Bundesliga: Ex-Gladbacher Polanski steht bei Hoffenheim vor dem Abschied - Ziel offen

Bundesliga : Ex-Gladbacher Polanski steht bei Hoffenheim vor dem Abschied - Ziel offen

Der Ex-Gladbacher Eugen Polanski ist zu Saisonbeginn bei Hoffenheim zum Kapitän gewählt worden. Auf dem Platz steht er jedoch nur wenig. Im Interview spricht er über sein Reservistendasein, seinen baldigen Abschied und die Defizite junger Spieler.

Sinsheim. Zu Saisonbeginn wählten die Spieler der TSG Hoffenheim Eugen Polanski zu ihrem Kapitän. Getragen hat der 31-Jährige die Kapitänsbinde allerdings kaum. Auf dem Feld füllt meist Kevin Vogt die Rolle aus. Im Interview spricht Eugen Polanski über den Umgang mit seiner Situation. In drei Monaten läuft sein Vertrag nach fünfeinhalb Jahren aus. Polanski wird die TSG 1899 nach Saisonende ablösefrei verlassen.

Herr Polanski, wie sehr haben die Zuschauer-Pfiffe beim 1:1 gegen Freiburg die Mannschaft beschäftigt?

Eugen Polanski: Klar war das nach dem Spiel kurz Thema. Ich fand es in der Form nicht okay, hätte mir, wie sonst auch, mehr Unterstützung als Kritik von den Rängen gewünscht. Es wird mir aktuell zu viel von außen schlecht geredet. Vielleicht kommen einige Leute mit zu großer Erwartungshaltung ins Stadion, in der Hoffnung auf Spektakel. Natürlich ist die Stimmung auch ein Stück weit vom Erfolg abhängig, aber es ist eben nicht selbstverständlich, dass es immer so gut läuft, wie in den vergangenen beiden Jahren — man muss jede Saison für sich sehen.

Gefühlt ist die Stimmung bei einigen im Umfeld aus meiner Sicht fast etwas unruhiger, ungeduldiger und auch unzufriedener als vor rund zwei Jahren im Abstiegskampf. Woran liegt das?

Polanski: Man darf nicht den Fehler machen und die Vorsaison immer als Maßstab nehmen. Viele haben damals über einen langen Zeitraum ihr Maximum gezeigt, vielleicht sogar ein bisschen mehr abgerufen. Daraus lässt sich keine Selbstverständlichkeit ableiten.

Sie waren gegen Freiburg nicht dabei. Wie schwer ist es für Sie, das Reservistendasein zu akzeptieren? Sie haben es auf gerade einmal sechs Bundesliga-Kurzeinsätze in dieser Saison gebracht.

Polanski: Natürlich bin ich sauer, ich möchte spielen. Ich mache es mir aber auch nicht so einfach, alles auf andere zu schieben oder zu sagen: Spiele ich nicht, ist der Trainer ein Depp. Ich denke da differenzierter und habe zu unserem Coach ein sehr gutes Verhältnis. Ich bin nicht sauer auf den Menschen Julian Nagelsmann.

Wollen Sie eine Erklärung vom Trainer, warum Sie wie gegen Freiburg zuletzt nicht im Kader waren?

Polanski: Der Coach trifft seine Entscheidungen sicher nicht gerne und ich muss sie akzeptieren. Wenngleich ich für mich natürlich denke, ich könnte dem Team weiterhelfen und aus meiner Spielersicht würde ich mich auch aufstellen.

Wann haben Sie denn vorm Heimspiel gegen Freiburg erfahren, dass Sie nicht dabei sind?

Polanski: Am Freitag nach dem Abschlusstraining war klar, dass ich nicht im 18-Mann-Kader stehe.

War dann der Tag gelaufen?

Polanski: Als Familienvater muss man versuchen, die Dinge auf dem Heimweg etwas hinter sich zu lassen. Es macht ja keinen Sinn, wenn die Kinder merken, dass Papa Frust schiebt, wenn er nach Hause kommt. Als die Kids am vergangenen Freitag dann im Bett waren, da hat meine Frau aber doch schnell gemerkt, dass es besser ist, mich etwas in Ruhe zu lassen.

Die Arme — das waren dann ja häufiger keine schönen Freitagabende im Hause Polanski.

Polanski: (lacht) Bevor wir Kinder hatten, war das noch extremer. Da habe ich nach Niederlagen teilweise eine Woche lang nicht mit meiner Frau geredet. Mittlerweile schaffe ich es, das innerhalb eines Tages zu regeln.

Wie werden Sie den Frust los?

Polanski: Ich mache Zusatzschichten im Kraftraum. Und ich war laufen. Sehr viel laufen.

Leidet dann irgendwann die Motivation?

Polanski: Wenn man sagt, dass man Profi ist, dann muss man auch professionell damit umgehen. Ich könnte ja auch bockig sein, das wäre aber komplett kontraproduktiv. Wenn ich die Chance bekomme, dann will ich sie nutzen.

Sie sind der Kapitän der Mannschaft. Wie verändert sich die Rolle eines Kapitäns, wenn er nicht so oft auf dem Spielfeld steht?

Polanski: Ich hoffe, dass sich nichts geändert hat in Bezug auf mich. Man sollte auf und neben dem Trainingsplatz ein Vorbild sein, den anderen zuhören, einen Überblick haben, wo etwas in die falsche Richtung laufen könnte.

Ihr Vertrag endet am 30. Juni. Wie geht es im Sommer weiter?

Polanski: Es gibt momentan keine Gespräche. Ich hätte die TSG theoretisch im Winter verlassen können, aber es gab kein passendes Angebot.

Der dienstälteste Profi verlässt nach fünfeinhalb Jahren den Verein.

Polanski: Echt, bin ich derjenige, der hier am längsten dabei ist? Fünfeinhalb Jahre bei einem Club sind heutzutage eine lange Zeit.

Sie waren schon mal in Spanien aktiv. Reizt das Ausland noch mal?

Polanski: Was ich ab Sommer mache, ist noch völlig offen. Ich bin weltoffen und reisefreudig. Sicher ist: Meine Frau und die Kinder ziehen nach Mönchengladbach in die Heimat. Lust auf Fußball habe ich auch mit bald 32 Jahren auf jeden Fall noch, mein Körper macht auch noch mit. Ich will weiterspielen. Wenn jedoch im Sommer nichts Passendes kommt, dann muss ich mich eben in die Hängematte legen. (lacht)

Hoffenheim setzt intensiv auf den eigenen Nachwuchs. Was zeichnet die junge Spielergeneration aus?

Polanski: Die Jungs sind fußballerischer weiter als ich es in dem Alter war. Hier in der TSG-Akademie machen schon die jungen Spieler ausgeklügeltes Krafttraining; bei uns hat man früher nicht einmal gewusst, was das ist. Die Nachwuchsspieler sind rundum versorgt. Aber darin liegt auch oft die Gefahr.

Inwiefern?

Polanski: Es geht nicht alles nur von alleine und es gehört mehr dazu, als nur zum Training zu kommen. Die Jungs müssen sich schon auch ihrer eigenen Verantwortung bewusst werden. Heißt: Es darf ihnen nicht alles zu einfach gemacht werden, sonst droht sich Bequemlichkeit einzuschleichen. Es kann doch nicht sein, dass man einem Jugend-Spieler noch den leeren Joghurtbecher hinterhertragen muss. Da greife ich als Kapitän ein. Das hat nichts mit Fußball zu tun, sondern mit dem Umgang untereinander und einem professionellen Verhalten neben dem Platz.

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