Kölns Furcht vor Debakel in München

Kölns Furcht vor Debakel in München

Köln (dpa) - Vor der Reise nach München graut es dem 1. FC Köln schon. „Es gibt liebere Orte, wo man hinfährt“, bekannte Trainer Peter Stöger nach dem 1:1 gegen Hannover 96 und vor dem Gastspiel am Freitag beim FC Bayern.

Nach dem 8:0 des Rekordmeisters gegen den HSV und dem 6:0 in Paderborn geht es dem immerhin zweitstärksten Auswärtsclub der Bundesliga nur darum, ein ähnliches Tore-Debakel zu verhindern. „Man kann davon ausgehen, dass alle spekulieren, wie viele werden es denn. Wir schauen, dass es so wenige wie möglich werden“, sagte der Österreicher. „Es ist großes Kino, was die Bayern leisten.“

Nicht mehr als solide Fußballarbeit ist das, was die Kölner und Hannoveraner seit Wochen bieten, so auch im direkten Duell am Samstagabend. Wunder Punkt der Rheinländer ist ihr Heimkomplex mit nun sieben Spielen ohne Sieg. Hannover 96 steht mit nur einem Erfolg aus den vergangenen elf Partien und ohne Sieg 2015 nicht besser da - und beide sind nur wenige Punkte von einem Relegationsplatz entfernt.

„Wir wiegen uns nicht in Sicherheit, sind normal auf Kurs, normal in der Spur“, meinte Stöger zum Kampf um den Klassenverbleib. „Wenn wir heute gewonnen hätten, hätten wir 27 Punkte gehabt. So wahnsinnig anders wäre die Ausgangssituation für die nächsten Wochen auch nicht.“ Die Stimmungslage in der Domstadt beschrieb er als nicht „wahnsinnig euphorisch und nicht wahnsinnig deprimiert“.

Die Kölner konnten zwar den Heimfluch nicht beenden, dafür die Zeit der Torlosigkeit nach zuvor drei Nullnummern. „Es war gut für mich und mein Selbstvertrauen, das Tor zu schießen, aber der Erfolg für die Mannschaft ist das Wichtigste“, meinte FC-Stürmer Anthony Ujah, dem der Ausgleich (17. Minute) gelungen war. Das 1:0 für die Gäste hatte Joselu (5.) erzielt. Der Nigerianer selbst hatte 364 Minuten zuvor als letzter Kölner in der eigenen Arena getroffen.

Vorsichtig optimistisch ist FC-Kapitän Matthias Lehmann, in München nicht böse unter die Räder zu kommen: „Wir werden keine große Klappe haben und sagen, wir spielen fröhlich mit.“ Immerhin habe man es im Hinspiel (0:2) gut gemacht. „Im Rückspiel wird es doppelt schwer.“

Nicht einfach war es für Lehmann und seine Kollegen, nach der Randale der Köln-Fans beim Derby in Mönchengladbach im RheinEnergieStadion aufzutreten. Befürchtungen, dass es zu Solidaritätsbekundungen mit der vom Club mit Stadionverbot belegten Ultragruppe „Boyz“ kommen könnte, bewahrheiteten sich nicht. „Ich bin glücklich darüber, dass wir eine wirklich gute Stimmung hatten hier im Stadion“, sagte Kölns Manager Jörg Schmadtke. „Es war angenehm“, befand auch Coach Stöger.

Unangenehm kann es für die mit Europacup-Ambitionen in die Saison gestarteten Hannoveraner werden, wenn sie ihren Negativtrend nicht stoppen. Von Abstiegskampf oder Krise will man bei den 96ern, die nun den Tabellenletzten VfB Stuttgart im Duell der Sieglos-Mannschaften des Jahres 2015 empfangen, nichts hören.

„Der Druck gegen den VfB ist deutlich“, sagte Vereinschef Martin Kind. „Abstiegskampf ist das noch nicht. Rechnerisch ist es einer, wenn man auf einem Abstiegsplatz steht.“ Auf die Frage, wie sein Verhältnis zu Trainer Tayfun Korkut sei, antwortete er: „Persönlich und zu ihm als Trainer ist es sehr gut. Nach wie vor.“

96-Manager Dirk Dufner empfindet die Lage nicht ganz so entspannt wie der Präsident. „Wir brauchen den Druck nicht kleinreden. Wir spielen gegen einen Gegner, der mit dem Rücken zur Wand steht“, sagte er vor der Partie gegen Stuttgart. „Dass das kein Spiel mit allen Facetten des gepflegten brasilianischen Fußballs wird, ist klar.“