Chaostage bei Fortuna Düsseldorf - Funkel gewinnt den Machtkampf

Chaostage bei Fortuna Düsseldorf : Funkel gewinnt den Machtkampf

Chaostage bei Fortuna Düsseldorf: Warum der Trainer nun doch nicht in Rente geht und Vereinschef Robert Schäfer zum Verlierer der Vertragsposse geworden ist.

Fortuna Düsseldorf hat sich selbst überholt. Der Fußball-Bundesligist nahm seine Entscheidung vom Freitag 20 Stunden später wieder zurück und führt nun doch Gespräche mit Trainer Friedhelm Funkel über eine Vertragsverlängerung. Noch in dieser Woche soll Klarheit herrschen und die Diva vom Rhein wieder zur Ruhe kommen.

Auch die Spieler fielen aus allen Wolken, als sie noch am Flughafen in Malaga erfuhren, dass die Vereinsführung die Gespräche mit ihrem Trainer wieder aufnimmt. „Es waren heftige 24 Stunden, die wir da erlebt haben“, sagte Torhüter Michael Rensing und fasste die Gefühlslage der Spieler so zusammen: „Es war am Freitag  für mich fast so, als hätte uns das Familienoberhaupt grundlos verlassen müssen.“ Auch Kapitän Oliver Fink sprach dem Trainer sein Vertrauen aus. „Für den Trainer spricht alles. Seitdem er hier ist, läuft Vieles in die richtige Richtung.“

Um den Verein nach der Vertragsposse wieder auf Kurs zu bringen, müssen die Verhandlungen zu dem auch von den Fans gewünschten Ergebnis führen. „Ich werde meine gute Verhandlungsposition sicherlich nicht ausnutzen“, sagte Funkel, der sich angesichts des Zuspruchs der Anhänger geehrt zeigte. Die hatten mit ihren Protesten gegen die Trennung von Funkel zum Saisonende eine solche Lawine losgetreten, dass die Vereinsführung gar nicht mehr anders reagieren konnte als mit einer Rolle rückwärts. Eine solche Reaktion hätte man mit ein wenig mehr Realitätssinn allerdings erahnen können.

Zudem hatte der Vorstandsvorsitzende Robert Schäfer auch den Fehler gemacht, von einer einmütigen Entscheidung des Vorstands mit Kenntnis des Aufsichtsrates zu sprechen. Das war offensichtlich nicht der Fall. Wie der  Aufsichtsratsvorsitzende Reinhold Ernst gegenüber unserer Zeitung erklärte, war das Kontrollgremium von der Dynamik der Ereignisse überrascht worden. Auch der Kompromissvorschlag Funkels, der eine Vertragsverlängerung nur im Falle des Klassenerhaltes vorsah, sei dem Aufsichtsrat nicht bekannt gewesen.

Schäfer und Funkel räumen ein, zu dickköpfig gewesen zu sein

Immerhin gelangten alle Beteiligten zu der Einsicht, dass die Gespräche noch einmal neu aufgenommen werden müssen. „Für mich ist entscheidend, dass wir das vor dem Spiel in Augsburg geschafft haben, damit wir alle den Kopf frei haben für das wichtige Spiel zum Rückrunden-Auftakt“, sagte Friedhelm Funkel, der ebenso wie Robert Schäfer einräumte, etwas zu dickköpfig gewesen zu sein.

Schäfer glaubt ebenfalls an einen Erfolg dieser Gespräche. „Wir haben bereits festgestellt, dass wir eine gemeinsame Basis haben“, sagte er. Während es beim Telekom-Cup gestern in Düsseldorf keine großen Missfallens-Kundgebungen gegenüber dem Vorstandsvorsitzenden gab, wurde er am Flughafen mit „Schäfer raus“-Rufen empfangen, auf der Karnevalssitzung des Vereins am Samstagabend gab es Pfiffe. Schäfers Ansehen hat schwer gelitten. Die Lage derart falsch einzuschätzen, war offenkundig ein Riesenfehler. Dass auch die Spieler nicht gefragt oder miteinbezogen wurden, kam in der Mannschaft zudem gar nicht gut an. Fortuna hat sich in diesen Tagen nicht als Einheit präsentiert – im Gegenteil.

Der Gegenwind bläst nun Schäfer und zum Teil auch dem neuen Sportvorstand Lutz Pfannenstiel heftig ins Gesicht. Beide haben gerade ihren (neuen) Vertrag unterschrieben. Ob sie haltbar sind, fragen sich viele Fans und Experten dennoch. Die Machtposition von Schäfer ist jedenfalls deutlich geschwächt. Er kann jetzt nur dafür sorgen, dass die Vertragsgespräche mit Funkel möglichst schnell im Sinne des Trainers abgeschlossen werden und dann der Sport wieder im Mittelpunkt steht. Doch das ist kaum zu erwarten, weil die Ereignisse die Fortuna-Welt kräftig durchgerüttelt haben.

Friedhelm Funkel geht es, wie er es explizit ausdrückte, nicht um Macht, sondern um den Erfolg mit der Mannschaft. „Ich bin auch nicht fehlerfrei, aber ich habe unglaublich viel Spaß, mit dieser Mannschaft zu arbeiten und weiß, dass ich mit ihr den Klassenerhalt schaffen kann“, sagte der Trainer. Natürlich wird er keinen Freifahrtschein erhalten und muss sich auch der Kritik stellen. Dass der 65-Jährige aber alles geben wird, um seine Mannschaft in der Bundesliga zu halten, daran zweifelt niemand. „Jetzt erst recht“, sagen auch die Spieler. „Wir werden für den Trainer durchs Feuer gehen“, kündigte Kapitän Oliver Fink an.

Die Lehren aus den vergangenen Tagen sind eindeutig: Bei der Fortuna müssen alle wieder an einem Strang ziehen. Ein Job-Ultimatum, wie es Funkel vor der so erfolgreichen englischen Woche im Dezember (2:0 gegen Freiburg, 2:1 gegen Dortmund, 1:0 in Hannover) vom Vorstand erhielt, darf es nicht mehr geben. Und Robert Schäfer muss erkennen, dass nicht nur professionelle Umbauten und eine strenge hierarchische Struktur einen Verein zu einem Bundesligisten machen.

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