Starke Entwicklung von Fortuna-Abwehrspieler Jamil Siebert „Ich versuche, alles zu genießen und dankbar zu sein“

Düsseldorf ·  Jamil Siebert ist Stammkraft bei Fortuna. Der 21-Jährige Innenverteidiger genießt seinen Erfolg und ist dabei demütig.

Gemeinsame Freude mit dem Teamkollegen: Innenverteidiger Jamil Siebert (re.) und Yannik Engelhardt.

Gemeinsame Freude mit dem Teamkollegen: Innenverteidiger Jamil Siebert (re.) und Yannik Engelhardt.

Foto: Moritz Mueller

Jamil Siebert hätte wirklich jeden Grund, stolz und zufrieden durch die Gegend zu wandeln. Noch vor wenigen Monaten kickte er in der Dritten Liga, von Fortuna an Viktoria Köln ausgeliehen, ohne sichere Perspektive für seine weitere Zukunft. Im November 2023 gehört er nun zu den Stammkräften bei einer Spitzenmannschaft der Zweiten Liga, ist deutscher U21-Nationalspieler und hat in der wichtigsten Nachwuchs-Auswahl des DFB sogar schon in der Startelf gestanden.

Ein wenig stolz ist er auf diese Entwicklung schon, darf er auch sein – aber zufrieden? Da hat der 21-Jährige aktuell eine deutliche Einschränkung. „Das war mein Ding“, sagt Fortunas Innenverteidiger und spielt damit auf den Anschlusstreffer des FC Schalke 04 am vergangenen Samstagabend an. Auch Tage danach ärgert sich Siebert noch über diese Szene.

„Ich stehe ein bisschen zu hoch, komme dann nicht in den Zweikampf“, erklärt der 1,93-Meter-Mann. „Der Lasme macht das auch gut, und darum verliere ich das Duell. Klar, das passiert mal, das hole ich dann am Samstag in Nürnberg wieder rein.“ Der Innenverteidiger betritt dabei nicht einmal die goldene Brücke, dass vor seinem verlorenen Zweikampf ja schon die Kollegen im Mittelfeld Schnitzer gemacht hatten: „Sicher war es eine Fehlerkette, aber ich würde das Tor schon auf mich nehmen. Ich muss diesen Zweikampf einfach führen und gewinnen.“

Viel Selbstkritik, und diesen Charakterzug stellt der gebürtige Düsseldorfer ohnehin bei sich selbst heraus. „So bin ich nun mal. Ich habe mir dieses 4:3 schon ein paar Mal angesehen und weiß, was ich besser machen kann. Ich habe die Situation, glaube ich, ein bisschen unterschätzt, war ein wenig überrascht.“ Mit der Bilderbetrachtung steht der Youngster freilich nicht allein da. „Wir haben am Dienstag die Videoanalyse des Spiels angefangen, haben uns gute Szenen angesehen“, berichtet Siebert. „Die etwas schlechteren kommen noch.“

Und das würden schon einige sein, vermutet der Abwehrspieler, der sich die Laune von den drei Gegentreffern aber doch nicht gänzlich verhageln lässt. „Insgesamt haben wir ein gutes Heimspiel gemacht. Leider mit drei Gegentoren, was uns nervt, aber wir werden versuchen, das am Samstag abzustellen.“

Die gute Entwicklung
gibt Selbstvertrauen

Ihm selbst gibt dabei die Entwicklung der zurückliegenden Monate viel Selbstvertrauen. Und ein richtig gutes Gefühl. „Es ist eine brutale Ehre, für Deutschland zu spielen“, sagt er über seine Auftritte in der U21. „Jedes Kind, das hierzulande anfängt, Fußball zu spielen, träumt davon, den Adler auf der Brust zu tragen. Deshalb ist es so eine Ehre, mit diesem Trikot dazustehen, und ich versuche, jede Minute bei dieser Mannschaft zu genießen. Da nimmt man schon einiges mit.“

Darum geht es ihm selbst ganz besonders: viel, am besten alles mitzunehmen, daraus zu lernen, immer besser zu werden. „In den letzten Monaten ging es sehr, sehr schnell. Damit hatte ich selbst ganz sicher nicht gerechnet. Umso mehr freut mich, wie alles gekommen ist. Ich versuche jetzt einfach, jeden Tag mein Bestes zu geben und das alles zu genießen und dankbar zu sein.“

Dabei spielt es für ihn eine wichtige Rolle, dass sich diese so angenehme Szenerie in Düsseldorf abspielt. „Es macht alles noch einen Tick besonderer, dass ich bei dem Verein bin, für den ich schon seit der U9 spiele“, versichert Siebert. „Ich bin in dieser Stadt aufgewachsen und darf dann vor 52.000 Leuten ein so geiles Spiel wie gegen Schalke mitmachen. Das ist einfach schön.“

Aber ob es auch am Samstag wieder schön wird? Die vergangenen drei Partien beim „Club“ hat Fortuna allesamt verloren; aber da war Jamil Siebert ja noch nicht dabei. „Ich glaube, die Jungs hatten letztes Jahr keine so gute Erfahrung in Nürnberg“, sagt er deshalb grinsend. „Aber das ist Vergangenheit, wir haben eine neue Saison. Ein neues Spiel in Nürnberg, und wir werden alles daransetzen, drei Punkte dort zu sammeln. Wir werden hundert Prozent geben.“

Und was dann anders machen als zuletzt? „Schalke hatte in der ersten Hälfte nichts zu melden, daran können wir anknüpfen. Wir müssen nur noch cooler sein, den Sack zumachen. So eine Aufbruchstimmung, wie wir sie selbst bei unserem 4:3 gegen Kaiserslautern erlebt haben, müssen wir beim Gegner unterbinden. Ich hoffe nicht, dass wir das Spektakel unserer Spiele noch steigern, aber wenn wir am Ende gewinnen, ist es mir eigentlich auch ziemlich egal, wie das Spiel gelaufen ist.“

Widersprechen kann man dem Innenverteidiger da nicht. Und nach diesem treffenden Schlusssatz hat er noch eine ganz besondere Aufgabe zu erledigen: zwei Kisten Bier ins Mannschaftsquartier zu tragen. Die hat Arnd Hovemann soeben angeliefert, „als Siegprämie gegen meinen Ex-Klub“, sagt Fortunas Finanzchef. Ein Job, den Siebert ebenso locker erledigt wie die allermeisten auf dem Platz.

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