Diese Erkenntnisse können aus dem Fortuna-Spiel gegen Bayern gezogen werden

Fortuna : Die vielen zukunftsweisenden Lehren aus dem Spiel der Fortuna bei den Bayern

Selten hat ein Fußballspiel wie das 3:3 des FC Bayern München gegen Fortuna Düsseldorf so viele Erkenntnisse in nur 90 Minuten freigelegt.

Zuerst ist das da der grenzenlose Stolz, den der Club aus der NRW-Landeshauptstadt nach so vielen darbenden Jahren empfindet. Solch ein Paukenschlag in München war noch für jeden Gegner eine echte Wegmarke, Dodi Lukebakio sprach zurecht von einem „historischen Moment“, der nicht nur in seiner eigenen Karriere bleiben wird. Womit wir gleich bei der wichtigsten Erkenntnis sind: Mit Lukebakio hat Düsseldorf tatsächlich jenen Unterschiedspieler in den eigenen Reihen, den man diesem Team in den vergangenen Wochen schon abgesprochen hatte. Einer, der auch mal aus einer Chance zwei Tore machen kann in einem Erstliga-Business, in dem jede Gelegenheit extrem hart erkämpft werden muss. Das kann Düsseldorfs Versicherung sein im so gar nicht mehr freudlosen Kampf um den Klassenerhalt. In diesen Leih-Deal mit dem FC Watford - leider ohne Düsseldorfer Kaufoption - steckt inzwischen so viel Fantasie, dass man den Düsseldorfer Test gegen den SC Charleroi im Sommer 2017, als Lukebakio sich ins Notizbuch der hervorragend arbeitenden Fortuna-Scoutingabteilung kickte, ins Historienbuch des Clubs aufnehmen darf.

Aber da ist noch mehr: vor allem ein Team, das sich nach dem 1:7 in Frankfurt und ersten Zweifeln an Eignung und Trainer sofort beeindruckend zurückgemeldet und nach dem Erfolg gegen Berlin einmal mehr Charakter nachgewiesen hat. Der Weg der Düsseldorfer ist der richtige. Es braucht dafür Beweise, die Vorstand Robert Schäfer völlig zurecht eingefordert hat, Trainer und Team haben sie aber zuverlässig und nachhaltig geliefert: Der Punkt in München verschafft dieser Gemeinschaft viel Luft.

Die geht dem FC Bayern hingegen offenbar aus. Dem Rekordmeister sind fast alle Selbstverständlichkeiten abhanden gekommen, Kontergegentore in Vielzahl, fehlende Heimstärke, fast jeder Schuss des Gegners aufs Tor ein Gegentreffer, selbst die Kleinsten der Liga treten hier inzwischen voller Mut an, fast immer ausgerüstet mit der Taktik für ein Spiel auf Augenhöhe.

Olaf Kupfer. Foto: ja/Sergej Lepke

Das sind die Signale, die die Bayern-Führung wirklich besorgen, und die die Zweifel an Trainer Niko Kovac befördern. Dabei sind die Probleme des Rekordmeisters, der schon 15 Punkte hat liegen lassen in dieser noch jungen Saison und nach dem 3:3 gegen Düsseldorf übermäßig geschickt schien, stark hausgemacht. Sie haben mit fehlenden Reizpunkten in einem impulsarmen Kader zu tun, mit maladen, weil über Jahre überspielten Profis und, ja, vielleicht auch mit einer fehlenden eigenen Handschrift des Trainers, die seine erfahrenen Profis noch begeistern kann.

In dem Moment, in dem Adi Hütter Niko Kovacs Erbe in Frankfurt zur Blüte treibt, scheint der Kroate in München an der andere Fähigkeiten verlangenden nächsthöheren Aufgabe zu scheitern. Aber ob seine Demission die Bayern-Probleme klären kann, das scheint fraglicher als bei vielen Trainerentlassungen der Bayern in der jüngeren Vergangenheit.

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