Stark wie ein Bulle - Franz Roth wird 65

Stark wie ein Bulle - Franz Roth wird 65

München (dpa) - Franz „Bulle“ Roth war beim FC Bayern mehr als der Adjutant des Kaisers. Er hielt Franz Beckenbauer im defensiven Mittelfeld den Rücken frei - und war auch der Mann für wichtige Tore, traf in drei von vier Europacup-Finalspielen.

Am Mittwoch wird er 65 Jahre alt.

Im defensiven Mittelfeld stand er meist im Schatten von Franz Beckenbauer, auf der Bühne der europäischen Fußball-Finalspiele lenkte Franz „Bulle“ Roth das Scheinwerferlicht jedoch gerne auf sich. Er schoss den FC Bayern zum ersten großen internationalen Triumph. Im Europapokal der Pokalsieger 1967 erzielte der Mann mit dem furchterregenden Schuss, der an diesem Mittwoch (27. April) seinen 65. Geburtstag feiert, im Finale gegen die Glasgow Rangers den einzigen Treffer. Auch bei zwei der drei europäischen Landesmeister-Titeln 1974 bis 1976 traf er entscheidend. „Es war eine wunderbare Zeit mit einer tollen Mannschaft“, sagt Roth. „Diese wichtigen Tore zu erzielen, war natürlich wunderschön.“

Roth ist den Bayern noch heute eng verbunden. Spricht er über den Verein, sagt er „wir“ und „uns“. Er leidet mit, wenn die Ziele in Gefahr raten. Mit dieser Saison könnten sie alle nicht zufrieden sein, sagt er: „Wir müssen das Beste daraus machen und versuchen, dass wir irgendwie die Champions League erreichen.“ Den jüngsten Trainerwechsel will er nicht bewerten, aber so viel hat er festgestellt: „Die Spieler scheinen wieder Spaß und Freude zu haben.“

Der bodenständige Allgäuer, der in seiner Heimat zwei Sportgeschäfte betreibt, ist ein freundlicher Mensch. Fast jeder seine Sätze wird von einem Lachen begleitet. Auf dem Platz hingegen war „Bulle“ Roth eisenhart. Schnell, zweikampf- und schussstark. In Wien schoss er einst mit einem Fernschuss ein Loch ins Tornetz, im Grünwalder Stadion in München holte er sogar die Stadionuhr herunter.

Roth schonte weder sich noch die Gegner. Auch Freunde wie sein ehemaliger Mitspieler, der heutige Bayern-Präsident Uli Hoeneß, mussten sich dann und wann in Acht nehmen. „Ich habe mir früher im Training Schienbeinschützer angezogen, weil ich wusste: Wenn der Franz „Bulle“ Roth sauer auf mich ist, dann fegt der mich auf die Aschenbahn. Das Training war für mich Überlebenskampf - und ich habe mich dabei wunderbar entwickelt“, verriet Hoeneß.

Schon in seiner ersten Vorbereitung bei den Bayern machte der Sohn eines Landwirts bei Trainer Tschik Cajkovski mächtig Eindruck. „Da ist einer, der hat Kraft wie Muh“, erklärte der legendäre jugoslawische Bayern-Trainer 1966 den von der Weltmeisterschaft in England heimkehrenden Nationalspielern. „Bei uns heißt das Tier Bulle und nicht Muh“, korrigierte Nationaltorwart Sepp Maier. Der Spitzname, der Roth bis heute begleitet, war geboren.

In 322 Bundesligaspielen hielt Roth seine Knochen für die Bayern in der Bundesliga hin. Und auch in der Liga stellte er seine Torgefährlichkeit unter Beweis, obwohl seine primäre Aufgabe darin bestand, den gegnerischen Spielmacher zu bewachen. 72 Tore erzielte der viermalige Nationalspieler. In der ewigen Bestenliste des FC Bayern liegt er noch immer auf dem elften Rang. „Tore zählen halt nur, wenn sie wichtig sind“, sagt Roth. „Die gehen natürlich in die Geschichte ein.“

Zwölf Jahre war er den Münchnern treu. Dabei gab es gute Angebote vom AC Mailand oder den Grashoppers Zürich. Im Herbst seiner Karriere spielte er in Österreich eine Saison für Casino Salzburg, bevor er mit acht Spielen in der Amateur-Oberliga Baden-Württemberg für den SV Sandhausen seine aktive Zeit beendete und ins Allgäu zurückkehrte.

Seinen Ehrentag will Roth „ganz normal wie immer mit der Familie“ feiern. Er braucht das Rampenlicht nicht mehr. Einen Anruf von Franz Beckenbauer wird er wohl trotzdem erwarten können.

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