Relegations-Drama gegen Bochum „Für uns als Mannschaft bricht gerade eine Welt zusammen“

Düsseldorf · Die Spieler weinen nach verpasstem Aufstieg, auch der Trainer ist enttäuscht.

Isak Johannesson weint nach dem verpassten Aufstieg.

Isak Johannesson weint nach dem verpassten Aufstieg.

Foto: Moritz Mueller

Auf den Treppenstufen, die rauf zur Kabine führen, sitzt Takashi Uchino. Wie ein Häufchen Elend. Ein Betreuer ist bei ihm, versucht den 23-Jährigen zu stützen. Doch seine Tränen überwältigen ihn immer wieder. Der Japaner vergibt für Fortuna beim 5:6 im Elfmeterschießen den entscheidenden Versuch. Es kommt deshalb wie eigentlich fast immer: Der Bundesligist setzt sich gegen den Zweitligisten durch.

Und plötzlich ist da eben nur diese Trauer. Der verletzte Jamil Siebert kommt mit Krücken in den Spielertunnel, während seine Mitspieler vom Rasen herunterkommen. Tim Oberdorf, ein sonst durch und durch analytischer Mensch, steht vor ihm. Die beiden Innenverteidiger umarmen sich innig, Oberdorf kullern die Tränen übers Gesicht. Isak Johannesson geht schluchzend an den beiden vorbei. Yannik Engelhardt lässt sich in die Arme seiner Freundin fallen, es gibt in diesem Moment keine Worte für das gerade Erlebte.

Der erste, der versucht, die Situation irgendwie einzuordnen, ist Kapitän Andre Hoffmann. Der Routinier muss immer wieder abbrechen, seine Stimme stockt, droht zu versagen. Niemand zwingt ihn, jetzt überhaupt etwas zu sagen. Jeder hätte Verständnis, wenn er schweigt.

„Mir fehlen wirklich fast nie die Worte. Ich dachte, ich hätte in dem Geschäft schon viel erlebt, aber das ist gerade echt brutal“, sagt Hoffmann. „Für uns bricht gerade eine Welt zusammen. Ich bin schon ein paar Jahre hier und kenne wahrscheinlich jeden Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle. Ich weiß deshalb, wie groß der Wunsch in unserem Umfeld, bei unseren Fans und auch bei uns als Team nach der Bundesliga war. Dass wir es nach diesem Hinspiel nicht geschafft haben, übertrifft meine Vorstellungskraft.“

Und auch Trainer Daniel Thioune ist seine innere Leere anzumerken, als weit nach Mitternacht die obligatorische Pressekonferenz beginnt. „Ich habe gerade in viele tränenreiche Gesichter geschaut, das tut weh. Die Jungs haben mehr verdient, als nächstes Jahr weiter in der Zweiten Liga spielen zu müssen“, sagt der 49-Jährige völlig konsterniert und ergänzt mit dem Mute der Verzweiflung: „Wer weiß, wofür es gut ist.“

Die Fans stehen jedenfalls auch im bittersten Moment der gesamten Saison hinter ihrer Mannschaft, sprechen ihr Mut zu, signalisieren ihre bedingungslose Unterstützung. „Wenn ich die Reaktionen der Zuschauer sehe: Das ist Fortuna – und das ist auch der Grund, warum ich sechs, sieben Jahre in diesem Verein bin“, betont Kapitän Hoffmann. „Das macht mich sprachlos und bedeutet uns als Gruppe unheimlich viel.“

Dem schließt sich Thioune an. „Ein großes Dankeschön an alle, die es mit unseren Farben halten. Die Leute haben das Gespür dafür entwickelt, dass meine Mannschaft nach dem Doppelschlag mental nicht mehr auf der Höhe war und haben ihr geholfen, dass sie noch einem eine Viertelstunde lang aushalten konnte, was in dieser Verfassung nicht leicht war“, sagt er. „Am Ende wurden die Jungs gefeiert, es war die Anerkennung für eine tolle Saison. Das hat ihnen gutgetan, ich weiß es zu schätzen.“

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