Am Tag des St.-Pauli-Spiels So engagiert sich Fortuna gegen Rechtsextremismus und für Holocaust-Gedenken

Düsseldorf · Der Klub ruft zur Teilnahme an Demonstration gegen Rassismus und die AfD auf.

 Bilder wie dieses wird es vermutlich am Samstag auch in Düsseldorf geben.

Bilder wie dieses wird es vermutlich am Samstag auch in Düsseldorf geben.

Foto: dpa/Ulrich Perrey

(td/Red/dpa) Zweitligist Fortuna beteiligt sich beim Heimspiel gegen den FC St. Pauli am Samstag (20.30 Uhr, Arena) am bundesweiten „Erinnerungstag im deutschen Fußball“ und setzt mit dem Spieltagsmotto „Für alle, aber gegen Hass und Ausgrenzung“ ein Zeichen. In Zusammenarbeit mit der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf gedenkt der Klub den Opfern des Nationalsozialismus. Symbolisch werden beim Spiel gegen den Tabellenführer aus Hamburg einige Sitze leer bleiben.

Am 27. Januar 1945 ist das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau befreit worden. Deshalb greift der deutsche Fußball dieses Ereignis seit nunmehr 20 Jahren auf, um an den Spieltagen Ende Januar an die während der nationalsozialistischen Herrschaft und des Zweiten Weltkriegs verfolgten, deportierten und ermordeten Menschen zu erinnern.

„Fortuna stellt sich dieser Verantwortung, auch weil die Grundwerte unserer demokratisch-freiheitlichen Gesellschaft der Philosophie und dem Leitbild entsprechen“, teilt der Klub mit. Man stehe „für Offenheit, Teilhabe und Toleranz“. Das zeige auch das Projekt „Fortuna für alle“, in dessen Rahmen das anstehende Spiel gegen St. Pauli die zweite Begegnung ist, die alle Zuschauer im Stadion kostenlos sehen können. „Wir sind überzeugt, der Fußball gehört den Menschen. Und zwar allen Menschen“, heißt es weiter. „Denn ,für alle’ heißt auch, dass für Hass und Ausgrenzung in jeglicher Form bei Fortuna kein Platz ist.“

Konkret gedenkt Fortuna zwölf Düsseldorfern, die zur Zeit des Holocaust menschenverachtend verschleppt und ermordet worden sind, unter anderem dem ehemaligen Fortunen Waldemar Spier. „Wir wollen diese Menschen nicht vergessen und erzählen ihre Geschichten. Ihre Sitze bleiben am Samstag leer“, lässt der Zweitligist verlauten.

Die Fortuna-Profis werden am Samstag vor dem Spiel besondere Aufwärmshirts tragen, die im Nachgang versteigert werden. Der Erlös wird an die Einrichtung „Respekt und Mut“ in Düsseldorf gespendet. Außerdem haben die Düsseldorfer für die Partie gegen St. Pauli ein Kartenkontingent für die Partnerschule „Schule ohne Rassismus“ sowie die jüdische Gemeinde bereitgestellt. Ebenfalls für Samstag hat Fortuna gemeinsam mit weiteren großen Sportklubs aus der Landeshauptstadt – der DEG, Borussia und Rhein Fire – zur Teilnahme an einer Demonstration gegen Rassismus aufgerufen. Die Kundgebung startet um 12.45 Uhr am DGB-Haus an der Friedrich-Ebert-Straße starten soll, Organisator ist das Bündnis „Düsseldorf stellt sich quer“.

Gemeinsam soll ein Zeichen
für Demokratie gesetzt werden

Nach aktuellem Stand wird zwar kein Vereinsverantwortlicher von Fortuna auf der Bühne sprechen, doch Vorstandsboss Alexander Jobst und Aufsichtsratschef Björn Borgerding werden wohl an der Abschlusskundgebung teilnehmen. Der FC St. Pauli soll auch mit eingebunden werden, momentan ist jedoch nicht mit einem gemeinsamen Auftritt zu rechnen.

„Macht mit und nutzt am 27. Januar Eure Stimme. Lasst uns gemeinsam ein Zeichen für unsere Demokratie und unseren Rechtsstaat setzen“, hieß es am Montag in der Erklärung der vier Klubs dazu. Hintergrund der deutschlandweit derzeit zahlreichen Kundgebungen ist ein vom Recherchenetzwerk Correctiv publik gemachtes Treffen von Rechtsradikalen mit Politikern von AfD und einzelnen CDU-Mitgliedern in einer Potsdamer Villa.

Der frühere Kopf der Identitären Bewegung in Österreich, Martin Sellner, sprach dort nach eigenen Angaben über „Remigration“. Wenn Rechtsextremisten den Begriff verwenden, meinen sie in der Regel, dass eine große Zahl von Menschen ausländischer Herkunft das Land verlassen soll – auch unter Zwang.

(td/RP/dpa)
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