Fortuna Düsseldorf gegen Gladbach — ja, es ist ein Derby

Fortuna Düsseldorf vs Borussia Mönchengladbach : Fortuna gegen Gladbach — ja, es ist ein Derby

Die Duelle zwischen Fortuna Düsseldorf und Borussia Mönchengladbach dürfen zurecht als Derby bezeichnet werden. Eine Begriffsklärung als Einordnung.

Ein bisschen pikiert waren sie im vergangenen November bei Fortuna Düsseldorf ja doch über die Aussage von Max Eberl: „Es ist ein Derby aufgrund der Nähe mit 26 Kilometern Luftlinie zwischen den beiden Stadien, aber von der Rivalität, der Anspannung und der Historie ist das Derby das gegen den 1. FC Köln.“

Die Ansicht des Gladbacher Managers führte nach dem 3:1-Heimsieg Fortunas in der Rückrunde zu einer kleinen Retourkutsche seitens der Rot-Weißen. Vom „Sieg im Derby, das keines ist“ war plötzlich die Rede — und irgendwie schmeckte der Triumph über die Borussia aufgrund der kleinen Nebengeschichte noch ein bisschen süßer. Am Sonntag (15.30 Uhr) treffen beide Vereine am fünften Spieltag der Fußball-Bundesligasaison 2019/20 im Borussia-Park erneut aufeinander. Doch ist das nun ein Derby oder nicht?

„Der Begriff Derby häufig auch Lokalderby, bezeichnet eine Austragung im Mannschaftssport, bei der zwei meist rivalisierende Sportvereine einer Region aufeinandertreffen. Für die Fans der betroffenen Vereine haben solche Ereignisse häufig eine hohe symbolische Bedeutung“, heißt es in der Internet-Enzyklopädie Wikipedia. Wer den Artikel zum „Rheinischen Derby“ aufruft, findet in einer Auflistung gleich fünf Duelle zwischen Fußballvereinen, die als solches bezeichnet werden — unter anderem Spiele zwischen Fortuna und dem 1. FC Köln, Mönchengladbach gegen Köln und eben Fortuna gegen Mönchengladbach.

Nun mag der Anhänger der Fortuna dieser Einordnung ohnehin etwas mehr Beachtung schenken, weil es nach vielen Jahren mit Duellen gegen zweite Mannschaften aus Mönchengladbach oder Köln seit vergangener Saison endlich wieder gegen die „echten“ Rivalen geht. Andere wiederum könnten argumentieren, dass im Internet bekanntlich nicht immer die Wahrheit steht. Und bei ehrlicher Betrachtung sind Aufeinandertreffen zwischen Fortuna und Borussia selbstverständlich weit entfernt von der sportlichen und der (inzwischen abnehmenden) politischen Brisanz großer Duelle wie dem „Old Firm“ zwischen Celtic und den Rangers in Glasgow oder des Superclásico zwischen River Plate und den Boca Juniors in Buenos Aires.

Dennoch erfüllen die Begegnungen beider Klubs die notwendigen Voraussetzungen, um von einem Derby zu sprechen. Die Nähe ist da, die Fangruppen teilen sich die Gegend, so gut wie jeder auf der einen kennt jemanden von der anderen Seite, und es gab bereits große Duelle in Liga und Pokal. Rund 60 allein in Pflichtspielen waren es insgesamt. Zudem erlebten die Gladbacher manche ihrer bedeutendsten Spiele im alten Rheinstadion.

Generell aber bleibt festzuhalten: Der Begriff wird im deutschen Profisport inzwischen inflationär gebraucht. Ein „Nord-Süd-Derby“ zwischen dem Hamburger SV und Bayern München hat höchstens etwas von einem Traditionsduell und nichts von einem Derby.

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