Ex-Genussraucher Löw kontra Dauerqualmer Santos

Ex-Genussraucher Löw kontra Dauerqualmer Santos

Frankfurt/Main (dpa) - Joachim Löw hat endgültig aufgehört. Vor mehreren Monaten bereits, heißt es. Ihn in die gleiche Ecke zu stellen wie Kettenraucher Fernando Santos, wäre deshalb „högscht“ ungerecht.

Verwirrend nur, dass DFB-Koch und Gesundheitsapostel Holger Stromberg auf die Frage, ob er mit dem Bundestrainer schimpft, wenn der sich mal eine Zigarette anzündet, noch am Donnerstag in der „Frankfurter Rundschau“ sagte: „Nein, ich bin, ehrlich gesagt, auch ein Genussmensch und rauche das eine oder andere Mal. Es sollte nur nie zur Sucht werden.“

Früher gönnte sich Löw ab und zu ein paar Züge, die nichts mit dem Spiel zu tun haben: beim abendlichen Glas Rotwein zum Beispiel und am besten, wenn es keiner sieht und knipst - wie im EM-Viertelfinale 2008 gegen Portugal. Damals musste der gesperrte Löw die Partie in einer Loge hinter Glas verfolgen und wurde von einer TV-Kamera erwischt, wie er aufgeregt an einer Zigarette zog. Für ihn und Griechenlands Chefcoach Santos geht es bei der EM an diesem Freitag um die Frage: Bei welcher Mannschaft ist der Dampf raus?

Santos qualmt wie ein Schlot. „Natürlich rauche ich zuviel. Aber ich mag das einfach“, gestand der Portugiese. Sogar im Training, während sich seine Spieler warmlaufen. Das würde Löw nie tun, denn sein Image ist so blütenweiß wie seine taillierten Hemden und die Nivea-Creme, für die er wirbt. Vor der WM 2010 in Südafrika hatte Löw noch freimütig eingeräumt, mal eine Genusszigarette zu rauchen. Und die Spieler? „Da gibt es von mir keine Order. Das kann man ja als Trainer nicht permanent kontrollieren.“

Von Nationalspieler Mesut Özil tauchte kürzlich ein Foto auf, wie er sich mit Freunden auf einer Jacht vor Ibiza in der Sonne räkelt - mit Fluppe im Mund. Der Star von Real Madrid sah sich zu einer öffentlichen Erklärung genötigt: „Eine einmalige Sache. Ich rauche nicht.“ Schließlich ist der Anteil der Raucher vor allem bei den jungen Deutschen zurückgegangen, und bei den vielen Kampagnen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) war bestimmt auch eine gegen das Rauchen dabei.

Zu Zeiten von Ernst Happel oder Cesar Luis Menotti rannten die Profis noch nicht so viel, dass die Socken qualmten, dafür zündeten sich die Trainer auf der Bank eine Zigarette nach der anderen an. Und Spieler wie Mario Basler taten dies abseits des Platzes ungerührt. Heute, so der DFB-Regelexperte und frühere Bundesliga-Schiedsrichter Lutz Wagner, gebe es ein Gentlemen's Agreement: Auf der Bank lässt keiner Dampf ab, außer natürlich verbal. In den Fußballregeln ist ein Rauchverbot aber nicht festgeschrieben. Doch das mit der Vorbildfunktion funktioniert: Auch im Amateurlager sieht man kaum noch Trainer, die sich an der Seitenlinie eine Zigarette anstecken.

Die EM in der Ukraine und Polen ist - wie viele Bundesliga-Stadien - offiziell rauchfreie Zone. Nicht aber für Santos: Der Griechen-Coach sucht sich nach dem Abpfiff in den Katakomben eine Ecke, wo er meint, einigermaßen unbemerkt qualmen zu können, und tritt das Verbot mit Füßen. Auch sonst sieht er sein Laster relativ lax. „Wenn ich das Rauchen irgendwann nicht mehr mag, werde ich es aufgeben“, meinte Santos lapidar.

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