Fortuna-Coach Thioune nach Halbfinal-Einzug „Das Größte, was ich je als Trainer im Profifußball erreicht habe“

Düsseldorf · Beim Fortuna-Coach wurden auf St. Pauli schlimme Erinnerungen wach.

Fortuna-Trainer Daniel Thioune ist glücklich.

Fortuna-Trainer Daniel Thioune ist glücklich.

Foto: dpa/Christian Charisius

(td) Eine der ersten Gratulationen kam aus der Heimat, vom alten Arbeitgeber. Das Elfmeterdrama am Millerntor war noch keine zwei Minuten vorbei, da meldete sich der VfL Osnabrück auf „X“, dem ehemaligen Twitter, zu Wort. „Glückwunsch, Daniel. Pokal-Halbfinale. Hast du dir verdient“, schrieb die Social-Media-Abteilung des Zweitliga-Schlusslichts, nachdem Christos Tzolis den entscheidenden Versuch vom Punkt verwandelt und Fortuna beim FC St. Pauli ins DFB-Pokal-Halbfinale geschossen hatte.

Knapp drei Jahre hatte Daniel Thioune die Profi-Mannschaft der Niedersachsen – noch heute pendelt der Fußballlehrer zwischen Düsseldorf und Osnabrück, wo seine Familie nach wie vor wohnt – trainiert und in dieser Zeit seinen bis dato größten Erfolg nach dem Ende seiner aktiven Karriere gefeiert: den Aufstieg in die Zweite Liga, nachdem der VfL in der Saison zuvor beinahe in die Regionalliga abgestiegen wäre.

„Am Standort Osnabrück war der Aufstieg damals schon eine einmalige Geschichte, gerade wenn man in dem Jahr davor mit wenigen Punkten so eben noch die Liga erhalten konnte. Das war schon ein großer Erfolg, auch weil es meine Heimat ist“, sagte der heutige Fortuna-Chefcoach am Morgen nach dem Triumph auf St. Pauli. Doch auch wenn Thioune zunächst ein wenig ins Grübeln geriet, stellte er fest: „Aber ja, der Einzug ins Pokal-Halbfinale ist für mich jetzt wohl das Größte, was ich je als Trainer im Profifußball erreicht habe.“

Viel Zeit zum Feiern dieses besonderen Momentes hatte der 49-Jährige am Millerntor jedoch nicht. „Ich habe eine Kamera nach der anderen gesehen und hatte eine Pressekonferenz kurz nach Mitternacht“, betonte Thioune, um mit einem fragenden Grinsen zu ergänzen: „Wo sollte ich da noch feiern?“ Ganz ohne Belohnung trat er die Reise ins Mannschaftshotel dennoch nicht an. „Wir haben anschließend noch ein Kaltgetränk eingenommen. Für mich ist das Feiern aber eher zweitrangig, ich bin in solchen Situationen in erster Linie sehr erleichtert und fühle mich wohl.“

Ganz besonders, weil zwischenzeitlich schlimme Erinnerungen an das Ausscheiden beim 1. FC Nürnberg wachgeworden waren. „Das Nürnberg-Spiel war präsent, sowohl bei den Spielern als auch bei mir“, gestand Thioune. „Die Geschichte war ja identisch mit dem späten Ausgleich, nur dass wir ihn in Nürnberg in der 90. Minute kassiert haben und jetzt in der 120. – und das, obwohl er aus meiner Sicht gar nicht in der Luft lag.“

Und es gab noch zwei weitere Parallelen. „Dann kam dieser Moment im Elfmeterschießen, als Florian zum zweiten Mal gegen einen Schützen antreten musste, weil er zu früh von der Linie kam“, fuhr der Trainer fort; damals war das gegen Taylan Duman der Fall, am Dienstag gegen Marcel Hartel. „Daran habe ich mich erinnert. Und dann haben wir auf die Kurve des Gegners geschossen, das war damals in Nürnberg auch so.“

Neben dem Fakt, dass die Fortuna dieses Mal jedoch die Nerven behielt und sich im Elfmeterschießen durchsetzte, war allerdings noch etwas anders. Während sich in Nürnberg viele erfahrene Akteure vor dem Gang zum Punkt gedrückt hatten, wollten auf St. Pauli viel mehr Spieler die Verantwortung übernehmen.

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