WZ-Serie: So sehen es die Ex-Fortuna-Profis: Detlev Szymanek: „Fortuna Düsseldorf muss das Mehr an Strahlkraft nutzen“

WZ-Serie: So sehen es die Ex-Fortuna-Profis : Detlev Szymanek: „Fortuna Düsseldorf muss das Mehr an Strahlkraft nutzen“

Ex-Profis der Fortuna sprechen über den Aufstieg. In unserer Serie nimmt diesmal Detlev Szymanek (64) Stellung. Er spielte in den 70’ern für Düsseldorf.

Düsseldorf. Detlev Szymanek ist der einzige Fußball-Profi, der es (mit Hertha BSC) geschafft hat, gegen den FC Bayern innerhalb von sieben Minuten in einem Ligaspiel drei Tore zu erzielen. Wir sprachen über seinen Ex-Verein Fortuna mit dem 64-Jährigen, der dem Fußball auch wegen seiner Profession als Spezialist fürs Versicherungswesen für Profi-Fußballer noch sehr nahe ist.

Foto: Stadtwerke

Herr Szymanek, was war Ihrer Meinung nach ausschlaggebend für den Aufstieg der Fortuna?

Detlev Szymanek: Die Verantwortlichen des Vereins haben Ruhe bewahrt und Fortuna besitzt in Friedhelm Funkel und Erich Rutemöller Männer, die mit ihrer Erfahrung Szenarien mit der Mannschaft durchgespielt haben, die zum Schluss der Saison die erforderlichen Punkte für den Aufsteig gesichert haben. Zusätzlich haben sich die Spieler durch die lange Zeit an der Spitze der Tabelle ein erstklassiges Selbstbewusstsein erworben.

Wie verfolgen Sie die Fortuna noch?

Szymanek: Durch meine berufliche Tätigkeit bin ich dicht am Fußball. Und Fortuna ist so etwas wie meine Alte Liebe. Ich finde es gut, dass der Verein die Entwicklung der U 23, der U 19 und U 17 vorantreibt. Umso schöner wäre es jetzt auch, wenn die Fortuna mit der U 23 die Klasse hält, falls Uerdingen jetzt doch noch aufsteigen darf.

Wenn man zurückschaut. Was ist vom Fußball Ihrer Profikarriere heute noch geblieben?

Szymanek: Zwei Tore und ein Ball, das 6 gegen 2 zum Aufwärmen und die Trainingsspiele jung gegen alt. Vielleicht auch noch die Energie und die Leidenschaft der einzelnen Spieler. Auch die heutige Generation versucht, sich einen Namen zu machen und langfristig Bestandteil des Zirkus’ Profifußballs zu sein.

Was ist der Hauptunterschied zwischen 2. Liga und Bundesliga?

Szymanek: Die mediale Präsenz, die Zuchauer-Resonanz und auf dem Rasen die Schnelligkeit und Athletik. Die durchschnittliche Netto-Ballkontaktzeit eines Bundesliga-Profis von nur rund von einer Minute unterstreicht, worauf es ankommt. Das ist schon beeindruckend.

Und außerhalb des Platzes?

Szymanek: Der Profifußball hat einen gesellschaftlichen Stellenwert erreicht, der auch den Club-Verantwortlichen ein hohes Maß an Verantwortungsgefühl abverlangt. Sie müssen den Spielern ermöglichen, über den Tellerrand hinauszuschauen und es selbst auch in Sachen Umweltschutz, Soziale Projekte, Jobbörsen tun. Bundesliga-Clubs haben eine solche Strahlkraft, dass sie diese auch sozial nutzen müssen.

Wovon wird die Fortuna besonders profitieren?

Szymanek: Natürlich von den viel höheren TV-Geldern. Fortuna ist kein ambitionierter Zweitligist mehr, sondern gehört nun wieder zur Creme de la Creme des Fußballs in Deutschland. Die Topclubs wie Bayern, Dortmund und Schalke kommen wieder nach Düsseldorf. Der Fußball-Nachwuchs hat hier wieder Anschauungsunterricht auf höchster Ebene. Und zudem wird die Stadt (und auch Hotels und Restaurants) profitieren — vom Werbewert und den vielen Fans, die die Gegner mitbringen werden.

Und wie bleibt die Fortuna langfristig oben?

Szymanek: Mit einer nachhaltigen Vereinspolitik und Handeln mit Bedacht. Eine gewisse Stabilität, Ruhe und Wissenstransfer in alle Bereichen sind wichtig. Je länger sich die Fortuna in der Liga hält, um so mehr Strahlkraft entwickeln der Verein und auch die Stadt.

Wie beurteilen Sie die Leistungen der Clubführung?

Szymanek: Dem Vorstandsteam und Leader Robert Schäfer kann man für die Ruhe und Gelassenheit ein Kompliment machen. Die richtungsweisenden Entscheidungen seit 2016 haben ihre Wirkung gezeigt. Jetzt müssen allerdings die Bereiche Strategie und Geschäftsentwicklung mit noch mehr Leben gefüllt werden und größere Wertschätzung erfahren. Obwohl es zukunftsweisend und ein kluger Schachzug war, Alexander Steinforth einzusetzen. Aber nur auf Marketing zu setzen, bringt nicht mehr Punkte.

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