Bundesliga-Analyse: Warum es bei Fortuna Düsseldorf nicht läuft

Analyse : Warum es bei der Fortuna nicht läuft

Nach sieben Bundesligaspielen hat die Fortuna vier Punkte auf dem Konto. Wir nennen sechs Gründe für die schwache Ausbeute.

Die Situation bei Fortuna Düsseldorf erinnert frappierend an den Beginn der vergangenen Saison in der Fußball-Bundesliga. Auch damals hatte die Mannschaft von Friedhelm Funkel Schwierigkeiten, in Fahrt und auf Augenhöhe mit der Konkurrenz zu kommen. Warum das zu Beginn der aktuellen Spielzeit nicht anders ist, versuchen wir zu analysieren.

Der Auftaktsieg

Besser hätte die Fortuna kaum starten können. Erstes Spiel, erster Sieg, dazu noch bei einem selbst ernannten Europapokal-Kandidaten. Doch das Spiel in Bremen und der überraschende 3:1-Sieg dort zu Saisonbeginn hat Mannschaft und Fans geblendet. Trotz einer durchschnittlichen Leistung wurde der Auftakt sehr erfolgreich gestaltet. Drei Punkte waren einkassiert, und viele dachten, es ginge nun einfach so weiter wie in der Rückrunde der Aufstiegssaison, als das Momentum fast durchgehend auf der Seite des Funkel-Teams war. Das nötige Selbstbewusstsein resultierte aus dem Sieg beim SV Werder allerdings nicht — und das Ausschöpfen des eigenen Potenzials gelang bisher nicht wieder so ideal wie in Bremen.

Die Abwehrschwäche

Friedhelm Funkel wusste genau, worauf er vor der Saison hinweisen musste: Nachdem offensive Qualität in Person von Dodi Lukebakio und Benito Raman den Verein verlassen hatte, musste die Defensive deutlich besser arbeiten als zuvor. Größere Kompaktheit, Zweikampfstärke, Laufbereitschaft und Leidenschaft hätten das ausgleichen müssen, was offensiv zunächst nur noch eingeschränkt möglich ist. Mit anderen Worten: In der Abwehr darf man als Mannschaft nur noch so viele Fehler machen, wie man sie vorne ausgleichen kann. Doch bisher sah es genau andersherum aus. In der Defensive unterliefen der Fortuna (zu) viele kapitale Fehler, dass dies die Offensive nicht mehr wettmachen konnte.

Der Fluch des 1:0

Mit Blick auf die vergangenen Wochen könnte man fast davon ausgehen, dass die Fortuna besser nicht mehr in Führung gehen sollte. Nein im Ernst: In den vergangenen fünf Spielen gelang dem Funkel-Team jeweils das Tor zum 1:0, doch keins davon konnte gewonnen werden. Es liegt nicht so sehr daran, dass die Spieler abergläubisch sind, sondern eher an der Tatsache, dass sie nicht in erster Linie daran interessiert waren, das 2:0 nachzulegen, sondern eher das 1:0 zu sichern. Und das ging jedes Mal schief.

Die schwache linke Abwehrseite

Inzwischen wissen die Gegner Bescheid, dass Fortuna besonders gegenüber Angriffen über ihre linke Abwehrseite anfällig ist. Rund 80 Prozent der Gegentore sind über die Achillesferse der Fortuna vorbereitet worden. Die Schuld dafür allein Außenverteidiger Niko Gießelmann in die Schuhe zu schieben, ist aber nicht nur unfair, sondern auch falsch. Denn nach der Vorarbeit über diese Seite müssen auch im Zentrum die Zuordnung oder das Zweikampfverhalten nicht passen, damit ein Tor fällt. Und das ist zu häufig passiert.

Verletzungsmisere

Selbst Friedhelm Funkel hat so etwas noch nicht erlebt. Es ist nicht so, dass das Lazarett überfüllt sei, aber in fast jeder Woche fällt ein neuer Spieler wegen leichter oder schwerer Muskelverletzungen oder einer Erkältung/Grippe aus. Das kommt so gehäuft vor, dass der Trainer nie längerfristig planen kann. Zudem sind einige Spieler länger verletzt (Kevin Stöger und Aymen Barkok) oder fallen immer wieder mal aus (Jean Zimmer, Marcel Sobottka oder der vorne so dringend in Bestform benötigte Dawid Kownacki).

Mangelnde Qualität

Wer sich darauf beruft, dass die Fortuna im Transfersommer viel an Qualität verloren hat, hat in Sachen Flügelstürmer und mit Hinweis auf die Glanzform der Rückrunde von Kevin Stöger sicherlich recht. Doch in der Abwehr hat es keine großen Veränderungen gegeben. Da müsste die Mannschaft eigentlich eingespielt sein. Doch gerade im defensiven Mittelfeld passt es noch nicht so wirklich. Lewis Baker kann deutlich mehr. Die Abstimmung mit Alfredo Morales und Adam Bodzek ist noch nicht perfekt, und von der Innenverteidigung ist kaum zu behaupten, dass alle dort beschäftigten Spieler in Bestform seien.

Fazit

Es muss bei Fortuna schon alles passen, damit die Mannschaft nicht nur auf Augenhöhe ist, sondern Spiele durch eine konzentrierte Abwehrarbeit und ein effizientes Zupacken in der Offensive gewinnen kann. Hilfreich wäre ein wenig mehr Spielglück und profihaftere Arbeit im Videokeller zu Köln.

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