Das ist der neue Plan von Fortuna Düsseldorf

1. Bundesliga : Das ist der neue Plan von Fortuna Düsseldorf

Fußball-Erstligist Fortuna Düsseldorf präsentiert Vorstandschef Thomas Röttgermann. Man brauche im gesamten Club ein „Leistungsklima“.

Irgendwann erzählte Thomas Röttgermann diese Geschichte mit dem Kinnhaken. Sein Sohn hatte das sagenumwobene 4:0 des Fußball-Erstligisten Fortuna Düsseldorf beim FC Schalke 04 am 2. März miterlebt und von einem Schalke-Fan „einstecken“ müssen. Das Ganze war wohl nicht ganz schmerzfrei verlaufen, aber Schmerzen und Fortuna, sagen böse Zungen, das gehört in diesen Tagen ja ohnehin fast unzertrennlich zusammen. Insofern passte diese kleine Geschichte ganz gut ins Bild. Jedenfalls wollte Röttgermann, der seit Dienstag neuer Vorstandschef von Fortuna Düsseldorf ist, anbringen, dass Fortuna kein stets fern gebliebenes Neuland, sondern reine Familiensache für ihn ist.

Eine nachvollziehbare Entscheidung desaströs verkauft

Die Familie seiner Frau stammt mit vielen heißblütigen Fortuna-Fans aus Neuss, Röttgermann selbst lebt dort, Fortuna lag also im Blickfeld des 59-Jährigen, der jetzt vor allem eine Aufgabe hat: einen in sich gespaltenen Verein zu einen. Einen Verein, der auch eine Familie sein will, es aber schlicht und ergreifend nicht gewesen ist, weil Mentalitäten ungebremst aufeinander prallten und niemand da war, der die unterschiedlichen Ansätze zueinander führen konnte: Vor allem, weil zwischen Vorstandsboss Robert Schäfer und dem durchaus mächtigen Düsseldorfer Aufsichtsrat einiges kaputt gegangen war. Und die Geschwätzigkeit in dem höchsten Vereins-Gremium für den kommunikativen Totalschaden sorgte: Fortuna stand zum zweiten Mal nach der peinlichen Winterpausen-Posse im Vertragsfall Funkel trotz allen sportlichen Erfolgs als Lachnummer der Bundesliga da, weil eine vermeintlich nachvollziehbare Entscheidung (Ernst: „Gehen sie davon aus, dass es ein richtiger und notwendiger Schritt war. Es gab einen Vertrauensverlust“) desaströs verkauft wurde.

Vorbei. Von Schäfer bleibt eine schmerzende Abfindungsverhandlung, die sich wohl auf rund eine Million Euro belaufen dürfte. Jetzt soll Röttgermann wirken. Beruhigen. Und dann auch neue Fahrt aufnehmen. Der richtige Mann für diesen Moment?

Der Vorstandschef gab sich viel Mühe zu erklären, dass er es künftig weder an Empathie mangeln lassen wolle – vielen Mitarbeitern im Verein schien es vor allem daran unter Vorstand Schäfer gemangelt zu haben – noch es ihn zurück zu Gemächlichkeit dränge. Der Mann aus Westfalen (Steinfurt) gab sich sachlich, faktenorientiert, auch ehrgeizig. „Wir brauchen einen klaren Plan, wohin es gehen soll“, sagte Röttgermann und nannte vier Punkte für eine neue Fortuna-DNA, die man zwar in den vergangenen Jahren fein ausgearbeitet, aber nicht auf allen Ebenen gelebt hatte: Man brauche mehr Einnahmen, um die sportliche Entwicklung zu finanzieren. Im gesamten Verein benötige es „Motivation, Solidarität und Mentalität“, weil man wirklich gut werde, „wenn im gesamten Club ein Leistungsklima herrscht, in dem sich die Mitarbeiter gegenseitig challengen.“ Und darüber hinaus müsse man über gute Kommunikation alle mitnehmen – und sehr gute Leute überall „dort haben, wo wir arbeiten“. Was dabei herauskommt? „Eine gute Rolle in der Bundesliga“, sagte er und sprach darüber, wie er vorzugehen gedenkt: „Ich schaue mir nüchtern und systematisch Rahmenbedingungen an und vergleiche sie. Und ich glaube, Düsseldorf muss sich als Landeshuptstadt nicht verstecken.“

Marketing-Vorstand Christian Koke beginnt am 1. Juni

Das klingt vielversprechend, aber so ist das ja meist beim Amtsantritt, immerhin hatte Röttgermann seit 2017 und seinem Ausscheiden beim VfL Wolfsburg Zeit, sich über diesen neuen Job Gedanken zu machen. Mit Ernst hatte er sich „immer wieder mal ausgetauscht“, der Aufsichtsratschef hält große Stücke auf den Neuen, der künftig zusammen mit dem ebenfalls neuen Marketing-Vorstand Christian Koke (beginnt am 1. Juni), dem ehrenamtlich agierenden Erich Rutemöller und dem Sportvorstand Lutz Pfannenstiel operativ arbeiten soll. Letzteren stärkte Röttgermann am Dienstag demonstrativ: Pfannenstiel müsse nicht um seinen Job bangen, er sei „kompetent“. Und: „Ich sehe keinen Grund, wieso es zu solchen Spekulationen kommt.“ Auch Zweifel an Funkel, wie sie Schäfer im Winter nachhaltig zum Ausdruck gebracht hatte, scheint Röttgermann nicht zu finden. Der sportliche Erfolg spreche für sich. Und mit Funkel, sagte Röttgermann, verbinde ihn ja noch etwas. „Er ist in Neuss geboren, ich lebe dort.“ Zusammen Schützenfest gefeiert habe man noch nicht. „Aber ich schließe nicht aus, dass ich mit Friedhelm Funkel auch mal ein Schützenfest besuche.“ Das wäre freilich ein wirklich neuer Fortuna-Umgang.

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