Halbfinale: DFB-Pokal: Leverkusen chancenlos gegen dominante Bayern

Halbfinale : DFB-Pokal: Leverkusen chancenlos gegen dominante Bayern

Leverkusen. Es war 1993, als Bayer 04 Leverkusen den DFB-Pokal das letzte Mal gewann. Seinerzeit durch einen 1:0-Endspielsieg gegen die Amateure von Hertha BSC. Und als der damalige Torschütze Ulf Kirsten, 52 Jahre alt und längst edler Kult unter dem Bayer-Kreuz, Dienstagabend zur Pause gefragt wurde, wie das DFB-Pokalhalbfinale denn nun ausgehe, sagte Kirsten, er habe 2:2 getippt.

Das konnte nicht gut gehen: Im Pokal wird ein Remis nie das Endresultat sein. Und so war es nach dem 2:1 für den FC Bayern zur Pause im DFB-Pokalhalbfinale bei Gastgeber Bayer 04 Leverkusen auch am Ende nicht: Der Rekordmeister strebt offenbar unaufhaltsam dem nächsten Titel-Triple entgegen, gewann mit 6:2 und blickt jetzt voll fokussiert auf das Champions League-Halbfinale gegen Real Madrid am kommenden Mittwoch in München. Das Meisterschaftsspiel in Hannover zwischendurch gilt als niedliche Trainingseinheit für die zweite Reihe des Titeljägers.

Leverkusen schöpfte Dienstagabend nur rund 20 Minuten einige Hoffnung, noch einmal zum goßen Finale in die Bundeshauptstadt zurückkehren zu dürfen. Und selbst das brauchte Anlauf. Die Gäste aus München hatten nämlich zermürbend dominant und präsent begonnen und waren durch Javi Martínez (3.) und Robert Lewandowski (9.) gegen eine viel zu träge Leverkusener Abwehr unter dem Münchener Anfangsdruck sehr schnell mit 2:0 in Führung gegangen.

Auf der Tribüne röteten sich die Wangen von Bayer-Sportdirektor Rudi Völler ansehnlich, Geschäftsführer Michael Schade atmetet tief durch. Das Ganze hätte die Einleitung eines ziemlich langweiligen Fußball-Abends sein können, wie es ihn inzwischen so oft in der deutschen Liga gibt, war es dann aber doch nicht, weil Bayer 04 immerhin couragiert antwortete: Lars Bender erzielte per Kopf den Anschluss (16.), und der engagierte Karim Bellarabi zwang den starken Bayern-Torwart Sven Ulreich per Flachschuss zu einer unfassbaren Parade.

Trainer Heiko Herrlich setzte nach der Pause auf eine Dreierkette und viel Risiko, brachte zur Pause auch den offensiveren Außenspieler Leon Bailey für den Griechen Panagiotis Retsos, stellte Julian Brandt auf die rechte Seite. Und Leverkusen hatte tatsächlich schnell die Chance zum Ausgleich, Volland und Bellarabi aber scheiterten - und leiteten so den aus Leverkusener Sicht elendigen Lauf der Dinge ein: Jonathan Tah lässt Thomas Müller zu viel Raum: 1:3 (52.). Thiago nutzt die Verwirrung, die ein Ausrutscher von Arjen Robben nach sich zieht: 1:4 (60.). Und Müller legt in der 64. Minute nach, als er einen Schuss von Robben über die Torlinie bugsiert - und dabei nicht im Abseits steht, weil Leverkusens Kai Havertz am Pfosten wartete: 1:5.

Jetzt war es ein hoffnungsloses Unterfangen für die Gastgeber und ein munteres Daherspielen für die Gäste, die mit ihrem Trainer Jupp Heynckes an dessen ehemaliger Wirkungsstätte alles anboten, was sie durchaus befähigen könnte, auch den Champions League-Titel zu erreichen. 30210 Zuschauer sahen auch noch das dritter Tor des omnipräsenten Thomas Müller (78.), zuvor noch einen sehenswerten zweiten Treffer für Leverkusen durch ein Traum-Freistoß von Bailey (72.).

Schon vor dem Spiel hatten die Bayern bekannt gegeben, dass Miroslav Klose aller Wahrscheinlichkeit nach als Jugendtainer zum FC Bayern zurückkehren wird. An der Effizienz der Bajuwaren wird er allein nicht viel ändern können, Dienstagabend war fast jeder Versuch ein Treffer. „Wir fahren nach Berlin“, sangen die Bayern-Fans in den Leverkusener Frühlingsabendhimmel hinein.

Wahrscheinlich holt der eine oder andere Anhänger sein Dauerticket für die Bahnfahrt nach Berlin aus der Hosentasche, so oft stehen die Bayern im Pokalendspiel. Es ist nunmehr das 22. Mal. Unklar ist nur noch der Finalgegner: Schalke oder Frankfurt. Eine echte Chance dürften gegen diese Bayern beide nicht haben.

Mehr von Westdeutsche Zeitung