Positive Zahlen von Fortuna Düsseldorf - Applaus für Röttgermann

Jahreshauptversammlung : Positive Zahlen von Fortuna Düsseldorf - Applaus für Vorstandschef Röttgermann

Trotz der Kritik der vergangenen Wochen an Clubchef Röttgermann verlief die Mitgliederversammlung des Fußball-Bundesligisten ruhig und weitgehend harmonisch. Röttgermann erhielt Applaus für eine Entschuldigung. Trainer Funkel soll bald verlängern.

Fortuna Düsseldorfs Vorstandschef Thomas Röttgermann hat sich nach der Unterstützung des Aufsichtsrates auch die Rückendeckung der Club-Mitglieder abgeholt. Bei der Jahreshauptversammlung des Fußball-Bundesligisten punktete der zuvor kritisierte Röttgermann mit Demut, positiven Zahlen und der Ankündigung, schnell und unkompliziert mit Trainer Friedhelm Funkel verlängern zu wollen. Seine Rede auf der überraschend harmonischen Mitgliederversammlung begann der 59-Jährige mit einer Entschuldigung.

„Ich bin mit dafür verantwortlich, dass seit Wochen die falschen Themen diskutiert werden. Ich habe es nicht geschafft, Ruhe und Klarheit in diesen wunderbaren Verein zu bringen. Das tut mir leid, es tut mir wirklich leid“, sagte Röttgermann unter dem Applaus der knapp 700 anwesenden stimmberechtigten Mitglieder.

Erst dann stellte der Münsterländer die Zahlen des abgelaufenen Geschäftsjahres vor, die er weitestgehend nicht zu verantworten hat - Röttgermann hatte erst im April diesen Jahres seinen Vorgänger Robert Schäfer abgelöst. In der Saison 2018/2019 stieg der Gewinn nach dem Aufstieg von 1,6 auf 2,1 Millionen Euro. Der Umsatz verdoppelte sich gar fast: Von 39,8 auf 71,5 Millionen Euro. Dennoch bleibt die Planung des Tabellen-Zehnten des Vorjahres defensiv. „Wir werden das Augenmaß nicht verlieren. Eine sportliche Entwicklung auf Pump wird es nicht geben“, sagte Röttgermann - auch das kam positiv an. Das Eigenkapital steigerte der Club dadurch auf sieben Millionen Euro.

Zum Wohlwollen der Mitglieder kündigte Röttgermann an, den Vertrag mit dem beliebten Chefcoach Funkel schon bald verlängern zu wollen. „Wir haben vereinbart, nicht erst im Trainingslager über eine Verlängerung zu verhandeln“, sagte Röttgermann in Anspielung auf die Probleme im vergangenen Jahr. „Bereits in den letzten Tagen haben die Gespräche begonnen und ich habe ein gutes Gefühl.“

Im Januar 2019 waren die Verhandlungen zwischen Röttgermanns Vorgänger Schäfer und Funkel im Winter-Trainingslager in Marbella zunächst für gescheitert erklärt worden. Nach öffentlichem Druck hatte der Verein die Gespräche später wieder aufgenommen und letztlich mit Funkel um ein weiteres Jahr verlängert. Der 65 Jahre alte Funkel führte die Fortuna anschließend souverän zum Klassenverbleib in der ersten Liga. Aktuell stehen die Rheinländer, die erneut als großer Außenseiter gelten, mit elf Punkten aus elf Spielen auf Rang 13.

Neben Funkel soll auch Röttgermann bleiben. Aufsichtsratschef Ernst legte noch einmal dar, warum das Kontrollgremium mit einer Ausnahme Röttgermann zuletzt das Vertrauen ausgesprochen hatte. Widerspruch von den Mitgliedern gab es dafür nicht. „Jeder macht Fehler, die Welt ist nicht perfekt“, sagte ein Mitglied während der Generaldebatte.

Röttgermann hatte in den vergangenen Monaten mit Indiskretionen aus dem Verein zu tun. Das „Handelsblatt“ und der „Spiegel“ hatten berichtet, Röttgermann habe nach seinem Amtsantritt im April noch an einem Fußball-App-Projekt gearbeitet und sich dabei auf clubinterne Belege berufen. „Meine Mails wurden abfotografiert und weitergeleitet“, sagte Röttgermann dazu am Sonntag, wies die Vorwürfe aber erneut zurück: „Es gab keine operative Tätigkeit mehr für dieses App-Projekt seit meinem Amtsantritt.“

Die Kritik, nicht offen und transparent frühzeitig für Aufklärung gesorgt zu haben, nahm Röttgermann aber an. „Ich habe viel gelernt und verstanden. Meine Handhabung dieses Themas war Käse. Das wird mir nicht noch einmal passieren“, befand der Fortuna-Boss, der quasi als Beweis dafür darauf verzichtet, seinen Freund und früheren Geschäftspartner Felix Welling vom VfL Wolfsburg zur Fortuna zu holen. Der „Spiegel“ hatte Röttgermann daher „Vetternwirtschaft“ vorgeworfen. Welling arbeitete ebenfalls an dem App-Projekt mit.

(dpa)
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