Christian Erwig: „Ich muss mich nicht verstecken“

Christian Erwig kämpft auch im zweiten Jahr bei der Fortuna nicht nur um einen Stammplatz.

Düsseldorf. Christian Erwig hätte auch einen guten Politiker abgegeben. Wer ihn im Trainingslager des Fußball-Drittligisten Fortuna Düsseldorf in Bitburg erlebt und im tief in die Augen schaut, der möchte ihm glauben, wenn er sagt: "Es ist egal, wer gegen den SC Paderborn aufläuft, Hauptsache es steht Erwig in der Aufstellung. Ich muss mich vor niemandem verstecken." Wäre der Stürmer tatsächlich ein Wahlkämpfer, hätte er auch schon ein passendes Motto. "Fortuna und Tore, das sind die Dinge, auf die ich mich konzentrieren möchte."

Vergessen scheint die Enttäuschung des 24-Jährigen über sein erstes Jahr in Düsseldorf, in dem ihm gerade einmal zwei Tore in der Regionalliga gelangen. "Die Sommerpause hat gut getan", sagt der Ex-Schalker, der aber auch zugibt, sich zwischendurch gefragt zu haben "warum mache ich das alles noch".

Zum Beispiel nach der Winterpause. "Ich habe mit Toren gegen Werder Bremen und die Bayern die Vorbereitung meines Lebens absolviert. Sich dann beim ersten Spiel auf der Bank wiederzufinden, war verdammt hart", so Erwig. Aus seinen Selbstzweifeln wuchs die Idee, es woanders zu versuchen. Er absolvierte ein Probetraining beim österreichischen Erstligisten Sturm Graz, aber: "Da hätte die sportliche Perspektive wesentlich besser sein müssen, damit ich Fortuna verlasse."

Nun ist er froh, dass er noch da ist und auch Fortunas Verantwortliche haben ihn noch nicht abgeschrieben. "Trainer Norbert Meier meinte, es sei schön, dass ich wieder da bin." Manager Wolf Werner sagt über den Angreifer: "Er ist vielleicht unser größtes Sturmtalent, aber er muss umsetzen, dass er jetzt im Männerfußball ist."

Das kann der gebürtige Dorstener so nicht stehen lassen. "Wolf Werner kann das sicher gut einschätzen. Er hat mich schließlich zu Fortuna geholt. Das mit dem Männerfußball kann ich aber nicht nachvollziehen. Ich spiele immerhin mein fünftes Senioren-Jahr." Kritik und Selbstzweifel will Erwig "richtig kanalisieren" und Tore daraus machen. In der Vorbereitung gelingt ihm dies wieder. Wenn auch gegen unterklassige Gegner.

"Die Treffer bringen einem trotzdem etwas. Es sind kleine Erfolgserlebnisse." Sie sollen ihm helfen, wieder locker und eiskalt vor dem Tor des Gegners zu werden, instinktiv richtig zu handeln. Wer mit ihm gegen Paderborn stürmt, dass ist Erwig egal. "Wir Stürmer gehen miteinander sehr respektvoll um. Auch wenn wir nicht jeden Tag zusammen Kaffee trinken."

Das ist auch kein Programmpunkt seines Wahlkampfes in eigener Sache. Dazu gehört eher, dass er sich eine feste Anzahl an Toren vornimmt. "Ich möchte aber nicht sagen wie viele. Verlernt habe ich das Toreschießen ja nicht", sagt Erwig und lächelt alle Zweifel einfach weg. Hält er sein persönliches Wahlversprechen, würde ihn das jedenfalls von vielen Politikern unterscheiden.

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