Führt er Fortuna nun in die Bundesliga? Ehemalige Mitspieler hätten sich Thioune niemals als Trainer vorstellen können

Düsseldorf · Vom Spieler zum erfolgreichen Trainer. In der Relegation kann sich der 49-Jährige seinen Traum erfüllen.

Daniel Thioune als Trainer des VfL Osnabrück.

Daniel Thioune als Trainer des VfL Osnabrück.

Foto: dpa/Frank Molter

Eigentlich hatte sich Fortuna diesem Trend nur bedingt angeschlossen. Während die Social-Media-Teams etlicher Klubs ihre Profis regelmäßig die obligatorische „Frage der Woche“ beantworten ließen, stürzten sich die Düsseldorfer lediglich in den Trainingslagern, dann abgewandelt als „Frage des Tages“, auf dieses Format. Inzwischen haben sie ihre Strategie jedoch geändert und veröffentlichen ebenfalls im wöchentlichen Rhythmus einen Clip, in dem die Akteure ihres Zweitliga-Kaders eine bestimmte Frage beantworten müssen.

DFB lehnte seine Bewerbung für einen Lehrgang zunächst ab

Kürzlich wollte die Medienabteilung in diesem Zusammenhang wissen, welchen Teamkollegen sich die Profis der Rot-Weißen später am ehesten als Chefcoach vorstellen können. Das Ergebnis: Vor allem Yannik Engelhardt und Tim Oberdorf standen hoch im Kurs. Auf diese Umfrage und das Resultat angesprochen, antwortete Chefcoach Daniel Thioune überraschend mit einer eigenen Anekdote. „Wenn man mich als Spieler erlebt hätte und damals die Frage aufgetaucht wäre, wer später mal kein Trainer werden könnte“, sagte er mit amüsiertem Unterton und selbstironisch, „dann hätten wahrscheinlich alle meine Teamkollegen gesagt: Daniel Thioune wird niemals Trainer, der kann nicht Trainer werden.“

So etwas gehöre, ergänzte der 49-Jährige, allerdings „immer zu einer Entwicklung dazu“, ehe er auf explizite Nachfrage vor allem auf die späteren Optionen von Oberdorf einging. „Tim ist so intelligent, ich könnte ihn mir auch einen Stuhl weiter vorstellen, als Sportdirektor oder Sportvorstand, weil er weiß, wie das Geschäft funktioniert. Das ist die eine Sache“, sagte der gebürtige Niedersachse. „Ob er am Ende derjenige ist, der jeden Tag erzählen will oder kann, wie der Fußball an sich funktioniert, ist die andere Sache. Da gehört dann schon ein bisschen mehr zu.“

Mitunter auch Glück, was Thioune zu Beginn seiner anvisierten Trainerlaufbahn nicht hold war. Als er seine aktive Profikarriere – der heutige Fortuna-Coach spielte unter anderem für den VfL Osnabrück, den VfB Lübeck und Rot Weiss Ahlen – vor 14 Jahren nach einer schweren Verletzung beendete, lehnte der Deutsche Fußball-Bund seine Bewerbung auf die Teilnahme am Fußballlehrer-Lehrgang ab. Seine Vita schien dem Verband nicht auszureichen; statt weiterhin auf dem Fußballplatz zu stehen, begann Thioune deshalb in Vechta ein Studium der Erziehungs- und Sportwissenschaften.

Sein Heimatverein aus Osnabrück gab ihm später trotzdem die Chance, verschiedene Nachwuchsmannschaften zu trainieren – und so nahm die Geschichte doch noch ein versöhnliches Ende. Im zweiten Anlauf ließ der DFB den Ex-Profi dann am Pro-Lizenz-Lehrgang teilnehmen; Thioune konnte seine Ausbildung an der Hennes-Weisweiler-Akademie beginnen und schloss sie 2016 erfolgreich ab, zusammen übrigens mit dem heutigen Bundestrainer Julian Nagelsmann. Ein Jahr später übernahm er die damalige Drittliga-Mannschaft der Osnabrücker.

Von dort ging es nach einer erfolgreichen Zeit samt Zweitliga-Aufstieg zum Hamburger SV, wo der 49-Jährige seine Sachen jedoch schon nach weniger als einer Saison wieder packen musste. Vor etwas mehr als zwei Jahren schlug er schließlich ein komplett neues Kapitel in Düsseldorf auf, rettete Fortuna vor dem Abstieg und formte aus ihr einen Aufstiegskandidaten. Über die beiden Relegationsspiele gegen einen noch unbekannten Gegner kann Thioune dem Verein, der ganzen Stadt und sich selbst in diesem Sommer den großen Traum von der Bundesliga erfüllen.

Über seinen schwierigen Weg zum Fußballlehrer sagte er zuletzt einmal: „Ich habe gelernt, dass man im Leben jede Stufe einzeln nehmen muss und dass es deshalb vielleicht manchmal ein bisschen länger dauert.“ Anstatt sein Studium nach dem Beginn seiner Amtszeit als Chefcoach in Osnabrück abzubrechen, beendete er es später parallel zu seiner Trainertätigkeit mit einem Bachelor-Abschluss. Und blickte jüngst amüsiert, erheitert sowie mit einer gewissen Selbstironie darauf zurück, dass seine ehemaligen Mitspieler vor allem ihm eine solche Laufbahn niemals zugetraut hätten.

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