Besondere Transfers bei Fortuna - Treue Seelen und echte „Schnäppchen“

Fortunas „Transfer-Geschichten“ : Besondere Transfers bei Fortuna - Treue Seelen und echte „Schnäppchen“

Fortunas lange Historie von fast 125 Jahren birgt viele Geschichten. Die WZ blickt in einer Serie auf einige besondere Transfers zurück. In Teil eins unter anderem dabei: Zewe, Köhnen, Ayhan und Ducksch.

Der treueste Begleiter von Lutz Pfannenstiel in diesen Tagen ist sein Smartphone. Nahezu im Minutentakt schreibt oder telefoniert Fortunas Sportvorstand mit Beratern, Vereinsmanagern oder Spielern, um den Kader des Fußball-Bundesligisten für die anstehende Spielzeit komplett zu bekommen.

Vielleicht wird dabei mit Dawid Kownacki ja ein neuer vereinsinterner Transferrekord ausgehandelt. In jedem Fall bietet die Sommerpause genug Gesprächsstoff und liefert die eine oder andere spannende Geschichte. Unsere Redaktion nimmt das zum Anlass und blickt in einer dreiteiligen Serie auf die Fortuna-Sommertransfers der vergangenen 124 Jahre zurück. Teil eins beschreibt, warum „Sepp“ Weikl die Witze seiner Teamkameraden nicht verstand, was Millioneneinkauf Peter Quallo heute macht und wieso Kaan Ayhan ein richtiges Schnäppchen war.

Die Treuesten

Heute ist es kaum vorstellbar, aber tatsächlich gab es mal eine Spielergeneration, für die Vereinstreue kein bloßes Lippenbekenntnis war. Auch bei der Fortuna, in Person von Gerd Zewe und Egon Köhnen. Satte 15 Jahre blieb das Duo den Rot-Weißen treu und avancierte damit zu wahren Klublegenden. Zewe kam 1972 als 22-Jähriger von Borussia Neunkirchen zur Fortuna und blieb bis 1987. Der gebürtige Stennweiler absolvierte 440 Bundesligaspiele für die Düsseldorfer und erzielte 42 Bundesligatreffer. Unter ihm erlebte der Verein seine bislang erfolgreichste Zeit mit zwei DFB-Pokalsiegen sowie dem Einzug ins Europapokalfinale gegen den FC Barcelona 1979.

So wie Zewe war auch sein Mitspieler Egon Köhnen ein Mann für die Defensive – und das Grobe, wie er anlässlich seines 70. Geburtstags 2017 auf der Fortuna-Homepage zugab: „Damals konnte man rustikaler zur Sache gehen. Wir hatten zwei bis drei Techniker in der Mannschaft und sieben bis acht hölzerne Spieler wie mich.“ Das hielt ihn allerdings nicht von einer erfolgreichen Laufbahn ab. Mit 459 Pflichtspielen (davon 272 Bundesligaeinsätze) kommt Köhnen, der 1966 von der SpVg Versmold zur Fortuna kam, auf die drittmeisten Einsätze nach Gerd Zewe und Matthes Mauritz.

Die goldenen 70er und 80er Jahre erlebte in Josef „Sepp“ Weikl auch ein waschechter Bayer mit, obwohl es im Rheinland nach seinem Wechsel 1976 vom SC Zwiesel mitunter zu Verständigungsproblemen kam, wie er auf f95.de verriet: „Wenn meine Mitspieler ihre Witze im Hochdeutschen gemacht haben, dann habe ich nur wenig bis gar nichts verstanden.“ Trotzdem hat es der Defensivspezialist immerhin 24 Jahre (davon zwölf im Verein) in der Landeshauptstadt ausgehalten. Anschließend ging es 1998 nach Lichtenstein, wo er bis 2010 Juniorentrainer und Co-Trainer der Nationalmannschaft war.

Die Teuersten

Noch hat Angreifer Marvin Ducksch in diesem Ranking die Nase vorn. Vor einem Jahr schienen die rund 2,5 Millionen Euro Ablöse an Holstein Kiel eine sinnvolle Investition zu sein, schließlich war Ducksch wenige Wochen zuvor Torschützenkönig der zweiten Liga geworden. Unter Friedhelm Funkel sollte der Blondschopf den nächsten Schritt in seiner Karriere vollziehen — es blieb ein frommer Wunsch. Denn Ducksch konnte, auch verletzungsbedingt, die Erwartungen nicht erfüllen. Seine Bilanz: 19 Pflichtspiele, vier Tore, eine Vorlage. 1040 Spielminuten. Kein Wunder, dass der 25-Jährige einen Wechsel anstrebt. Die Zweitligisten Nürnberg und Hannover sollen Interesse haben.

