FC Bayern: so reich, so gut, so fern

FC Bayern: so reich, so gut, so fern

Der Rekordmeister bricht Bestmarke um Bestmarke. Die Liga gibt auf — und fürchtet um ihre Attraktivität.

Düsseldorf. Der FC Bayern München hat sich am Montag aus der Bundesliga zurückgezogen. Abgemeldet. Ja, da würde die geplagte Konkurrenz aufatmen — wenn, ja wenn es sich nicht um die Turnabteilung des Münchner Traditionsvereins handelte. Die sind zwar auch schon zwei Mal deutscher Meister geworden, schwächeln aber „finanziell und organisatorisch“. Schwupps, schon sind sie weg, der Siegerländer KV übernimmt.

Ja, wenn es so einfach auch im Fußball ginge. Geht es aber nicht, Organisation und Finanzen stimmen. Und doch: Die Überlegenheit des deutschen Rekordmeisters in der hiesigen Fußball-Liga ist luftraubend wie nie. Über viel wurde gesprochen in der Winterpause: WM-Planung, Torlinientechnik, Sicherheit. Aber über den Ausgang der Meisterschaft? Kaum ein Wort. „Es geht wohl nur darum, wer den FCB in die Champions League begleitet“, sagte Liga-Präsident Reinhard Rauball.

Es war der 28. Oktober 2012, als die Bayern den Schmerz der Liga-Niederlage zum letzten Mal erfuhren. Es ist ein Treppenwitz der Geschichte, dass seinerzeit ein Eigentor von Jerome Boateng gegen Bayer Leverkusen zum 1:2 führte. 457 Tage ist das her. Seit jenem Herbsttag ist ligaweit das Gefühl verloren gegangen, wie denn den Bayern beizukommen ist. Die Bestmarken: Unbesiegt seit 42 Liga-Spielen, seit 27 Spielen auswärts nicht verloren. 15 Siege nach 17 Saisonspielen in dieser Saison sind Rekord, 47 Punkte nach 17 Spielen auch. Den Bestwert von Bayer Leverkusen aus 2010, 24 Saisonspiele ungeschlagen zu sein, wird das nächste Ziel sein. Und: Die Bayern können das erste Team werden, das eine Saison ungeschlagen beendet.

Damit nicht genug: Der FC Bayern hat die letzten neun DFB-Pokalspiele gewonnen — den Rekord hält Düsseldorf mit 18 Siegen in Folge (1978-1981) — und ist auch in der Champions League in den letzten acht Auswärtsspielen unbesiegt. So lässt sich das fortsetzen, und am Ende wird man sich fragen müssen, ob das eindrucksvoll oder wenig hilfreich für den Gesamtbetrieb ist. Heute vermeldet die DFL zum neunten Mal in Folge einen Umsatzrekord, der viel mit der Spannung in der Liga zu tun hat. Und mit ihrer Unberechenbarkeit. Geschichte? „Die Bayern sind einfach zu gut. Du bist froh, wenn du gegen diese perfekt funktionierende Mannschaft überhaupt noch an den Ball kommst“, sagte Christoph Kramer. Der Mann spielt in Mönchengladbach. Und ist vielleicht bald Champions-League-Teilnehmer.

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