„Ein Sieg des Willens“: Mönchengladbach bejubelt ersten Heimsieg seit Januar

„Ein Sieg des Willens“ : Mönchengladbach bejubelt ersten Heimsieg seit Januar

Der Jubel im Borussia-Park glich einem Urschrei aus rund 45.000 Kehlen. Den ersten Heimsieg seit acht Monaten feierte Borussia Mönchengladbach fast wie einen Titel.

Sichtlich erleichtert fielen sich Spieler, Verantwortliche und Fans um den Hals. „Man hat es, glaube ich, an der Reaktion aller gesehen, dass das ein sehr wichtiger Sieg war“, bestätigte Trainer Marco Rose nach dem hart erkämpften 2:1 (0:1) am Sonntag im kleinen rheinischen Derby gegen Fortuna Düsseldorf. Gefeierter Mann bei der Borussia war der eingewechselte Doppel-Torschütze Marcus Thuram, der mit seinen beiden Toren (74. Minute/88.) das S-Bahn-Duell nach der Führung der starken Düsseldorfer durch Kasim Adams (6.) noch drehte.

„Er ist noch ein junger Spieler - weiter arbeiten“, befand Rose trocken zum 22 Jahre alten Matchwinner. Der Sohn des französischen Weltmeisters Lilian Thuram hatte nach dem 1:0 im einzig im Gladbacher Umfeld akzeptierten Rhein-Derby beim 1. FC Köln vor acht Tagen und der Europa-League-Schmach zunächst eine Pause erhalten. Mit seinen beiden ersten Saisontoren betrieb der Neuzugang nun fast im Alleingang Wiedergutmachung für das Debakel vom Donnerstag: Das 0:4 gegen den österreichischen Provinzclub Wolfsberg war die höchste Heimpleite in Borussias ruhmreicher Europacup-Historie und der erste Rückschlag in der Ära des neuen Trainers Rose.

Dem folgte nun der erste Heimsieg seit dem 2:0 gegen Augsburg seit Ende Januar. „Das war ein Sieg des Willens“, urteilte Torhüter Yann Sommer, und Sportdirektor Max Eberl befand: „Das war erzwungen und verdient. In der zweiten Halbzeit hat die Mannschaft alles rausgehauen: viel Wille, viel Moral, viel Einsatz.“

Dadurch gelang die von Rose geforderte Wiedergutmachung für die Pleite am Donnerstag - wenn auch etwas glücklich und schwer erarbeitet. „Das ist für uns eine sehr ärgerliche und vermeidbare Niederlage“, schimpfte Fortuna-Coach Friedhelm Funkel, der mit einem Taktik-Kniff beinahe Erfolg gehabt hätte. Die rund 7000 Düsseldorfer Fans unter den 52.413 Zuschauern trauten ihren Augen kaum, dass das Spiel zunächst nur in einer Richtung ging - in die des Borussen-Tores.

„Wir hatten die Düsseldorfer natürlich schon etwas anders erwartet“, gab Rose zu. Funkel nutzte die Unsicherheit der Borussen nach dem bitteren Europa-League-Abend aus, indem der 65-Jährige sein Team taktisch völlig verändert aufs Feld schickte. Mit einer Dreier-Abwehrkette bei einer 3-4-1-2-Formation und dem eigentlichen Rechtsverteidiger Matthias Zimmermann hinter den Spitzen verblüfften die Düsseldorfer und gingen verdient in Führung. Anders als Wolfsberg am Donnerstag waren die Fortunen bis zur Pause aber zu ineffektiv.

„In der zweiten Halbzeit waren wir dann zu passiv. Das war eine schöne Watsch'n“, befand Fortunas niederbayerischer Sportchef Lutz Pfannenstiel. „Wir waren vor dem Spiel im Soll. Nun sind wir meiner Meinung nach nicht mehr im Soll.“ Mit vier Punkten aus fünf Spielen müssen sich die Düsseldorfer nun früh nach unten orientieren.

Für die Borussen ist die Welt hingegen wieder halbwegs in Ordnung. „Zehn Punkte nach fünf Spielen, das ist eine sehr gute Ausbeute“, urteilte Eberl. Den Anschluss an die Spitzengruppe wahrte sein Team dadurch. „Das waren ganz wichtige drei Punkte, die uns wieder viel Vertrauen geben sollen“, sagte Rose, befand aber auch zurecht: „Aber wir haben noch viel Arbeit vor uns.“

Sachlich, aber laut Keeper Sommer auch mit einer deutlichen Ansprache reagierte der nach dem Europa-Debakel gefragte Coach vor dem kleinen Rhein-Derby und zur Pause am Sonntag. „Natürlich darf es da dann auch mal laut werden. Wir alle müssen schauen, dass sich so ein Spiel wie am Donnerstag nicht noch einmal wiederholt“, meinte der Schweizer.

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