Sportschau: Eine Kultsendung wird 50

Sportschau: Eine Kultsendung wird 50

Die „Sportschau“ der ARD ist ein Pflichttermin. Nicht nur für Sportfans.

Düsseldorf. Zwei Bundesliga-Spiele durften sie übertragen. Nicht, weil sie kein Geld für Übertragungsrechte ausgeben konnten oder wollten, sondern weil der Deutsche Fußball-Bund (DFB) nicht mehr erlaubte.

„Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen“, sagt Ernst Huberty, Mann der ersten Stunde bei der Sportschau der ARD, im Gespräch mit unserer Zeitung. Am Samstag wird die Kultsendung 50 Jahre alt und feiert sich mit einer sehenswerten Revue aus den letzten fünf Jahrzehnten (ARD/18 Uhr).

„Die Sportschau gehört zu meinem Leben“, erzählt Uli Hoeneß, Präsident des Fußball-Rekordmeisters Bayern München. „Ernst Huberty war großartig“, sagt Günter Netzer. „Sport ohne Sportschau konnte sich von uns keiner vorstellen.“ Und Heiner Brand, Handball-Bundestrainer aus Gummersbach, erzählt: „Ich weiß noch, wie nach den Spielen des VfL Gummersbach immer einer mit dem Motorrad kam und die Filmspulen nach Köln transportierte.“ Für Heribert Faßbender („Guten Abend allerseits“) waren die Kuriere die „wichtigsten Leute der ganzen Sendung“. Ohne Kurier kein Film.

„Wer in der Sportschau auftreten durfte, der war an der Sonne“, sagte Addi Furler in einem der letzten Gespräche vor seinem Tod. Ohne Addi hätte der Galopprennsport einen schweren Stand gehabt, mit Addi war der Turf ein wichtiger Programmbestandteil. Der von Furler aus der Taufe gehobene „Galopper des Jahres“ wurde Kult. „Ohne Addi Furler hätte ich doch nie gewusst, wer Kondor oder Acatenango ist“, erzählt Heiner Brand.

Wissen Sie noch, wer Gerhard Faltermeier war? Der Stürmer des SSV Jahn Regensburg war 1971 der erste „Torschütze des Monats“. ZDF-Mann Dieter Kürten nennt diese Erfindung der ARD genial. Dabei war sie in erster Linie eine Reaktion auf die „Torwand“ im Aktuellen Sportstudio des ZDF, das 1969 auf Sendung ging. „Und die war unterhaltsamer als unsere eher betuliche Sportschau“, sagt Dieter Adler, auch einer von der ersten Stunde. Neben Günter Siefarth, Huberty und Furler. Heribert Faßbender: „Die Moderatoren der Sportschau waren den Leuten eher im Weg, die Leute wollten um 18 Uhr Fußball sehen. Im ZDF konnten die Kollegen plaudern, unterhalten, das wollte von uns keiner.“

Dass die Sportschau früher große Strecken mit Rudern, Querfeldeinrennen, Motorsport, Leichtathletik, Feldhandball und Schwimmen füllte, weiß heute kaum noch einer. „Aber Kult wurde die Sportschau erst mit der Einführung der Fußball-Bundesliga 1963“, sagt Huberty.

Und ein schlimmer Einschnitt war deshalb auch, als Sat 1 im Kampf um die Übertragungsrechte 1992 das Rennen machte. „Das war, als wenn dir einer das Herz herausreißt“, sagt Huberty. Erst 2003 kam die Bundesliga in die ARD zurück. Günter Netzer: „Die ARD konnte sich damals doch überhaupt nicht vorstellen, dass sie den Fußball einmal verlieren würde.“

“ Sportschau, Samstag 18 Uhr/ARD

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