denn spielen durfte, hat er es doch richtig gut gemacht. Vielleicht ist das fehlende Vertrauen in echte Mittelstürmer ja auch ein Grund, dass wir jetzt zwei Weltmeisterschaften hintereinander in der Vorrunde rausgeflogen sind.

Was für Ziele haben Sie sich selbst für die Rückrunde vorgenommen?

Hennings: Gesundheit steht über allem. Nur darauf kann man wirklich aufbauen. Und der Mannschaft helfen. Am liebsten vom Platz aus. Dass wir das auf dem Platz bringen, was in uns steckt. Man sieht es im Training ganz häufig, wir haben es in einigen Partien auch schon nachgewiesen. Ich wünsche mir, dass wir das auch konstant abliefern können.

Sie Sind für mich als Rheinländer immer ein schwieriger Interviewpartner. Es ist nicht immer leicht Sie als Norddeutschen zu lesen. Als viel Rheinländer empfinden Sie sich selbst nach all den Jahren?

Hennings: Ich würde mich fast als Chamäleon bezeichnen. Ich kann mich sehr gut anpassen. Ich war klassischer Badenser damals (in seiner Zeit beim Karlsruher SC), ein Engländer, als ich da gelebt habe. Mir sagen ja viele, man merke schon, dass ich ein Norddeutscher sei. Ja, ich bin am Anfang immer ruhig und sachlich. Wenn man sich dann einige Male unterhalten hat, dann wird es etwas vertrauter. Rheinländer? Auf jeden Fall fühle ich mich sehr, sehr wohl in der Region. Aber am ehesten ist mein Sohn Rheinländer. Der ist sieben Jahre alt, der hat kaum etwas anderes miterlebt. Von daher ist er wahrscheinlich der Rheinländer in der Familie Hennings.