Nach Doppelpack im Pokal Diesen Kollegen dankt Fortunas Top-Joker Jona Niemiec

Magdeburg · Mit zwei Toren in nur fünf Minuten war der junge Stürmer Düsseldorfs Matchwinner beim Pokalspiel in Magdeburg. Seine Kaltschnäuzigkeit basiert auch auf den Tipps seiner erfahrenen Kollegen, sagt er.

 Er kam, sah und traf zweimal ins Tor: Fortunas Jona Niemiec bejubelt sein Tor zum 1:1.

Er kam, sah und traf zweimal ins Tor: Fortunas Jona Niemiec bejubelt sein Tor zum 1:1.

Foto: dpa/Hendrik Schmidt

Es sind die Momente schlechthin in der noch jungen Profilaufbahn von Jona Niemiec. 84 Minuten lang hat Fortunas Angreifer im Pokalspiel beim 1. FC Magdeburg auf der Bank geschmort, ab der zweiten Hälfte lediglich ein bisschen Bewegung beim Warmmachen vor der Gästekurve bekommen. Dann winkt ihn Trainer Daniel Thioune heran, wechselt den 22-Jährigen für Christos Tzolis ein. Ein letzter, verzweifelter Versuch, den seit 70 Spielminuten drückenden 0:1-Rückstand doch noch auszugleichen.

Niemiec liefert – und wie. 100 Sekunden, nachdem er das Spielfeld betreten hat, nagelt er den Ball nach traumhafter Vorarbeit des ebenfalls eingewechselten Isak Johannesson zum 1:1 unter die Latte. Und als er fünf Zeigerumläufe später die Kugel erneut von Johannesson zugespielt bekommt, verlädt der Stürmer FCM-Keeper Dominik Reimann schon wieder. 2:1-Sieg in der Nachspielzeit, das Viertelfinale des DFB-Pokals erreicht, 1,7 Millionen Verbandsprämie für den Verein eingefahren. Das alles in verrückten fünf Minuten.

„Das ist einfach verrückt“, lobt Vorlagengeber Johannesson kopfschüttelnd. „Jona trifft, sobald er reinkommt. Wie schon am Samstag in Nürnberg. Er ist ein Superjoker, hat schon in der Liga drei Tore gemacht, nachdem er von der Bank kam. Hut ab, er ist ein Top-Spieler.“ Ein großes Lob von einem, der schon in der Champions League gespielt hat.

Die Nachspielzeit ist für Niemiec dann noch um einiges länger. Während seine Teamkollegen bereits in der Kabine singen und tanzen, absolviert der gebürtige Lüdenscheider noch einen Medienmarathon. „Ich habe alles gegeben, was in meiner Macht stand“, sagt er strahlend. Dass er nur wenige Minuten auf dem Platz stehen durfte, spielt für ihn in diesem Augenblick nur eine Nebenrolle. „Welcher Fußballer würde nicht gern von Anfang an spielen?“, gibt er zwar zu. „Das gilt natürlich auch für mich, aber jetzt versuche ich erstmal, jede Minute zu nutzen, die ich bekomme. Um mich zu zeigen. Und wenn ich dann so belohnt werde, dann freue ich mich natürlich.“

Das 1:1 stürzt den gut gefüllten Gästeblock in Freudentaumel

Mit seinem 1:1 stürzt er aber zunächst einmal den mit 1200 Rot-Weißen bestens gefüllten Gästeblock in einen Freudentaumel. „Ich habe nicht gedacht, dass Isak mich überhaupt gesehen hat bei seinem tollen Antritt, weil er den Blick nach vorne gerichtet hatte“, erzählt Niemiec. „Trotzdem habe ich mich einfach mal rechts freigelaufen. Irgendwie hat Isak das dann aber wohl im Gefühl gehabt, vielleicht, weil es mit uns beim 3:1 in Rostock ganz ähnlich abgelaufen ist. Dann legt er mir den Ball super auf und ich schieß einfach drauf. Dass der dann so reinfliegt – da muss man schon einen guten Tag erwischt haben.“

Und das hat Jona Niemiec in jedem Fall an diesem Dienstag. Wobei er im Augenblick des Triumphs mindestens ebenso an die Kollegen wie an sich selbst denkt; wie bei der Frage nach den Gründen für seine persönliche Wandlung vom talentierten, aber verschwenderisch mit Chancen umgehenden U23-Spieler zum eiskalten Vollstrecker bei den Profis. „Das hat viel mit den Jungs zu tun“, betont Niemiec. „Mit Gini (Daniel Ginczek, Anm. d. Red.) zum Beispiel. Er hat mir sehr viel gezeigt. Oder auch Rouwen Hennings, als er noch bei uns war. Von beiden habe ich viele Tipps bekommen. Und ich schaue mir auch die eine oder andere Sache bei den erfahreneren Spielern ab, wenn man auf einem höheren Niveau trainiert. Da muss man einfach abgezockter werden.“

Das gestiegene Selbstvertrauen nach einigen erfolgreichen Abschlüssen tue ein Übriges, ergänzt er. Und dieses machte ihn auch im Schlussspurt von Magdeburg so zuversichtlich. „Ich hatte nach dem 1:1 den Gedanken: Jetzt machen wir noch einen“, berichtet er, „und das Gefühl: Hey Männer, hier ist noch mehr drin.“ Ganz offensichtlich war es das. Dank Top-Joker Niemiec.

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