Veh fordert mehr Kommunikation und sechs Punkte

Veh fordert mehr Kommunikation und sechs Punkte

Hamburg (dpa) - Bleibt der große Erfolg aus, bricht im Herbst die Zeit der Schuldzuweisungen beim ambitionierten Hamburger SV an.

In diesem Jahr lauten die Hauptvorwürfe: Die Mannschaft ist überaltert, Bundesliga-Stars wie Zé Roberto und Ruud van Nistelrooy haben ihr Leistungshoch längst hinter sich und außerdem stimmt der Charakter der meisten Fußball-Profis nicht. „Der Frust ist bei mir wie bei jedem, der den HSV mit einer Menge Herzblut verfolgt, natürlich sehr, sehr groß“, gibt der Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann zu.

War es ein Fehler, mit dem formschwachen, teuren und immer wieder sich daneben benehmenden Paolo Guerrero zu verlängern, wo Hoffmann doch eine Veränderung im Kader angekündigt hatte? Führungspersönlichkeiten sucht man mit Ausnahme von Torhüter Frank Rost derzeit vergebens beim Bundesliga-Neunten. Eigentlich wird nur einer an der Elbe nicht in Frage gestellt: Trainer Armin Veh.

Dem 49-Jährigen wird zugutegehalten, dass er schon einmal mit Stuttgart Meister geworden und die derzeitige Verletztensituation zu gravierend ist. Seit Saisonbeginn fällt mit Dennis Aogo, Marcell Jansen und Eljero Elia die komplette linke Seite aus, die in den Vorjahren so stark aufspielte. Die Abwehr muss Veh wegen Ausfällen jede Woche ändern - gegen Bayer Leverkusen soll nun der genesene Collin Benjamin sein Glück als rechter Verteidiger versuchen.

Nach bisher erst sechs Bundesliga-Siegen fordert Veh aus den letzten zwei Partien gegen Bayer und dann in Mönchengladbach sechs Punkte. Und er nimmt die Topstars in die Pflicht: „Die Älteren müssen führen. Vor allem Ruud und Zé Roberto müssen mehr zeigen, mehr kommunizieren.“ Auch von Elia und Guerrero will er mehr sehen - vor allem auf gegnerischen Plätzen, wo der HSV regelmäßig versagt. Um sich auf die letzten beiden Partien der Hinrunde einzuschwören, setzte sich der Coach am Mittwoch mit dem Mannschaftsrat zusammen.

Einer, der seit Wochen gut drauf ist, ist Piotr Trochowski. Nach der harschen Schelte im Anschluss an die Bremen-Niederlage hat sich der Nationalspieler reingehängt und wird seitdem gelobt. In Freiburg zog Veh ihn sogar Ex-Kapitän David Jarolim auf der Sechser-Position vor der Abwehr vor. Nur eines wird Trochowski nie werden: ein Leitwolf. Und daran krankt es grundsätzlich beim HSV - einen Leader haben sie nicht. Kapitän Heiko Westermann ist auch eher ein Mann der leisen Töne, auch wenn er sich bemüht. „Die heutige Generation ist anders“, hat Veh festgestellt. Sie gehe Konflikten eher aus dem Weg und sei zu brav.

Während die Älteren im Kader (Rost, Zé Roberto, van Nistelrooy) in der Rückrunde um neue Verträge spielen, könnte der Coach schon im Winter verlängern. Denn ohne eine gewisse Konstanz auf der Trainerbank käme Hoffmann, der selbst um eine Verlängerung beim HSV kämpft, in arge Erklärungsnot.