Liga-Check 16/17: Der Hamburger SV schielt nach Europa

Liga-Check 16/17 : Der Hamburger SV schielt nach Europa

Hamburg. Platz zehn in der vergangenen Saison, eine gute Vorbereitung und vor allem neues Personal haben rund um den Hamburger Volkspark eine Erwartungshaltung geschaffen, in der schon wieder nach Europa geblickt wird.

„Berauschenden Fußball“ will Bruno Labbadia spielen lassen — das wäre so etwas wie eine Schubumkehr in Hamburg.

Eigentlich ja, denn der HSV scheint gut eingekauft zu haben, jedenfalls um den zuletzt so lauen Sturm wieder gefährlicher zu machen. Pierre-Michel Lasogga hat mit Bobby Wood einen ernsthaften Konkurrenten im Sturmzentrum bekommen und mit Filip Kostic wurde ein Flügelflitzer für die linke Außenbahn geholt, der mit Nicolai Müller über rechts eine ordentliche Flügelzange bilden kann. Dazu kommen mit Alen Halilovic und Luca Waldschmidt zwei Top-Talente in den Volkspark.

Weil den abgegebenen Spielern niemand eine Träne nachweinen muss, scheint der HSV tatsächlich besser besetzt zu sein. Aber Vorsicht, die Unwägbarkeiten beim HSV sind immer groß, weil zwischen Anspruch und Wirklichkeit eine große Lücke klafft, was übrigens auch von den Hamburger Boulevard-Medien zu verantworten ist, die den HSV sehr schnell sehr hoch jubeln. Bis die Spieler es selber glauben.

Natürlich redet Klaus-Michael Kühne mit dem Vorstand über den Einsatz seiner Millionen mit, das würde jeder Gönner auch machen. Mit Volker Struth hat Kühne einen Berater an Bord, dessen Mitwirken bei der HSV-Kaderplanung kein Schaden ist und war. Der HSV hat vor allem junge Spieler geholt und das als Konzept verkauft. Das ist zumindest besser, als auf alternde und teure Stars zu setzen, die zuletzt nie die Erwartungen erfüllt hatten.

Ganz klar: Alen Halilovic. Der Kroate soll ein Spaßfußballer sein, der gerne in Dribblings geht und diese auch gewinnt. Der 20-jährige Mittelfeldspieler gilt als Mega-Talent und ist der jüngste Nationalspieler Kroatiens mit jetzt neun Länderspielen. Allerdings sagt er selbst, dass er noch viel lernen muss. Und: Dass Bruno Labbadia ihm von Anfang an einen Stammplatz geben wird, ist eher nicht zu erwarten. Der Trainer gilt nicht gerade als Förderer von Neuankömmlingen und jungen Talenten.

Während in der Offensive alle Positionen doppelt besetzt sind, gibt es in der Defensive noch Defizite: Mit Johan Djourou, Emir Spahic und Cléber stehen nur drei gelernte Innenverteidiger im Kader und auch für die Doppelsechs gibt es mit Albin Ekdal, Lewis Holtby und Gideon Jung nur drei Kandidaten. Dass auf der linken Abwehrseite Matthias Ostrzolek nach wie vor ohne Alternative ist, muss auch nicht als Prunkstück in der Kaderplanung gewertet werden. Deshalb ist zu erwarten, dass der HSV noch in einen neuen Defensivmann investieren wird.

Das wäre ein absolutes Novum, denn in den vergangenen sechs Jahren hat nie ein HSV-Trainer zweimal hintereinander an der Weihnachtsfeier teilnehmen können. Für Bruno Labbadias Karriere ist diese Saison ganz wichtig, denn seit seiner Zeit bei Leverkusen konnte der Trainer nie (weder im ersten Jahr beim HSV, noch in Stuttgart) bei der Personalplanung entscheidend mitreden. Diesmal war der Coach frühzeitig in die Planung eingebunden. Er hat die Spieler bekommen, die er sich auch gewünscht hat. Jetzt muss Bruno Labbadia liefern.