Fortuna Düsseldorf: Raman wirbelt Borussia Mönchengladbach durcheinander

Fortuna bezwingt Mönchengladbach : Raman dribbelt Fortuna ins Glück

Der flinke Belgier bereitet alle drei Tore gegen Gladbach vor. Der Aufsteiger hat den Klassenerhalt dicht vor Augen.

Ob Oscar Wendt, Nico Elvedi, Matthias Ginter oder Fabian Johnson in der Nacht zu Sonntag schlecht geschlafen oder gar von Benito Raman geträumt haben, ist nicht überliefert. Eines aber einte die vier Abwehrspieler von Borussia Mönchengladbach am Samstagnachmittag: Keiner bekam den Belgier von Fortuna Düsseldorf unter Kontrolle. Meist wirbelte Raman über die rechte Angriffsseite, hin und wieder auch über links. Der flinke Dribbler hatte am 27. Spieltag der Fußball-Bundesliga mit drei Vorlagen entscheidenden Anteil am 3:1 (3:0)-Erfolg seiner Mannschaft über den Champions-League-Anwärter. Zwei Mal legte er für Rouwen Hennings auf, ein Mal für Kevin Stöger.

Die drei Torbeteiligungen gegen Mönchengladbach waren die Scorerpunkte sechs, sieben und acht in der Rückrunde für Fortunas Nummer neun. Insgesamt steht der 24-Jährige nun bei sieben Toren und vier Vorlagen in 23 Bundesliga-Einsätzen. „In den ersten 15 Minuten habe ich extrem viele Sprints gemacht. Danach war ich für eine Weile schon ein wenig müde“, gab Raman zu Protokoll. „In der zweiten Hälfte lief es dann wieder. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Performance. Es war eines meiner besten Spiele für die Fortuna. Ich denke, die Gladbacher Verteidiger wussten schon vor dem Spiel, dass ich schnell bin. Wir wussten aber genau, was wir machen mussten.“

Vom vermeintlichen Skandal- zum Musterprofi

Im Sommer 2017 kam der Außenstürmer zunächst auf Leihbasis von Standard Lüttich nach Düsseldorf. Und mit ihm sein besonderer Ruf. In seiner Heimat galt Raman als „Skandalprofi“. Liebestheater mit einem Model, Beschimpfungen in sozialen Netzwerken nach einer verlorenen Wette, lange Nächte in der Billardhalle und Führerscheinentzug. Doch wer ihn bei der Fortuna auf und abseits des Platzes beobachtet, kann jene Geschichten eigentlich nicht glauben. Eskapaden bei der Fortuna? Fehlanzeige. Nach eigenem Bekunden habe er sich gar nicht groß verändert in Düsseldorf – nur ein bisschen ruhiger sei er geworden, sagte Raman vor einigen Monaten. Trainer Friedhelm Funkel hat in ihm einen echten Musterprofi, der in seiner sportlichen Entwicklung noch nicht am Ende zu sein scheint.

Nach dem Aufstieg in die Bundesliga machte die Fortuna im vergangenen Sommer von ihrer Kaufoption Gebrauch und band Raman bis 2022 an den Klub – für eineinhalb Millionen Euro. Eine Investition, die sich ausgezahlt hat. Der Marktwert des Spielers liegt inzwischen bei viereinhalb Millionen. In der Bundesliga kommen seine Stärken sogar noch besser zur Geltung als vor einem Jahr in der 2. Liga. Weil er mehr Platz hat, wenn die Fortuna auf Konter setzt, und weil seine Physis deutlich stabiler als früher ist. Mittlerweile kann Funkel den nur 1,72 Meter großen Profi bedenkenlos über 90 Minuten bringen. Vor einem Jahr war Raman häufig der erste Kandidat für eine Auswechslung.

Und selbst nach seiner überragenden Leistung gegen Mönchengladbach waren keine großen Töne vom kleinen Belgier zu hören. „Nach zwei Niederlagen fühlt sich der Sieg für uns natürlich gut an. Jeder Spieler freut sich auf so ein Derby, und wenn es dann so ausgeht, ist das natürlich für das Selbstvertrauen sehr gut. Es war ein wichtiger Sieg für uns, um in der Liga zu bleiben. Einen oder zwei benötigen wir noch. Über die 34 Punkte, die wir jetzt haben, können wir uns freuen. Aber wir wollen mehr.“ In Berlin werden sie diese Aussage registriert haben. Denn die nächste Aufgabe führt die Fortuna am Wochenende zur Hertha. Und die Erinnerungen in der Hauptstadt an Raman und Düsseldorf sind nicht die besten. Im November unterlagen die Berliner bei der Fortuna mit 1:4 – zweifacher Torschütze war Wirbelwind Benito Raman, in gerade einmal sieben Minuten Einsatzzeit.

Mehr von Westdeutsche Zeitung