Die schönsten Fortuna-Heimsiege gegen den FC Bayern

Sechs Siege : Die fast vergessenen Fortuna-Siege gegen Bayern

6:5, 7:1, 4:1: Diese legendären Triumphe kennt jeder. Doch genauso schön waren die sechs anderen Siege im Rheinstadion mit Hauptdarstellern wie Egon Köhnen, Jörg Daniel, Ralf Dusend, Jörg Schmadtke oder Ben Manga.

6:5, 7:1, 4:1: Diese drei Triumphe der Fortuna 1975, 78 und 84 gegen den FC Bayern im Rheinstadion kann wohl mittlerweile jeder Fortuna-Fan im Schlaf runterrasseln.  Selbst die jüngeren, so oft werden sie zitiert, so sehr sind sie zum nostalgischen Klischee geronnen. Insgesamt aber hat Fortuna die Bayern in der Bundesliga und im DFB-Pokal neun Mal daheim geschlagen (hinzu kommen drei Auswärtssiege im Olympiastadion): Eine Bilanz, von der viele aktuelle Bundesligisten nur träumen können. Während Fortuna selbst bei „Et wor emol“ auf ihrer Homepage an das  4:2 im Januar 1974 im neuen Rheinstadion erinnert (Tore: Rainer Geye, zwei Mal Egon Köhnen, Dieter Herzog), sollen hier vier weitere Bayern-Spiele mit dem richtigen Ausgang rekapituliert werden, die ein bisschen in Vergessenheit geraten sein könnten.

In der Bundesliga ist das zunächst das 3:0 am 23. August 1980. Fortuna hatte unter Otto Rehhagel schon zum Saisonauftakt zu Hause gegen Gladbach (2:1) und dann in Uerdingen (1:0) gewonnen, am dritten Spieltag ging es vor 55 000 Zuschauern gegen die Bayern mit Breitner und Rummenigge. Die drei Treffer in einer starken zweiten Halbzeit und mit einem überragenden Jörg Daniel im Tor machten Rudi Bommer, Klaus und Thomas Allofs. Mit 6:0-Punkten war F95 an dem Samstag Tabellenführer.

Fünf Jahre später gab es ein 4:0, kurioserweise war es wieder der Torwart, den man mit diesem Spiel vor allem verbindet: Der junge Jörg Schmadtke wurde von Trainer Dieter Brei erstmals in der Bundesliga rangelassen, „Schmadti“ hielt fantastisch, holte zum Beispiel einen Hammer-Freistoß von Klaus Augenthaler aus dem Winkel. Noch bemerkenswerter an diesem Spiel war nur die Zuschauerzahl: 21 500. Gegen Bayern München. Peinlich. Nun war Fortuna in die Spielzeit 85/86 mies gestartet, vor dem Spiel gab niemand einen Pfifferling auf sie, doch Andreas Keim, Hasse Holmquist, Sven Demandt und Ralf Dusend stellten am Ende auf 4:0, obwohl die Bayern permanent feldüberlegen waren. Was sie aber eigentlich immer in Düsseldorf waren, selbst beim 7:1. Ach so: Am Abend des 28. Septembers 85 wurde Fortunas 90.Geburtstag gefeiert, Stargast: Udo Jürgens.

Zweikampf zwischen Jürgen Klinsmann und dem Fortunen Frank Mill beim 3:0-Pokalsieg im Rheinstadion am 18. September 1995. Foto: Hostmüller/Horstmüller

1986 der erste spektakuläre Pokalsieg. Das nur im Ergebnis so glatte 3:0 an diesem Achtelfinal-Dienstag im November vor 45 000 Zuschauern schossen Ralf Dusend, Michael Preetz und Manni Bockenfeld heraus, die herrlichste Szene freilich zauberte der „Blitz“, Ralf Dusend, auf den Rasen, als der schnelle Filigrantechniker an der Außenlinie Lothar Matthäus mit einem klassischen Beinschuß lächerlich machte. Da rastete die ganze Vortribüne aus .

Eine Szene des legendären 6:5-Siegs im Juni 1975 im Rheinstadion mit Franz Beckenbauer, Heiner Baltes und Timo Kriegler. Man beachte die leeren Blöcke in der Kurve im Hintergrund. Foto: horstmüller/Horstmüller

Neun Jahre später folgte der zweite Pokalsieg, leider zugleich der bis heute letzte Fortuna-Sieg über den Rekordmeister. 18. September 1995, wieder 45 000 Zuschauer. Trainer Aleks Ristic ließ überraschend den jungen Ben Manga von den Amateuren ran. Der flinke Mittelfeldspieler aus Äquatorialguinea (heute ist er übrigens Chefscout bei Eintracht Frankfurt) spielte auch ohne „Tunnel“ groß auf, legte quer zu Seeligers 3:1 und wurde danach vom Fernsehen als erster interviewt. Die Tore davor erzielten Darko Pancev und Richard Cyron.

Nach dem 4:0 am 28. 9. 1985 war der junge Jörg Schmadtke der Held. Rechts Fortuna-Trainer Dieter Brei. Foto: horstmüller/Horstmüller

Ohne angeben zu wollen, kann der Autor mit Glück von sich behaupten, acht der neun Heimsiege gegen die Bayern live im Stadion gesehen zu haben (natürlich auch mindestens so viele Niederlagen). Nur das eingangs erwähnte 4:2 unter Trainer Heinz Lucas 1974 fehlt. Beim legendären 6:5 habe ich das erste und letzte Mal ein eigenes Fußballspiel geschwänzt – in der E1 beim BV 04. Hab’ mittags einen Mannschaftskameraden angerufen und mich krank gemeldet, aber der Trainer hat natürlich prompt bei meinen Eltern nachgefragt, die mich auch auf dem BV-Platz wähnten. Er wusste ja, dass ich ein großer Fortuna-Fan war, was leider schon damals für fußballverrückte Kinder in Düsseldorf alles andere als selbstverständlich war.

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