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Fortuna Düsseldorf - Diese Fan-Institution verlässt den Verein nach 18 Jahren

Nach 18 Jahren : Die Fortuna verliert eine kreative Kraft und Fan-Institution

Fanshop-Leiterin Melanie Beermann hat nach 18 Jahren gekündigt. Sie ist enttäuscht von ihrem Klub.

Vor 18 Jahren war vieles noch ganz anders bei Fortuna. Der Trainer hieß Massimo Morales, Thomas Berthold war General Manager, den Vorstand führte Peter Frymuth, den Aufsichtsrat der inzwischen verstorbene Ex-Oberbürgermeister Joachim Erwin. Sportlich schaffte der Traditionsverein die Rückkehr aus der Viertklassigkeit – vielleicht der wichtigste Aufstieg der Vereinsgeschichte. Schon damals gab es jedoch den „ewigen Paul“. Paul Jäger, seinerzeit Geschäftsführer und heute Direktor CSR bei Fortuna. Und dieser stellte in jenem Jahr eine Mitarbeiterin ein, die inzwischen fast jeder Fan kennt und schätzt: Melanie Beermann.

Im Grunde wäre dies eine sehr schöne Geschichte, in der man all das würdigen könnte, was Melanie Beermann in diesen 18 Jahren geleistet und mit dem Verein erlebt hat. Statt dessen geht es aber nicht zuletzt darum, dass sie am Donnerstag ihren letzten Arbeitstag bei Fortuna hat – obwohl sie noch immer sehr an ihrem Verein hängt, dessen Fanshop sie seit langer Zeit geleitet hat.

„Ich bleibe definitiv Fortuna-Fan mit Leib und Seele“, versichert Beermann. „Ich werde auch den einen oder anderen Mitarbeiter sehr vermissen, vor allem Claudia Beckers, Petra Brosch, Susanne Eyckeler, Gabi Huppertz und Paul Jäger, mit denen ich all die Jahre so gern zusammengearbeitet habe. Und besonders die Fans werde ich vermissen, denen ich immer sehr gern geholfen und von denen ich sehr viel Wertschätzung erfahren habe.“

Doch warum geht diese Fan-Institution dann nach dieser langen Zeit? Melanie möchte keine schmutzige Wäsche waschen und öffentlich Details nennen, lässt sich nur entlocken: „Es gab einige Änderungswünsche zu den Arbeitsverträgen, die ich so nicht mehr hinnehmen konnte. Da war ich schon enttäuscht. Aus vielen Kleinigkeiten wird was ganz Großes, und dann muss man leider solche Entscheidungen wie die Kündigung treffen.“

Wahrscheinlich, so gibt sie zu, wäre sie wegen all dem schon im vergangenen Jahr gegangen, wenn es nicht die besondere Situation mit Corona gegeben hätte. Darauf musste auch Fortuna reagieren, zum Beispiel mit der Einführung des Supporter Passes. „Da habe ich es einfach als meine Aufgabe gesehen, den Leuten zu helfen“, erklärt sie, „so wie ich es einst bei Paul Jäger gelernt hatte.“ Als diese Phase abgeschlossen war, reifte jedoch ihr Entschluss immer mehr: So konnte es nicht weitergehen. „Da habe ich mir einen neuen Arbeitgeber gesucht, bei dem das Soziale etwas größer geschrieben wird.“

Fortuna verliert eine Mitarbeiterin, die immer alles für den Verein gegeben hat und der keine Arbeit zu viel war. Zudem eine sehr kreative Kraft, auf deren Idee etwa der Fanshop am Flinger Broich zurückzuführen ist. „Angefangen hatte ich ja als Servicekraft auf der damaligen Geschäftsstelle“, erinnert sie sich. „Ich war praktisch die Empfangsdame, mit viel Dienst am Telefon. Fanartikel gab es ja damals nur ein paar.“

Als es dann ab 2005 einige mehr wurden, hängten die Fortunen jedes T-Shirt zur Ansicht an die Wand („in Größe S, damit es nicht zu viel Platz wegnahm“), dahinter gab es ein kleines Lager. „Dann haben meine Kollegin Marina Götsches und ich bei einem Spiel in Oberhausen gesehen, dass RWO Fanartikel in einem Container verkaufte“, berichtet Beermann. „Wir sind also mit der Idee zu unserem damaligen Marketingchef Carsten Franck gegangen, dass man das doch auch bei uns versuchen könne. 2013 haben wir das dann angefangen, vorübergehend für zwei Jahre.“ Darauf muss sie schon laut lachen – denn daraus sind jetzt schon neun Jahre
geworden.

In diesem Container am Flinger Broich wird man Melanie Beermann ab Donnerstagabend vergeblich suchen. „Aber ich möchte mich ganz herzlich bei den Fortuna-Fans für ihr Vertrauen und ihre Wertschätzung bedanken, die sie mir immer, aber vor allem in den vergangenen Wochen entgegengebracht haben“, sagt sie, „eine Wertschätzung, die an anderer Stelle im Verein ebenfalls wünschenswert gewesen wäre.“

Aber sie wird diese Fans ja weiterhin treffen, im Stadion, wann immer sie Fortuna-Spiele besuchen kann. „Ich freue mich sehr darauf, Spiele wieder als reiner Fan erleben zu können“, erklärt Beermann. „Als Mitarbeiterin musste ich mich ja doch immer ein bisschen zurücknehmen, weil mich ja doch viele kennen.“