Mitgefühl im rauen Geschäft So emotional reagiert Fortuna-Torhüter Kastenmeier auf den Patzer seines Kollegen

Bochum · Der Torhüter unterstreicht nach dem 3:0-Sieg in Bochum, dass seine Mannschaft nicht nachlassen darf.

 Torwart Florian Kastenmeier gestikuliert.

Torwart Florian Kastenmeier gestikuliert.

Foto: dpa/Swen Pförtner

Es wäre interessant, in diesem Moment in der Interviewzone des Bochumer Stadions einen Menschen dabeizuhaben, der nichts von dem mitbekommen hätte, was in den zwei Stunden zuvor passiert ist. Jede Wette: Dieser Mensch wäre überzeugt, Florian Kastenmeier habe soeben einen desaströsen Abend erlebt. Mit Leichenbittermiene steht Fortunas Torhüter da, keine Spur von Freude oder sogar Euphorie über den 3:0-Erfolg seines Teams im Relegations-Hinspiel beim VfL Bochum.

„Ich habe 90 Minuten lang puren Stress empfunden“, fasst Kastenmeier zusammen. „Wir hatten unfassbar viele Situationen im Strafraum und viele Standardsituationen, die wir sehr gut verteidigt haben. Natürlich hatten wir bei Bernardos Kopfball gegen den Pfosten kurz nach unserer Führung auch Glück, aber das gehört dazu, das haben wir uns erarbeitet.“ An dieser Stelle merkt der 26-Jährige offenbar, dass das fast schon zu viel nach einem Lob klingen könnte, und fügt kritisch an: „Wir haben den letzten Pass zu hektisch gespielt, nicht genau in den Fuß, sondern irgendwo in den Raum, sodass er sofort weg war. Da müssen wir am Montag genauer und besser sein.“ In jedem Moment spürt man als Zuschauer, wie wichtig dieser Aspekt dem Keeper ist: Noch ist nichts gewonnen, noch ist der Aufstieg nicht perfekt. Im Rückspiel muss noch ein weiteres Mal alles passen.

So wie über weite Teile am Donnerstagabend, was sogar Kastenmeier zugibt.. „Wir haben defensiv einen Riesenjob gemacht, viele Umschaltmomente unterbrochen und selber etliche Umschaltmomente generiert“, sagt er. „Da müssen wir aber noch genauer, noch ruhiger werden, denn wir hätten sogar das eine oder andere weitere Tor nachlegen können.“ Ein Thema, was er auch den in der Schlussphase etwas leichtfertigeren Kollegen noch vorhalten möchte, allerdings mit einem technisch bedingten Aufschub: „Unsere Kabine ist hier irgendwo in Essen. Bis man da ist, läuft man schon zwei Kilometer. Aber das ist eine andere Sache, dieses Problem haben wir ja jetzt nicht mehr.“ Und das kann „Flo“ bei aller Vorsicht sogar schon vor dem Rückspiel offen aussprechen, denn so viel ist ja klar: In Bochum spielt Fortuna in der nächsten Saison definitiv nicht. Es sei denn, das Pokal-Los sollte es so wollen. Vielleicht kommt ihm das auch gerade in den Sinn, denn Kastenmeier schlägt einen interessanten Bogen: „Wir wollten eine coole Pokalreise schaffen, das ist uns nicht gelungen. Die Relegation ist jetzt unser eigener Pokal: Heute hatten wir das Halbfinale, am Montag kommt das Finale. Da sind aber nochmal mindestens 90 Minuten zu gehen. Deswegen freue ich mich vielleicht am Montag, aber jetzt muss ich erstmal herunterkommen, den Stress verarbeiten und das Adrenalin rauspumpen.“ Tatsächlich gibt es aber auch noch einen weiteren Grund dafür, dass er in diesem Moment keine ungetrübte Freude empfinden kann: Mitgefühl. Wegen der Szene in der 72. Minute, als Bochums Ersatztorhüter Andreas Luthe den Ball nach Christos‘ Tzolis Freistoß genau vor die Füße von Yannik Engelhardt klatschte, der daraufhin das alles entscheidende 3:0 erzielte. „Es tut mir unfassbar leid für Andi“, sagt Kastenmeier. Dass er die Relegationsmesse noch nicht für gelesen hält, unterstreicht der gebürtige Regensburger noch einmal. „Wir haben es oft genug erlebt, wie ein 3:0 im Fußball noch gedreht worden ist. Uns ist es ja noch erst diese Saison zu Hause gegen Kaiserslautern gelungen. Da gilt es, voll fokussiert zu bleiben und die Nebengeräusche auszublenden. Natürlich werden schon heute viele Leute gratulieren, aber das müssen wir ausblenden.“

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