In 124 Jahren Vereinshistorie hat die Fortuna so manchen Glücksgriff getätigt — oder so manches Mal richtig daneben gegriffen. Foto: picture alliance/dpa/Uwe Anspach

Praktisch in letzter Minute kam Benito Raman 2017 per Leihe von Standard Lüttich zur Fortuna. In seiner Heimat hatte sich der Belgier wegen einiger kleiner Eskapaden den Ruf eines „Enfant terrible“ erworben. In Düsseldorf blieb es dagegen weitestgehend ruhig um ihn, dafür ließ er viel lieber auf dem Rasen Taten sprechen. Nach einer starken Zweitliga-Saison (28 Spiele, zehn Tore, drei Assists) verpflichtete ihn die Fortuna fest für 1,5 Millionen Euro. Und spätestens nach seiner Leistungsexplosion in der Rückrunde der ersten Liga mit elf Scorerpunkten hat der 24-Jährige seinen Marktwert deutlich gesteigert. So sehr, dass selbst ein kolportiertes Angebot von neun Millionen Euro von Fortunas Vorstandvorsitzenden Thomas Röttgermann jüngst als nicht „marktgerechte Ablösesumme“ bezeichnet wurde.

Noch lange vor der Währungsreform war Peter Quallo der erste Millionentransfer der Düsseldorfer. 1992 wurde der damals 20-Jährige für rund zwei Millionen Mark von Borussia Dortmund verpflichtet. Dort galt  der Defensivallrounder lange Zeit als großes Talent. Nicht umsonst stattete ihn der BVB drei Jahre zuvor mit einem Profivertrag mit einer Laufzeit von sieben Jahren aus. Doch bei der Fortuna kam er auf keinen grünen Zweig und absolvierte lediglich 16 Pflichtspiele, ehe er sich im Sommer 1993 zu Arminia Bielefeld verabschiedete. Immerhin: Mittlerweile ist Quallo zu seinem Heimatverein zurückgekehrt, spielt in der Traditionsmannschaft der Borussen und ist Filialleiter eines BVB-Fanshops.

Die Schnäppchen

Zugegeben, für einen Verein wie die Fortuna ist eine Ablösesumme von 500 000 Euro kein Pappenstiel. Dennoch darf man die Verpflichtung von Kaan Ayhan im August 2016 mit Fug und Recht als lohnenswerte Investition bezeichnen – sowohl sportlich als auch wirtschaftlich. Sportlich, weil der gebürtige Gelsenkirchener unter Trainer Friedhelm Funkel Jahr für Jahr Fortschritte gemacht hat und inzwischen zu einem gestandenen Bundesliga- und Führungsspieler geworden ist. Entsprechend wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis ein anderer Klub den 24-Jährigen verpflichten möchte — und zwar für ein Vielfaches mehr als den Betrag, den die Fortunen damals an Schalke 04 überwiesen. So gesehen doch ein richtiges Schnäppchen.

Noch günstiger als der türkische Nationalspieler war Robbie Kruse. In seiner australischen Heimat sorgte er im Trikot von Melbourne Vicotry für Furore und wurde schließlich im Sommer 2011 an den Rhein gelotst. Für den Angreifer überwieß die Fortuna einst nur rund 50 000 Euro. Der damalige Trainer Norbert Meier warb nach seiner Verpflichtung um Geduld. Tatsächlich benötigte Kruse eine Weile, bis er sein Potenzial abrufen konnte. Nach einem durchwachsenen Jahr in Liga zwei, gehörte er nach dem Bundesliga-Aufstieg 2012 mit 13 Scorerpunkten in 30 Einsätzen zu den Shootingstars. Dass er nach Saisonende zu Bayer Leverkusen weiterzog, war zwar schmerzhaft, allerdings versüßte die Ablösesumme von 1,5 Millionen Euro der Fortuna ein wenig den Abschied.

Mehr von Westdeutsche Zeitung