Manuel Neuer: „Ich brauche keinen Zettel“

Manuel Neuer: „Ich brauche keinen Zettel“

Nationaltorhüter Manuel Neuer über Elfmeterschießen, das Duell mit Griechenland und den Fußball bei der Europameisterschaft.

Danzig. Manuel Neuer gilt als einer der besten Torhüter der Welt. Bei der Euro bestreitet er sein zweites großes Turnier nach der Weltmeisterschaft in Südafrika. Vor dem Viertelfinale sprach der 26-Jährige über Elfmeterschießen, die Griechen, das Glück einer frühen Parade und den Frust nach Gegentoren.

Herr Neuer, bei der Euro beginnen die Entscheidungsspiele. Stehen Sie wieder als Schütze bereit wie im Champions-League-Finale gegen Chelsea?

Manuel Neuer: Ach, das war eine spontane Aktion. Im Nationalteam haben wir genügend Elfmeterschützen.

Wie gut sind Sie als Torhüter auf ein Elfmeterschießen vorbereitet. Gibt es einen Zettel, wie ihn 2006 Jens Lehmann zugesteckt bekam?

Neuer: Bei mir gab es noch nie einen Zettel. Ich versuche, mir alles zu merken.

Wie sind die entscheidenden Sekunden vor dem Schuss, psychologisch betrachtet?

Neuer: Ich mache mich groß, beobachte den Schützen ganz genau, und dann gilt es, die richtige Entscheidung zu treffen.

Sie hatten schon mehrere Phasen mit geringer Beschäftigung. Wie wichtig ist es für einen Torwart, aktiv am Spiel teilzunehmen?

Neuer: Es ist immer gut, wenn du früh einen Ball bekommst, der dich fordert. Dann bist du im Spiel, das gibt ein gutes Gefühl. Wenn es lange dauert bis zum ersten Ball, kann das ganz unangenehm sein.

Sie gelten als Perfektionist. Wie gehen Sie mit Gegentoren um?

Neuer: Ich schaue mir die Szenen auf Video an. Ob haltbar oder unhaltbar spielt keine besondere Rolle. Es ist immer ärgerlich, ein Tor zu bekommen.

Gegen Dänemark haben Sie einen Zweikampf weit außerhalb Ihres Strafraums geführt. War das nicht ein wenig tollkühn?

Neuer: Nein, das ist mein Spiel. Ich habe in dieser Szene gespürt, dass ich aushelfen musste. Und es war ja alles gut.

Wie hat der Bundestrainer Ihren Ausflug beurteilt?

Neuer: Er hat mich nicht darauf angesprochen, das ist ein gutes Zeichen.

Im Viertelfinale ist Griechenland der Gegner. Was zeichnet sie aus?

Neuer: Sie sind aggressiv, leidenschaftlich, stark im Zweikampfverhalten. Auffällig ist zudem ihre Stärke bei Standardsituationen.

Die EM geht in die entscheidende Phase. Haben Sie taktische Neuerungen gesehen?

Neuer: Nein, man kann den Fußball nicht neu erfinden. Was mir auffällt, ist, dass viele Spiele sehr eng sind.

Aber das Spiel der deutschen Mannschaft hat sich schon verändert. Die Null soll stehen.

Neuer: Das hat ja zweimal schon nicht geklappt. Es ist wichtig, defensiv gut zu stehen. Ich kann mich an kaum ein Spiel erinnern, dass bei der EM gedreht wurde.

Für den Bundestrainer ist Spanien nach wie vor der große Favorit. Wie sehen Sie das?

Neuer: Ja, sie sind schließlich amtierender Welt- und Europameister. Aber wir werden versuchen, das zu ändern.

Vor einem Jahr sind Sie zum FC Bayern gewechselt. Was hat sich für Sie verändert?

Neuer: Ich stehe jetzt noch mehr auf eigenen Beinen und muss mehr Verantwortung übenehmen, vielleicht bin ich auch reifer geworden.

Mehr von Westdeutsche Zeitung